Direktvermarktung: Erste Erfahrungen der Praxis

Seit einem Jahr wird der Stromverkauf an der Börse besonders gefördert. Wie kommen Landwirte mit dem neuen System zurecht? top agrar hat nachgefragt.

Im Technikcontainer ist es ruhig. Das Blockheizkraftwerk (BHKW) ist aus. Die meisten Biogasanlagenbetreiber wären jetzt beunruhigt: Schließlich erzeugt das BHKW dann keinen Strom, die Einnahmen bleiben aus. Michael Borgard dagegen ist zufrieden. „Wir bekommen den Stillstand sogar bezahlt“, erklärt der Geschäftsführer der Bioenergie Stötze GmbH aus dem Landkreis Uelzen (Niedersachsen). Die Biogasanlage, an der elf Landwirte beteiligt sind, gehört zu den ersten in Deutschland, die bedarfsgerecht Strom erzeugen. Diese neue Produktionsweise wird seit Anfang 2012 mit dem sogenannten Marktprämienmodell (siehe Kasten auf Seite 22) gefördert.

Borgard hat sich mit seinen Mitgesellschaftern im Jahr 2011 für den Einstieg in die Direktvermarktung entschieden. Die Biogasanlage hat eine installierte Leistung von 960 Kilowatt (kW). „Unser Ziel ist es, den Strom nur noch an den Zeiten zu produzieren, an denen er möglichst viel Wert ist“, berichtet Borgard. Von den drei BHKW der Biogasanlage wird ein BHKW mit 300 kW per Zeitschaltuhr nachts abgestellt.

Diesen neuen Weg beschreitet Borgard nicht allein. Mit über 70 weiteren Berufskollegen ist er an der „Genossenschaft Deutscher Grün-Energie-Erzeuger“ (GDGE) beteiligt. Der Strom wird gemeinsam über Energy2Market (E2M) in Leipzig vermarktet.

Mittlerweile haben sich viele Anlagenbetreiber in Vermarktungsgemeinschaften zusammengeschlossen. Im Januar 2013 waren rund 2 Gigawatt Biomasse-Strom in der Direktvermarktung – mehr als doppelt so viel wie im Januar 2012. Der Anteil der Biogasanlagen daran dürfte sehr hoch sein.

„Den Einstieg haben letztes Jahr die meisten Betreiber über die Managementprämie gemacht“, berichtet E2M-Geschäftsführer Bodo Drescher. Damit die Landwirte Vertrauen in das neue Modell gewinnen, haben Stromhändler wie E2M einen Mehrerlös von mindestens 0,15 Cent je kWh zuzüglich zur sonst gezahlten EEG-Vergütung garantiert. Bei einer Biogasanlage mit 500 kW waren damit rund 6 000 € pro Jahr Mehrerlös möglich. Die 0,15 Cent sind die Hälfte der Managementprämie, die sich Stromerzeuger und Händler teilen.

Prämie nur der Einstieg:

E2M bietet diese Garantie inzwischen nicht mehr. „Wir wollen, dass die Betreiber höhere Erträge erzielen und ihre Anlage so umstellen, dass sie bedarfsgerecht Strom erzeugt“, begründet Drescher dieses.

Aber auch die Landwirte selbst haben festgestellt, dass sie bei der Managementprämie kaum von den Möglichkeiten profitieren, die der Markt bietet. „Nur rund 10 % der bei uns angeschlossenen Betreiber nimmt inzwischen nur noch die Markt- und Managementprämie in Anspruch“, erklärt auch Jan Aengenvoort von Next Kraftwerke, einem weiteren Stromhändler aus Köln.

Regelenergie verkaufen:

Der nächste Schritt ist die Vermarktung von Regelenergie. „Das machen bei uns rund 85 % der Betreiber“, berichtet Aengenvoort. Die Regelenergie dient dazu, kurzfristige Schwankungen im Stromnetz auszugleichen. Bislang übernehmen das Pumpspeicher- oder Gaskraftwerke.

Den Bedarf an Regelenergie schreiben die Übertragungsnetzbetreiber gemeinsam aus. Er wird an einer Ausschreibungsplattform online gehandelt. Bei der Regelenergie unterschiedet man die drei Formen Primär- und Sekundärregel-energie sowie Minutenreserve. Außerdem gibt es positive und negative Regel-energie: Positive wird bei zu wenig Strom aufgeschaltet, negativ bedeutet, dass Kraftwerke abgeschaltet werden.

Die Primärregelleistung muss innerhalb von 30 Sekunden zur Verfügung stehen, die Sekundärregelleistung innerhalb von 5 Minuten und die Minutenreserve innerhalb von 15 Minuten. „Sowohl die Sekundärregelleistung als auch die Minutenreserve können Biogas-BHKW...

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