Gaskraftwerke

Bayerisches Gaskraftwerk Irsching zurück im Strommarkt

Gesunkene Gaspreise machen die zwei Kraftwerksblöcke 4 und 5 wieder wirtschaftlich. Sieben Jahre lang war das Kraftwerk in der Netzreserve.

In Bayern produziert das Erdgaskraftwerk Irsching mit den Blöcken 4 und 5 ab heute wieder regulär Strom. „Nach sieben Jahren in der Netzreserve kehren in der Nacht zum 1. Oktober zwei der modernsten, effizientesten und saubersten Gaskraftwerke der Welt zurück in den Markt“, heißt es in einer Pressemitteilung der zuständigen Betreiber Uniper, N-ergie, Mainova und Entega. Der Grund sind die verbesserten Marktpreisentwicklungen, insbesondere die gesunkenen Gaspreise, aber auch der CO₂-Preis im Emissionshandel der letzten ein bis zwei Jahre. Dieser macht laut Uniper den Wechsel von Kohle zu Gas wirtschaftlicher. Die Eigentümer hatten aber bereits angekündigt, die Situation von Jahr zu Jahr neu zu bewerten und die Entscheidung bei verschlechterten Marktkonditionen zu revidieren.

Aiwanger: Entlastung für Verbraucher

„Es ist gut, dass die hocheffizienten und modernen Gaskraftwerksblöcke zukünftig wieder mehr genutzt werden, insbesondere in Zeiten geringer Einspeisung aus regenerativen Erzeugungsanlagen. Gaskraftwerke sind bei uns aktuell der richtige Weg, um im Energiemix die Energieversorgung sicherzustellen“, sagte Bayerns Wirtschafts- und Energieminister Hubert Aiwanger bei der offiziellen Eröffnung. Wie Aiwanger betonte, entlaste die Rückkehr auf den regulären Strommarkt auch die Verbraucher, die bisher die Kosten der sogenannten Netzreserve - in der sich die Kraftwerksblöcke seit Jahren befanden - über die Netzentgelte getragen hätten. „Trotz Kernenergie- und Kohleausstieg muss auch zukünftig ausreichend gesicherte Erzeugungsleistung zur Verfügung stehen. Daher fordere ich vom Bund einen systematischen Investitionsrahmen für solche Kraftwerke“, sagte Aiwanger.

N-Ergie: Power-to-Gas würde Erdgas "grüner" machen

Laut Josef Hasler, Vorstandsvorsitzender der N-ERGIE, sei der bisherige Verzicht auf Gaskraftwerke „eine jahrelange politische Fehlentwicklung“. Als Übergangstechnologie für wind- und sonnenarme Phasen seien hocheffiziente und flexibel einsetzbare Kraftwerke, wie Irsching 5, nötig. „Gelingt es, Erdgas zum Beispiel über Power-to-Gas zunehmend zu vergrünen, wird das Kraftwerk auch in Zukunft Bestandteil einer erfolgreichen Energiewende bleiben. Derzeit ist es zwar leider immer noch nicht rentabel, das Kraftwerk zu betreiben, aber wir verringern unsere Verluste gegenüber dem Netzregime unter den Auflagen der Bundesnetzagentur“, sagte Hasler.

Bisher in der Netzreserve

Die beiden Kraftwerksblöcke Irsching 4 und 5 fielen bislang unter die so genannte Netzreserveverordnung. Das bedeutet, dass sie ausschließlich dann zum Einsatz kamen, wenn ihre Leistung zur Stabilisierung des Netzes gebraucht wurde. Das war dann der Fall, wenn das Netz in Süddeutschland wegen temporärer Engpässe gestützt werden musste. Zuletzt hatten die Eigentümer von Irsching 4 und 5 im September 2019 die vorläufige Stilllegung der Blöcke von Oktober 2020 bis Ende September 2021 angezeigt – diese Anzeige haben die Eigentümer nun zurückgenommen.

Irsching 5 hat eine Leistung von 846 Megawatt und ging im Jahr 2010 in Betrieb. Mit einem Wirkungsgrad von 59,7 Prozent gehört es zu den modernsten Gaskraftwerken Europas. Es wird im Auftrag der Eigentümergesellschaften von der Uniper Kraftwerke GmbH betrieben. Uniper hält 50,2 Prozent der Anteile, N-ERGIE 25,2 Prozent, Mainova 15,6 Prozent und ENTEGA 9 Prozent. Irsching 4 mit 561 Megawatt Leistung ging 2011 in Betrieb und ist mit einem Wirkungsgrad von 60,4 Prozent ebenfalls eines der effizientesten Gaskraftwerke weltweit.

Die Redaktion empfiehlt

Bundeswirtschaftsminister Altmaier hat nach dem Dialogprozess „Gas 2030“ erste Handlungsempfehlungen vorgestellt. Der Umstieg auf "grüne Gase" geht der Branche nicht schnell genug.

Nach einer Auswertung der Energy Watch Group machen Methanemissionen aus Erdgasleitungen die CO₂-Einsparungen von Erdgas im Vergleich zu Kohle oder Erdöl wieder wett.

Eine vom Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) beauftragte Studie sieht großes Potenzial für Biogas und Power-to-Gas als Grundpfeiler für die Energiewende.


Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen