Strom vor Ort verkaufen – eine Alternative zum EEG? Premium

In zwei Jahren müssen die ersten Anlagen ihren Strom selbst vermarkten. Wir geben einen Überblick, welche Modelle möglich sind.

Was kommt nach dem EEG? Immer häufiger stellen sich Biogaserzeuger, Solar- und Windstromproduzenten diese Frage. Schon im Jahr 2021 erhalten die ersten von ihnen keine Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mehr. Denn dann ist das Ende des 20-jährigen Förderzeitraums erreicht.

Spielraum für den Preis:

Welchen wirtschaftlichen Spielraum Sie beim Stromverkauf haben, zeigt unsere Übersicht. Darin hat die Energieagentur am Beispiel des Durchschnittspreises für Gewerbekunden im Jahr 2017 aufgeführt, wie sich der Strompreis zusammensetzt. Der Preis für Beschaffung und Vertrieb des reinen Stroms (hier der Börsenstrompreis) lag bei ca. 5 ct/kWh (siehe linke Säule). Wenn Sie den Strom über das Netz direkt vermarkten und den gleichen Preis erzielen wollen, könnten Sie diese Kosten als Erlös ansetzen. Zum Vergleich: Abgeschriebene Windenergieanlagen können laut Studien Strom für ca. 2,8 bis 3,6 ct/kWh erzeugen.

In der mittleren und rechten Säule ist der Preisspielraum dargestellt, den Sie bei einer Direktlieferung hätten. Da nur die Umlage für abschaltbare Lasten und die Umsatzsteuer anfallen, könnten Sie bis zu 15 ct/kWh verlangen. „Die dunkelgrünen Flächen zeigen die Spielräume für Stromgestehungskosten, Gewinnmarge und Kosten für Vermarkter“, erläutert Lisa Conrads von der Energie-Agentur NRW. Sie weist darauf hin, dass die Werte nur als grobe Richtung gesehen werden können. Für eine genaue Berechnung benötigt man die tatsächlichen Preise. Die Höhe der Erlöse hängen auch davon ab:

  • Inwieweit können Sie den Strombedarf des Abnehmers decken?
  • Wer übernimmt die Kosten für eine neue Stromleitung?
  • Welchen Strompreis hat der Abnehmer bislang gezahlt und zahlt er für den Ökostrom einen Aufschlag?

Ideen für den Verkauf:

Der Verkauf an der Strombörse ist bei Preisen von 2 bis 4 ct/kWh heute keine Alternative. „Die Preisentwicklung am Strommarkt ist sehr volatil und verspricht keine verlässlichen, ausreichenden Erträge für den wirtschaftlichen Weiterbetrieb“, erklärt Ove Petersen, Geschäftsführer des Unternehmens GP Joule aus Schleswig-Holstein, das u.a. alternative Vermarktungsmodelle für erneuerbare Energien entwickelt. Vielversprechender sind folgende Lösungen:

  • Den Strom direkt an einen Kunden vor Ort verkaufen (Direktlieferung),
  • Ökostrom-Zertifikate vemarkten,
  • Wasserstoff oder Wärme in „Power-to-X-Anlagen“ erzeugen.

1.Direktlieferung:

Sie unterscheidet sich von der im EEG definierten „Direktvermarktung“ vor allem dadurch, dass der...

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Artikel geschrieben von

Hinrich Neumann

Redakteur Energie

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