„Die ASP wird weiter westwärts wandern“

Wie können wir die Viehvermarktung bei einem ASP-Ausbruch in Veredelungsregionen sicherstellen? Darüber sprach top agrar mit der ISN sowie den Schlachtunternehmen Westfleisch und Tönnies.

Seit gut einem Jahr grassiert die ASP in Deutschland. Wie beurteilen Sie das Krisenmanagement der Behörden?

Staack: Das Krisenmanagement war in Brandenburg und Sachsen, wo die ersten ASP-Fälle aufgetreten sind, anfangs katastrophal. Die Seuche wurde mehr verwaltet als bekämpft. Bei den Fällen in Mecklenburg-Vorpommern war das Krisenmanagement hervorragend. Bekämpfungsmaßnahmen haben wie bei einem Uhrwerk ineinandergegriffen und wurden schnell umgesetzt.

Sind Niedersachsen und NRW, in denen die Veredelung eine viel größere Rolle spielt, besser aufgestellt?

Staack: Ja, dort wurden von den jeweiligen landwirtschaftlichen Organisationen und Interessengemeinschaften mit den Wildtierseuchen-Vorsorge-Gesellschaften Organisationen geschaffen, die den Behörden nicht nur mit Rat und Tat zur Seite stehen. Sie halten zudem über 100 km Zaun, diebstahlsichere Weidezaungeräte und Geländequads vor. Sie übernehmen auch die Suche sowie das Bergen von Wildschweinekadavern und richten Reinigungs- bzw. Desinfektionsplätze ein.

Die hohe Schlagkraft ist wichtig, denn im Ernstfall müssen die PS schnell auf die Straße gebracht werden. Denn ein punktuelles ASP-Geschehen kann schnell und unverhofft auftreten – dann zählt jede Minute.

Ist den Behörden klar, wie viele Tiere in einem viehdichten Kreis wie Borken jede Woche schlachtreif sind?

Altemeier: Für den Landkreis Borken gibt es ein solches Szenario. Ausgehend von einer Gesamtfläche des Kreises Borken von 1421 km² und insgesamt 2,3 Mio. gehaltenen Mastschweinen, würden im Seuchenfall in einer Restriktionszone mit einem Radius von 8 km wöchentlich 6200 Schweine die Schlachtreife erreichen.

Sind die Veterinärämter in den viehstarken Kreisen ausreichend gerüstet?

Altemeier: Vom NRW-Ministerium wurde ein ASP-Sachverständigengremium eingesetzt, in welchem neben uns auch Kreisveterinärbehörden mitarbeiten. Das trägt dazu bei, dass alle den gleichen Wissensstand haben. Wichtig ist zudem, dass die Zusammenarbeit kreis- und bundesländerübergreifend funktioniert. Das überregionale Krisenmanagement wurde und wird immer wieder geübt. Im Ernstfall soll man sich z.B. gegenseitig mit Personal aushelfen.

Was muss noch verbessert werden?

Oetjen: Wichtig ist, dass auf Kreis-, Landes- und Bundesebene die gleichen Spielregeln gelten. Ein ganz wichtiger Schritt ist das Angleichen von Formularen, z.B. für den Tiertransport in oder aus Restriktionsgebieten.

Staack: Jedes noch so kleine Ausbruchsgeschehen bedeutet erhebliche Restriktionen für viele Betriebe. Deshalb kommt es darauf an, dass die Behörden vor Ort mit Augenmaß vorgehen und die ASP-gebeutelten Schweinehalter nicht noch zusätzlich in die Enge...