Biogas: Das Ende der Regelenergie?

Neue Angebotsverfahren lassen die Erlöse aus Regelenergie weiter fallen. Dagegen nimmt die bedarfsgerechte Stromerzeugung über Fahrpläne weiter an Bedeutung zu.

Seit 2015 nehmen die Erträge aus Regelenergie kontinuierlich ab. „Erste Direktvermarkter bieten gewisse Regelenergieprodukte schon nicht mehr an, andere weisen deren Mehrerlöse zusammen mit dem Zusatzbetrag aus der Direktvermarktung (früher "Managementprämie") aus, um zumindest auf dem Papier noch einen Gewinn vorzeigen zu können“, berichtet Christian Dorfner
von der SK Verbundenergie AG aus Regensburg.

Der Regelenergiemarkt gerät aktuell zusätzlich unter Druck. Denn der Zuschlag zur Leistungsbereitstellung von Regelleistung wird bereits ab dieser Woche unter Berücksichtigung des Arbeitspreises vergeben. Somit werden Angebote mit hohen Arbeitspreisen, künftig kaum noch die Chance auf Zuschlag haben. Die Strategie von hohen Arbeitspreisen hatten Anlagenbetreiber gewählt, die vom Netzbetreiber für die Regelleistung nicht oder nur sehr wenig abgerufen werden wollten.

Zudem wird die Vermarktung nicht mehr wochenweise erfolgen, sondern in Vier-Stunden-Scheiben, wodurch wesentlich mehr Anlagen teilnehmen können. „Will man weiterhin in diesem Markt anbieten, wird man die Arbeitspreise deutlich reduzieren müssen“, erklärt Dorfner. Dadurch werde die Abrufhäufigkeit zunehmen, aber gleichzeitig die Erlöse noch weiter sinken.

Viele Direktvermarkter haben laut SKVE in den Verträgen mit den Betreibern die hohen Arbeitspreise oftmals direkt festgelegt. Vor diesem Hintergrund müssten viele Direktvermarktungsverträge jetzt angepasst werden.

Druck auf Regelenergie steigt

Auch die letzte verbliebene, scheinbar lukrative Primärregelleistung befände sich immer weiter auf Talfahrt, denn auch hier nehme das Angebot ständig zu, wohingegen die Nachfragemenge sehr konstant bleibe. „In Folge dessen und auf Grund der weiteren Öffnung der europäischen Stromnetze sind die Preise auf einem neuen Tiefstand“, sagt Dorfner. Ein klassische Nawaro-Anlage wird die Erlöse direkt wieder durch die wirkungsgradbedingten gestiegen Substratkosten verlieren. Unterm Strich ist Primärregelleistung höchstens kostendeckend.

Der Druck auf die Regelleistungsmärkte wird laut SKVE nun sogar noch zunehmen, denn auch der Strommarkt stellt sich immer mehr auf die fluktuierenden Stromerzeuger ein. Neben der Einführung eines weiteren inner-europäischen Strommarktprodukts wird der Intraday-Handel verändert, indem noch fünf Minuten vor Beginn der Viertelstunde gehandelt werden kann. Dies hat unmittelbar zu Folge, dass Abweichungen wie etwa BHKW-Ausfälle und Fehlplanungen viel genauer und rechtzeitiger über den normalen Stromhandel und nicht mehr über Regelenergie korrigiert werden können. Das heißt, dass der Bedarf an Regelenergie weiter sinken wird.

Bedeutung der bedarfsgerechten Stromerzeugung wächst

Diese Tendenz, die Unterschiede bei Angebot und Nachfrage auch immer kurzfristiger über den Stromhandel auszugleichen, ist ein eindeutiger Hinweis auf die wachsende Bedeutung der bedarfsgerechten Stromerzeugung. Es ist damit zu rechnen, dass sich der Strommarkt weiterhin klar positiv zugunsten flexibler Biogasanlagen entwickelt. „Über eine Fahrplansteuerung, die vollautomatisiert die erzeugte Wärme und den Strom optimal nutzt und sich bei Bedarf den Preisen anpasst, können flexible Biogasanlagen wieder zukunftsichere Zusatzerlöse erzielen“, erklärt Dorfner.

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Artikel geschrieben von

Hinrich Neumann

Redakteur Energie

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