Biomethan statt Strom: Lohnt sich der Wechsel? Plus

Der Biomethanverkauf vor allem als Kraftstoff könnte eine Alternative zur Stromerzeugung sein. Ob sich der Markt entwickelt, hängt jetzt von der Politik ab.

Wenn nach 20 Jahren die Vergütung nach dem EEG ausläuft, überlegt der eine oder andere Biogasanlagenbetreiber: Soll ich weiter Strom produzieren oder die Anlage auf die Biomethanproduktion umstellen? Statt des BHKW wäre dafür eine Gasaufbereitung nötig, mit deren Hilfe das CO2 aus dem Biogas entfernt und das Gas auf Erdgasqualität gebracht wird.

Der Energieträger lässt sich als Erdgasersatz sehr flexibel im Gasnetz, an Tankstellen oder in Gaskraftwerken einsetzen.

Nach einer Studie der Deutschen Energieagentur (dena) gibt es dafür erhebliches Potenzial: Auch mit Berücksichtigung des nötigen Anbaus von Nahrungs- und Futtermitteln ließe sich die Biomethanproduktion von heute 10 Terawattstunden (TWh) auf um die 100 TWh steigern. Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfachs (DVGW) geht sogar von 214 bis 414 TWh aus. Zusammen mit synthetischen Kraftstoffen wie Wasserstoff oder Methan (Power-to-Gas) könnte Deutschland knapp die Hälfte seines heutigen Erdgasbedarfs mit diesen Quellen decken.

Vielseitig einsetzbar

Ein weiterer Vorteil laut dena: Biomethan kann je nach Bedarf vielseitig im Strom-, Wärme- und Kraftstoffmarkt eingesetzt werden. Langfristig sieht die dena Bio-CNG (komprimiertes Biomethan) und Bio-LNG (flüssiges Biomethan) als ernstzunehmende Alternative zu fossilen Kraftstoffen im Schwerlast- und Schiffsverkehr: 118 TWh Biomethan reichen aus, um mehr als 12 Mio. Pkw oder 185000 Lkw zu betanken, rund 8 Mio. Einfamilienhäuser zu beheizen oder rund 12,5 Mio. Vier-Personenhaushalte mit Strom zu versorgen.

Ein positives Signal hierfür ist, dass die Bundesregierung die seit 2019 geltende Mautbefreiung für Erdgas-Lkw bis zum 31. Dezember 2023 verlängert hat. „Das könnte auch den Absatz für Biomethan beflügeln“, sagte Alexey Mozgovoy, Biomethanexperte beim Fachverband Biogas.

Zudem hat Biomethan aus Gülle, Stroh und Bioabfällen im Vergleich zu den fossilen Kraftstoffen eine sehr gute Treibhausgasbilanz. Verglichen mit Batteriefahrzeugen, die Strom mit dem heutigen Mix aus dem Netz nutzen, schneiden sie ebenfalls besser ab, zeigt eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung im Auftrag des Biogasrates.

Auch das Bundeswirtschaftsministerium erkennt Biomethan als wichtige Alternative zu Erdgas und als Ergänzung strombasierter erneuerbarer Gase an, zeigt die Bilanz des Dialogprozesses „Gas 2030“. Darin haben Unternehmen und Verbände sowie Vertreter aus Wissenschaft und Politik die mittel- und langfristigen Nutzungsoptionen von Gas diskutiert und hierbei insbesondere den Beitrag erörtert, den erneuerbare Gase zum Erreichen der Klimaziele im Wärme- und Verkehrssektor leisten können.

Rolle keineswegs sicher

Doch das Potenzial für Biomethan im Verkehr ist in der Fachwelt umstritten....


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