Klimaschutz

Agora-Studie: Deutschland kann Klimaziele wesentlich früher erreichen

Nach einer Studie der Stiftung Klimaneutralität, Agora Energiewende und Agora Verkehrswende könnte die Bundesrepublik bis 2045 treibhausgasneutral sein.

Werden Klimaschutztechnologien wie Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Elektrifizierung und Wasserstoff schneller als geplant ausgebaut, könnte Deutschland seine für 2050 gesteckten Klimaziele wesentlich früher erreichen und schon bis 2045 treibhausgasneutral werden. Dies geht aus einer neuen Studie dreier Klimaschutzorganisationen hervor, die heute in Berlin veröffentlicht wurde. Das Gutachten mit dem Titel „Klimaneutrales Deutschland 2045“ zeigt, dass ein um fünf Jahre vorgezogenes Zieljahr knapp eine Milliarde Tonnen CO₂-Emissionen einsparen würde. Mit der Vorgängerstudie „Klimaneutrales Deutschland 2050“ hatten die drei Organisationen bereits gezeigt, wie das von der Bundesregierung beschlossene Ziel mit einem großen Investitions- und Modernisierungsprogramm erreicht werden kann.

Großer Markt für erneuerbare Energien

Rainer Baake, Direktor der Stiftung-Klimaneutralität: „Klimaneutralität ist ein Rennen gegen die Zeit. Inzwischen sind immer häufigere Extremwetterlagen von einer bedrohlichen Prognose zur bedrückenden Realität geworden. Der einschneidende Kurswechsel in den Vereinigten Staaten verdeutlicht die wachsende Dynamik bei der Klimaambition.“ Klimaneutralität 2045 bedeutet allein in Deutschland einen Markt für erneuerbare Energien von etwa 30 Gigawatt pro Jahr, eine Sanierungsrate von 1,75 % pro Jahr und eine schnelle Markteinführung der Wasserstoff-Technologie.

Weichen müssen heute gestellt werden

Die Studie zeigt, dass die Weichen heute richtig gestellt werden müssen, wenn der Übergang zur Klimaneutralität in allen Sektoren gelingen und sogar beschleunigt werden soll. Für die wichtigsten Wirtschaftssektoren bedeutet das Szenario im Einzelnen:

  • In der Energiewirtschaft werden erneuerbare Energien stärker und schneller ausgebaut. Der Stromverbrauch wächst von 2030 bis 2045 um knapp 60 % auf etwa 1.000 Terawattstunden – vor allem wegen der weiteren Elektrifizierung sowie der steigenden inländischen Herstellung von Wasserstoff. Der Fokus des Zubaus an erneuerbaren Energien nach 2030 liegt weiter auf der Windenergie und der Photovoltaik. Wasserstoff gewinnt zunehmend an Bedeutung und löst nach 2040 Erdgas als wichtigsten Energieträger für die regelbare Stromerzeugung ab – in Zeiten, wo weder ausreichend Sonnen- noch Windenergie zur Verfügung stehen.
  • Die im Jahr 2045 benötigte installierte Leistung von Photovoltaikanlagen beträgt 385 Gigawatt. Gegenüber dem Vergleichsjahr in der Studie Klimaneutrales Deutschland 2050 bedeutet dies eine Steigerung um 70 Gigawatt. Auch für die Windkraft sind nochmals höhere Ausbaukorridore notwendig. Für Windenergie an Land ist im Jahr 2045 eine Erzeugungskapazität von 145 Gigawatt erforderlich, und der Ausbau von Windenergie auf See auf 70 Gigawatt muss auf das Jahr 2045 vorgezogen werden. Gegenüber der Studie Klimaneutrales Deutschland 2050 bedeutet dies für das Jahr 2045 Erhöhungen der installierten Leistung von 17 Gigawatt an Land und 9 Gigawatt auf See.
  • In der Industrie setzt sich der Trend hin zu Strom und Wasserstoff sowie teilweise Biomasse als Energieträger fort, sodass die Industrie bis zum Jahr 2040 weitestgehend klimaneutral ist. Auch die chemischen Rohstoffe werden schon ab 2030 sukzessive durch chemisches Recycling und synthetische, auf nicht-fossilem CO2 beruhende Einsatzstoffe ersetzt.
  • Im Gebäudebereich wird nach 2030 die Sanierungsaktivität beschleunigt. Die auf den Gesamtwohnungsbestand bezogene mittlere jährliche Sanierungsrate steigt im Zeitraum 2030 bis 2045 auf annähernd 1,75 %. Diese liegt etwas höher als die 1,6 %, die im Szenario „Klimaneutrales Deutschland 2050“ für den Zeitraum 2030 bis 2050 unterstellt wurden. Gleichzeitig werden die Marktdurchdringung von Wärmepumpen und der Ausbau der Fernwärme gegenüber dem Szenario „Klimaneutrales Deutschland 2050“ für den Zeitraum nach 2030 weiter beschleunigt.

Ab 2032 keine Verbrenner mehr zugelassen?

  • Im Verkehr betreffen die Veränderungen gegenüber dem 2050er-Szenario vor allem die Geschwindigkeit bei der Elektrifizierung. Bereits ab dem Jahr 2032 werden keine Pkw mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen. Bis zum Jahr 2045 werden dann auch im Pkw-Bestand nahezu alle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor durch E-Pkw ersetzt. Auch der Straßengüterverkehr wird bereits ab 2045 fast ausschließlich mit batterieelektrischen, Oberleitungs- und Brennstoffzellenfahrzeugen betrieben, ebenso wie Bus und Bahn. Insgesamt verbleibt die Personenverkehrsleistung dabei in etwa auf dem heutigen Niveau, die Güterverkehrsleistung steigt aufgrund des Wirtschaftswachstums weiter an.
  • In der Landwirtschaft werden bis 2045 wesentliche Minderungen über den Umbau der Tierbestände und die Vergärung hoher Wirtschaftsdüngeranteile in Biogasanlagen erreicht. Die wichtigste Änderung gegenüber dem Szenario Klimaneutrales Deutschland 2050 liegt in der konsequenten Fortschreibung aktueller Trends hin zu einer steigenden Nachfrage nach pflanzlichen und synthetischen Ersatzprodukten für Fleisch und Milch. Diese steigt ab dem Jahr 2030 bis zum Jahr 2045 auf einen Anteil von 15 % am gesamten Verbrauch. Für dieses Marktsegment lässt sich bereits heute eine dynamische Entwicklung beobachten (wenn auch auf niedrigem Niveau), sodass eine solche Steigerungsrate eher in der Mitte des Spektrums der zu erwartenden Entwicklungen liegt.

Weitere Informationen

Die Zusammenfassung mit Ergebnissen und Szenario-Annahmen steht auf den Websites der drei Klimaschutzorganisationen unter folgenden Links zum kostenfreien Download bereit: www.agora-energiewende.de

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