Gärrest im Gewächshaus Plus

Das Unternehmen Terragie aus Nordrhein-Westfalen will mit einem neuartigen Konzept Gülle und Gärrest komplett aufbereiten. Ein Baustein dazu ist die Produktion von Wasserlinsen im Gewächshaus.

Hanspeter Maas macht sich schon länger Gedanken über die Entsorgung des Problemstoffs Gülle. Er ist Geschäftsführer der AgriV Raiffeisen eG aus Sonsbeck am Niederrhein (Nordrhein-Westfalen), die in den Kreisen Wesel, Kleve und Borken tätig ist. In der Region stehen 55% aller Kühe und 23% aller Schweine des Landes, die Viehdichte erreicht mit 2,5 bis 3 Großvieheinheiten pro ha Spitzenwerte.

Außerdem grenzt das Gebiet an die Niederlande, die jährlich 1,5 Mio. m3 Gülle nach Deutschland exportiert. „Zudem haben Landwirte in den vergangenen Jahren die Zahl ihrer Kuhplätze verdoppelt bis verdreifacht. Auch verschärfen die neuen Höchstgrenzen der geplanten Dünge-Verordnung das Problem“, sagt Maas. Gülletourismus hat Hochkonjunktur. Aber die Fracht ist wegen des hohen Wassergehalts teuer – egal, ob mit dem Schiff oder per Sattelzug. Daher suchen die Landwirte dringend nach Lösungen.

Neuartige Aufbereitung:

Hilfe könnte ein neuartiges Konzept der Terragie aus Kalkar bringen. Das Unternehmen, das die AgriV gemeinsam mit der Agravis Raiffeisen eG aus Münster gegründet hat, behandelt Gülle oder Gärrest aus Biogasanlagen in fünf Schritten:

  • Zunächst trennt ein Pressschneckenseparator den Wirtschaftsdünger in eine feste und eine flüssige Phase.
  • Die Festphase verarbeitet die Terragie weiter zu einem streufähigen Dünger und transportiert ihn per Lkw in Ackerbauregionen.
  • Die flüssige Dünnphase gelangt dagegen in einen speziell entwickelten „Absetzer“. Hierin hält ein Filter die restlichen Feststoffe zurück, die Terragie ebenfalls mit der Festphase nach der Separation zu Dünger verarbeitet.
  • Die zurückbleibende Flüssigkeit dient in eigens entwickelten Gewächshäusern als Nährlösung für Wasserpflanzen wie z.B. Wasserlinsen.
  • Diese Pflanzen lassen sich zu Eiweißfuttermittel oder als Leistungssteigerer in Biogasanlagen weiterverarbeiten.

Herzstück des neuen Verfahrens ist der „Absetzer“. Die eingepumpte Dünnphase muss hierin zunächst einen Zyklon durchfließen, der nach oben spitz zuläuft. Die Flüssigkeit wird wegen der runden Zyklonform verwirbelt.

Fällung mit Eisenchlorid:

Über eine ca. 20 cm lange Injektionsnadel aus säurebeständigem Kunststoff wird Eisen-III-Chlorid in den Zyklon automatisch zudosiert. Die Eisenchloridfällung des organischen Materials ist nicht neu. „Bislang gibt man das Mittel aber in einem Vorratsbehälter dazu. Bei unserem Verfahren brauchen wir wegen der guten Durchmischung deutlich weniger von der Chemikalie“, sagt Maas. Denn das Mittel gelangt in den Flüssigkeitsstrom und kann innerhalb von Sekunden mit der Dünnphase reagieren. Dabei flockt die organische Masse sofort aus, die sich im Absetzbecken oben anreichert und einfach abscheiden lässt.

Bei Rindergülle beispielsweise gehen zwei Drittel der Nährstoffe aus der...


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