Kommentar

Biogas: Die Würfel fallen jetzt

Um ein Ende der Biogasproduktion zu verhindern, sind verlässliche Rahmenbedingungen notwendig, wie sie bislang das EEG ermöglichte. Und für die gewünschten Leistungen muss es Geld geben.

Ein Kommentar von Hinrich Neumann, top agrar:

Mehrere Tausend Biogasanlagen erreichen in den nächsten Jahren das Ende der 20-jährigen Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Wie Umfragen zeigen, denken viele Betreiber heute schon über einen geordneten Ausstieg nach. Ihnen fehlt die wirtschaftliche Perspektive oder schlicht ein Hofnachfolger.

Doch mehr und mehr setzt sich in der Politik und in der Öffentlichkeit die Erkenntnis durch, dass Biogasanlagen nicht einfach nur teuren Strom und die bei den Wählern so ungeliebten „Maiswüsten“ produzieren. Sie erfüllen ganz nebenbei eine Reihe von Funktionen, die durchaus wertvoll für die Gesellschaft sind. Dazu zählt die klimaschonende Wärmenutzung, die Methanvermeidung mithilfe der Güllevergärung, die Verwertung von Abfällen oder die Pflege offener Kulturlandschaften.

Allerdings hilft das Anlagenbetreibern wenig, denn für viele dieser Leistungen gibt es kein Geld. Was sie bräuchten, wären verlässliche Rahmenbedingungen, wie sie bislang das EEG ermöglichte. Doch auch, wenn diese noch fehlen: Sie sollten keinesfalls die Hände in den Schoß legen, sondern die Zeit bis zum Förderende nutzen. Kalkulieren Sie, ob eine Flexibilisierung oder eher die Umrüstung auf Gaseinspeisung wirtschaftlicher ist. Auch sollten sie Möglichkeiten wie den Verkauf von Wärme, die Gülle- und Abfallverwertung, Düngerproduktion oder den Verkauf von Industrierohstoffen prüfen.

Auch, wenn Sie noch ein paar Jahre Zeit haben: Wenn Tausende Anlagen aus den Boomjahren nach Alternativen suchen, wird es eng auf dem Markt. Wer frühzeitig aktiv war, kann sich die besten Optionen sichern.


Diskussionen zum Artikel

von Ottmar Ilchmann

Genau hinschauen!

Sicherlich gibt es Biogasanlagen, die all diese gesellschaftlichen Leistungen erbringen, und denen soll auch eine Perspektive eröffnet werden. Innovative Betriebsleiter haben sich dazu vielfach schon etwas einfallen lassen. Es gibt aber auch Anlagen mit einer sehr fragwürdigen ... mehr anzeigen

von Rudolf Rößle

Altmeier

macht eine miserablen Job und die Netzgebühren sind nicht mehr darstellbar. Die Netzbetreiber sollten unter die Lupe genommen werden und geschaut werden, wo sie ihre Millionen versenken.

von Heinrich-Bernhard Muenzebrock

Katastrophe

Zusammengefasst möchte ich noch erwähnen, dass die Vorgehensweise der Bundesnetzagentur und der Politik absolut kontraproduktiv ist. Anlagen, die weiter ihren Anteil an der Energiewende leisten können, werden einfach ausgebremst. Da fragt man sich als Bürger doch, "haben die noch alle ... mehr anzeigen

von Heinrich-Bernhard Muenzebrock

Auslaufmodelle

Herr Neumann, auch für Biogasanlagen gilt, wie für alle anderen "ausgeförderte Anlagen" (Aussage der Bundesnetzagentur), dass sie ab dem Zeitpunkt des Auslaufens der EEG Förderung vertragsmäßig nicht mehr einspeisen dürfen. Das neue Prosumer Modell der Bundesnetzagentur sieht hier ... mehr anzeigen

von Jens Geveke

erst einmal hat jede Anlage die Möglichkeit, auf weitere 10 Jahre EEG zu bieten, jedoch mit einmem verminderten Preis. Die Variante 3-4cent kommt daher noch nicht zum tragen. Aber auch bei 16ct wird die Luft dünn, es sei denn man kann einen Mehrwert für andere schaffen. Und da müsste ... mehr anzeigen

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