Aus der Wirtschaft

Gülle- und Gärrestaufbereitung

Aus Gülle wird Humus

Die BayWa AG startet Vertriebskooperation mit Witte GmbH, die eine spezielle Humusanlage entwickelt hat.

Der Bereich „Landwirtschaftliches Bauen“ der BayWa Technik hat sich die alleinigen Vertriebsrechte für die Humusanlage der Firma Witte (Lastrup/Niedersachsen) in Süd- und Ostdeutschland gesichert. Die Anlage verarbeitet Gülle und flüssige Gärreste zu Humus, womit der Hersteller einen Beitrag zur Reduktion des Stickstoffeintrags leisten will. „Hier steht ein wirtschaftliches Konzept zur Verfügung, das die Entlastung von Nährstoffüberschüssen unterstützt und gleichzeitig auf die Regelungen aus der Düngeverordnung einzahlt“, so Heinz Karlein, Produktmanager Landwirtschaftliches Bauen bei BayWa Technik. „Mit der Kooperation können wir diese Art der Gülleverwertung als erster Händler überhaupt in unseren Vertriebsregionen anbieten.“

Einstieg in Deutschland

In Italien und Frankreich haben sich die Anlagen des Herstellers Witte bereits seit mehreren Jahren bewährt, nun will Witte in den deutschen Markt einsteigen: „Wir haben mit der BayWa einen zuverlässigen Partner gefunden, der in seinen Vertriebsgebieten eine starke Position hat und mit dem wir in Deutschland wachsen können“, so Geschäftsführer Valerio Witte.

Als Vertriebspartner liefert die BayWa die gesamte Anlage - von der Planung und der Unterstützung beim Genehmigungsverfahren bis hin zur Einrichtung. Zielgruppen sind Betriebe mit hohem Gülleaufkommen, beispielsweise große landwirtschaftliche Viehbetriebe oder Betreiber von Biogasanlagen. Auch der gemeinschaftliche Betrieb einer Humusanlage von mehreren Landwirten kann eine interessante Option sein.

Gülle in Kombination mit Stroh oder Mähgut

Das Grundprinzip der Humusanlage von Witte besteht darin, aus der anfallenden Gülle in Verbindung mit Feststoffen wie zum Beispiel Stroh, Mähgut aus Extensivgrünflächen oder Pferdemist stickstoffhaltigen Humus zu produzieren. Pro Jahr schafft die Anlage ein Volumen von rund 10.000 Tonnen Gülle, das zusammen mit 1.800 Tonnen Feststoff letztlich etwa 3.500 Tonnen Roh-Humus ergibt.

Kernstück ist ein Aufbereitungsbecken von etwa 70 Meter Länge, 20 Meter Breite und 1,7 Meter Tiefe. Dieses wird zunächst mit Grundmaterial (z. B. Stroh, Mähgut, Mist) befüllt. Ein automatisch gesteuerter Laufkran fährt täglich über dem Becken hin und her. Auf dem Hinweg injiziert er die Gülle oder Gärreste ins Grundmaterial. Beim Rückweg vermengen und durchlüften die am Kran montierten Belüftungsschnecken die Masse und schaffen so optimale Bedingungen für den Humifizierungsprozess. Nach dreieinhalb Monaten ist ein Produktionszyklus beendet. Danach wird das Becken geleert und für den nächsten Zyklus vorbereitet. Im Endprodukt ist durch biologische Abbauprozesse eine Stickstoffreduktion von weit über 50 Prozent erreichbar.

Rohhumus lässt sich vermarkten

Den entstandenen Rohhumus vermarktet der Anlagenbetreiber dann weiter: Abnehmer sind etwa Baumschulen, Obstbau- und Gemüsebaubetriebe, aber auch Betriebe, die den Humus zu hochwertigem Torf weiterverarbeiten. Für diese Vermarktungsvariante bietet die BayWa dem Humusproduzenten Abnahmemöglichkeiten über ein italienisches Partnerunternehmen an. Eine Amortisierung der Gesamtinvestition sei hier nach etwa sieben bis zehn Jahren möglich, bestätigt Karlein. „Dieses Verfahren hat eine Reihe von Vorteilen im Hinblick auf die Stickstoff-Thematik“, fasst er zusammen. „Vor allem lässt sich überschüssige Gülle gemäß Düngeverordnung wirtschaftlich verwerten und muss nicht entsorgt werden.“

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Artikel geschrieben von

Hinrich Neumann

Redakteur Energie

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von Gerhard Steffek

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