Klimaschutzgesetz

2022 wird entscheidend für Klimaziel 2030

Weniger erneuerbare Energien und mehr Emissionen: Das Jahr 2021 war nach einer Studie von Agora ein Rückschlag für die Energiewende. Jetzt kommt es auf eine Neuausrichtung an.

Im Jahr 2021 sind die Treibhausgasemissionen in Deutschland deutlich angestiegen. Mit einem Plus von rund 33 Mio. t CO₂ beziehungsweise 4,5 % gegenüber 2020 droht die Bundesrepublik den Anschluss an ihr 2030-Klimaziel zu verlieren. Das zeigt die Jahresauswertung von Agora Energiewende, in der der Thinktank die wichtigsten Entwicklungen der Energiewende in Deutschland im Jahr 2021 vorstellt.

Große Lücke zu den Klimazielen

Zugleich wird mit 38 % Emissionsminderungen gegenüber 1990 das 2020-Ziel von -40 % wieder verfehlt. Haupttreiber für den Emissionsanstieg auf 772 Mio. t CO₂ waren die wirtschaftliche Teilerholung nach dem Pandemiejahr 2020, eine höhere Kohleverstromung bedingt durch stark gestiegene Gaspreise, ein Rückgang der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien sowie eine kühlere Witterung. Die Umsetzungslücke zu den Klimazielen ist größer denn je.

Das Klimaschutzgesetz gibt Minderungsziele für die Bereiche Energiewirtschaft, Gebäude, Verkehr, Industrie und Landwirtschaft vor. Laut Agora-Analyse verfehlt der Gebäudesektor nach 2020 nun auch 2021 das gesetzlich festgelegte Klimaziel, diesmal um 12 Mio. t CO₂. Hinzu kommt eine knappe Zielverfehlung im Verkehrssektor, obwohl die Mobilität der Deutschen coronabedingt noch immer eingeschränkt war. Die Emissionen der Industrie lagen auf dem Zielpfad, weil die Produktion auch 2021 noch etwas gedämpft war. „Angesichts des fortgesetzten Konjunkturaufschwungs ist ein weiterer Emissionsanstieg 2022 bereits absehbar. Nur ein schnell wirksames und umfassendes Sofortprogramm der neuen Bundesregierung kann verhindern, dass die Schere zwischen Klimazielen und Klimamaßnahmen noch weiter aufgeht“, sagt Simon Müller, Direktor Deutschland bei Agora Energiewende.

Einbruch bei Ökostromproduktion

Während die Stromproduktion aus Windkraftanlagen 2021 der Agora-Analyse zufolge den größten Einbruch aller Zeiten verzeichnete, erzielte die Kohleverstromung einen Rekordzuwachs. Insgesamt lieferten Erneuerbare Energien 40,5 % an der gesamten Stromerzeugung im Vergleich zu 43,6 % 2020. Ihr Anteil am Stromverbrauch, also abzüglich des Exportüberschusses, lag 2021 nur noch bei 42,3 % – im Vorjahr hatten sie dank Sondereffekten noch den Höchstwert von 45,6 % erreicht. Die Kohle erhöhte ihren Anteil an der Stromerzeugung dagegen bedingt durch hohe Gaspreise um knapp ein Fünftel auf 27,8 % –...


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