Windenergie

Kreis Paderborn ist Energie-Kommune des Monats

Der erneuerbare Stromanteil im Landkreis Paderborn liegt bei 150 %. Der Anteil der Windenergie ist außergewöhnlich hoch – die Bürgerbeteiligung auch.

von Hinrich Neumann Hinrich Neumann
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Als einziger Landkreis in Nordrhein-Westfalen deckt der Kreis Paderborn seinen Strombedarf durch erneuerbare Energien selbst. Bereits seit 2018 versorgt sich der Kreis zu 100 % selbst mit erneuerbarem Strom. Heute liegt der Anteil bei 150 %. Bald könnte dieser zur Produktion von grünem Wasserstoff verwendet werden.

Der hohe Anteil an klimafreundlichem Strom wurde durch den konstanten Ausbau der Windenergie im Kreisgebiet realisiert: Aktuell erzeugen Windenergieanlagen zuverlässig rund 80 % des Stroms. Durch die Beteiligung der Bürger genießt die Windenergie eine hohe lokale Akzeptanz. Lediglich die weiterhin bürokratische Projektierung von Anlagen stehe einem beschleunigten Ausbau im Weg.

„Flächenpacht, Gewerbesteuereinnahmen und Beteiligungsmodelle schaffen regionale Wertschöpfung und fördern mittelbar die Akzeptanz für Windenergieanlagen“, sagt Dr. Robert Brandt, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE), die den Kreis jetzt als „Energiekommune des Monats“ ausgezeichnet hat. „Verfehlte Kommunikation und die verpasste Einbeziehung der Bürger bremsen die Energiewende hingegen aus.“ Der Kreis Paderborn und engagierte Unternehmer zeigen beispielhaft, wie man den Ausbau von Windenergie und regionale Akzeptanz zusammenführt.

39 % weniger CO₂-Emissionen

Im Vergleich zu 1990 hat es der Kreis Paderborn geschafft, seine CO₂-Emmissionen um 39 % zu reduzieren. Der Ausbau der erneuerbaren Energien hatte maßgeblichen Anteil daran. Zum Vergleich: 2011 wurden im Kreisgebiet jährlich 750 Megawattstunden (MWh) erneuerbarer Strom produziert, bis 2018 konnte die Produktion auf 2.600 MWh im Jahr erhöht werden. Dieser Erfolg wurde zum einen durch den ständigen Informationsaustausch des Kreises mit seinen Kommunen und Nachbarlandkreisen erreicht: Funktionierende Konzepte wurden so schnell übertragen und Synergien genutzt.

Zum anderen spielt aber auch das Engagement der Paderborner eine wichtige Rolle. Projekte wurden möglichst bürgernah geplant und erzielte Einnahmen konnten im Landkreis reinvestiert werden. Über die vom Kreis unabhängige Energiestiftung Sintfeld kommen jährlich beispielsweise etwa 180.000 € dem regionalen Vereinswesen zugute. Diese werden aus den Gewinnen von Windparks in Bad Wünneberg, einer Kleinstadt im Kreisgebiet, bereitgestellt. Von den günstigen Stromtarifen profitieren auch ansässige Unternehmen besonders in Zeiten energetischer Unsicherheiten. Das schafft Vertrauen und Akzeptanz für die Energiewende.

Eigenes Wasserstoffprojekt

Außerdem ist der Kreis über das Projekt „HyDrive OWL“ an der Etablierung einer Wasserstoffinfrastruktur in der Region Ostwestfalen-Lippe beteiligt. Im vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr geförderten Projekt wird gerade die technische sowie wirtschaftliche Machbarkeit einer nachhaltigen Wasserstoffproduktion entlang der gesamten Wertschöpfungskette in der Region evaluiert. Der Kreis setzt aber auch weitere Projekte in diesem Bereich um. 2022 hat der Kreis eine Kooperationsvereinbarung für die Produktion von grünem Wasserstoff auf dem Gelände des Entsorgungszentrums „Alte Schanze“ unterschrieben. In Zukunft soll dort grüner Wasserstoff produziert werden.

Das ausführliche Portrait zu der Energie-Kommune des Monats finden Sie hier.


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