Biogas: Raus aus der Krise! Premium

Viele Biogasanlagen haben finanzielle Probleme. Unser Praxisbeispiel* zeigt, wie man diese erkennt und welche Auswege es gibt.

Mit der Havarie fing der Ärger an, ist Landwirt Armin Nordmeyer (Name geändert) überzeugt. Seine Biogasanlage ist mit rund 500 Kilowatt (kW) Leistung im Jahr 2011 ans Netz gegangen. Der Hersteller hatte geworben, dass die Anlage fast nur mit Mist betrieben werden kann, von dem der Landwirt viel zur Verfügung hat.

Auslöser Monteursfehler:

Im August 2012 jedoch passierte es: Das Behälterdach war aufs Dreifache aufgebläht, die Holzbalkendecke um 80 cm angehoben, Substrat quoll oben über die Behälterwand. Wie sich später herausstellte, hatte ein Monteur versehentlich die Drehrichtung einer Pumpe vertauscht. Statt Substrat aus dem Behälter zu pumpen, wurde es hineingepumpt.

Schnelles Eingreifen von Betreiber und Monteuren sorgten zwar dafür, dass die Anlage nach wenigen Tagen wieder auf Volllast lief. Aber später zeigte sich, dass beim Absenken der Fermenterhaube Holz des Traggestells in den Behälter gefallen war und von den Rührwerken klein gehäckselt wurde. „Daraufhin fielen immer wieder Pumpen aus, weil sich Holzstücke darin verklemmten. Das führte zu einem allmählichen Absinken der Gasproduktion“, beschreibt Unternehmensberater Matthias Bäcker von Mammut Consulting aus Kiel, den der Betreiber Anfang 2014 wegen finanzieller Schwierigkeiten um Hilfe gerufen hatte.

Der Fall ist keine Ausnahme. „Die starken Boomjahre zwischen 2010 und 2012 haben auch die größten Probleme verursacht“, hat die Biogas-Sachverständige Dr. Sarah Gehrig aus Hannover festgestellt. In der Goldgräberzeit haben die Hersteller fast jedes Jahr über 1000 neue Anlagen installiert und wegen der vielen Aufträge häufig mehr auf Geschwindigkeit als auf Qualität gesetzt. Weil gute Monteure, aber auch hochwertige Komponenten ständig Mangelware waren, wurde oft minderwertiger Ersatz gewählt. „Die Betreiber haben es geduldet, damit die Anlage wegen der höheren Vergütung noch vor Jahresende ans Netz ging“, sagt Gehrig.

Die Probleme kommen jetzt nach vier bis fünf Jahren ans Licht. Viele Anlagen schreiben am Jahresende gerade einmal eine schwarze Null, weil sie nicht die erhoffte Leistung bringen. Dazu kommen ungeplante Kosten für Reparaturen und Nachinvestitionen. „Wir sprechen in dem Fall von einer Rentabilitätskrise, die sich bei rechtzeitigem Eingreifen wieder lösen lässt“, beschreibt Bäcker. Doch immer mehr Anlagen rutschen in die Insolvenz, wie die steigende Zahl von Anlagenverkäufen und -übernahmen zeigt“. Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • Die ersten Hersteller sind insolvent und vom Markt verschwunden. Andere prozessieren mit den Betreibern.
  • Nach der anfänglichen Euphorie kündigen viele Versicherungen den Biogaserzeugern wegen der Häufung der Schadensfälle die Verträge oder erhöhen die Versicherungsbeiträge drastisch.
  • In einigen Regionen haben sich die Rohstoffe innerhalb kurzer Zeit um bis zu 30% verteuert.
  • Neue Auflagen im Wasserrecht, in der Betriebssicherheit oder im Arbeitsschutz sorgen für ungeplante Ausgaben, weil die Betreiber nachrüsten müssen. Es gibt dagegen keinen Bestandsschutz für Altanlagen. Und viele der Auflagen, die der Gesetzgeber vor drei bis vier Jahren aufgrund des Biogasbooms angestoßen hatte, treten jetzt erst in Kraft.
  • Hohe Kosten wird nach Gehrigs Auffassung vor allem die Sanierung der Fahrsilos...

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