Biogasmesse

Biogas Infotage 2022: Versorgungssicherheit, Netzstabilität und Klimaschutz

Am 6. und 7. Juli bietet der Verein renergie Allgäu in Ulm nicht nur eine Biogasmesse, sondern auch Vorträge und weitere Informationen.

„Ob weltpolitische Lage oder Klimawandel – die Zeichen der Zeit stehen nicht nur auf Erhalt, sondern auf Ausbau der Biogas-Technologie“, kündigt Florian Weh, Geschäftsführer von renergie Allgäu e.V., die Infotage 2022 am 6. und 7. Juli in der Messe Ulm an. Hier zeigt der Kemptener Verein jeweils von 10 bis 17 Uhr, welch entscheidende Beiträge die Biogas-Branche zum Thema Versorgungssicherheit und nachhaltige Energieerzeugung leisten kann. „Da sind im Moment noch lang nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft“, weiß auch Vorsitzender Thomas Hartmann. In zwei Hallen präsentieren rund 100 Aussteller aus dem gesamten deutschsprachigen Raum ihre neuesten Angebote. In zwei Vortragsforen informieren parallel dazu gut zwei Dutzend Fachleute aus Forschung, Wissenschaft und Praxis über die jüngsten Entwicklungen und Fortschritte in Technologie und Anwendung.

Noch viele Hürden

„Beim Thema Biogas geht es längst nicht mehr nur um flexible und bedarfsgerechte Stromerzeugung“, nennt renergie-Fachberater Alexander Lehr Stichworte wie Methanisierung, Treibhausgasminderung, Biokraftstoff oder Nahwärme. Die Vergärung von Biomasse biete Lösungen für vielerlei Probleme und Aufgaben. „Umso wichtiger, dass die Politik diese Möglichkeiten noch deutlicher erkennt, nutzt und ausbaut“. Stattdessen müssten sich Betreiber und auch Berater mit immer komplexeren bürokratischen Hürden und juristischen Hemmnissen auseinandersetzen müssen. Alexander Lehr nennt hier beispielsweise den „Maisdeckel“ im EEG 2021, der immer weniger Maisanteil im Substratmix zulässt, was für viele Bestandsanlagen, mit Blick auf den Weiterbetrieb nach ihrer 20jährigen Vergütung, eine große Herausforderung darstellt. Und sein Fachberaterkollege Konrad Gruber ergänzt die Nachhaltigkeitszertifizierung nach RED II, für die laut einer EU-Verordnung seit 01.01.2022 komplette Rohstofflieferketten dokumentiert werden müssen. Trotzdem - oder gerade wegen der zunehmenden regulativen Schwierigkeiten – bietet der Verein renergie Allgäu hierfür Beratungs- und Dienstleistungsangebote an, die auf der Messe auch vorgestellt werden.

Biomethan als Kraftstoff

Daneben aber liegt der Fokus von Ausstellung und Kongress auf den vielen bislang noch viel zu wenig beachteten Aspekten der Biogastechnologie. So ist zum Beispiel dem Themenkomplex „Biomethan“ sowohl im Praxis- als auch im Wissenschaftsforum jeweils ein halber Tag gewidmet. Ganz gleich ob als klimaneutraler Kraftstoff oder biologische Alternative ins bestehende Erdgas-Netz eingespeist – „darin liegt tatsächlich eine große Chance für die Biogasbranche, um sich langfristig im Energiesystem zu etablieren“, ist auch Geschäftsführer Florian Weh überzeugt.

Vorausgesetzt freilich, die Politik unterstützt die technischen Entwicklungen durch entsprechende Rahmenbedingungen. „Es reicht nicht, Ausschreibungsvolumina zu verschieben“, fordert Florian Weh, Gründungsmitglied und stellvertretender Sprecher im LEE Bayern (Landesvertretung Bayern des Bundesverbandes Erneuerbare Energien), „sondern die Politik muss gleichzeitig auch Forschung, Entwicklung und Ausbau der Infrastruktur fördern.“ Diesen Gedanken wird er in seinem halbstündigen Vortrag am Donnerstag, 7. Juli um 11.30 Uhr genauer ausführen.

Die „rechtlichen Zukunftsperspektiven für Biogasbetreiber“ sind auch das Kerngebiet von Fachanwalt Dr. Helmut Loibl. Der Regensburger Jurist, seit vielen Jahren renommierter Paragrafen-Erklärer in der Biogasbranche, wird an beiden Kongress-Tagen (Mittwoch, 12.30 Uhr; Donnerstag, 14.00 Uhr, jeweils im Praxisforum) über die aktuellen gesetzlichen Grundlagen sprechen und dabei sicherlich auch einen vorsichtigen Blick auf die bevorstehende EEG-Novelle werfen.

Seit dem Regierungswechsel sind die Hoffnungen auf positive politische Weichenstellungen gestiegen. „Wir stehen im steten und engen Kontakt mit den Entscheidungsträgern“, berichtet Vorsitzender Thomas Hartmann von einer umfassenden Stellungnahme des Vereins renergie Allgäu zum jüngst vorgelegten Osterpaket der Bundesregierung und dem bevorstehenden EEG-Entwurf. „Noch sind darin unsere Vorstellungen nicht hinreichend berücksichtigt“, sagt er, aber man bleibe dran und zuversichtlich. Zumal in Berlin inzwischen über die Gründung einer Fachabteilung nachgedacht würde, zu der der Verein den Kontakt nochmal intensivieren werde.

Die Biogas-Infotage und der intensive Austausch mit Praktikern und Fachleuten bieten dem Verein in dem Zusammenhang zusätzlich Rückendeckung und Rückenwind in der politischen Debatte. „Die Begegnung vor Ort hat für uns einen ganz besonderen Stellenwert“, freuen sich die Veranstalter auf die beiden Tage in Ulm, die einen Überblick über alle technischen Möglichkeiten bieten werden.

Stoffliche Nutzung und Wärmelieferung

So steht der Donnerstagnachmittag im Wissenschaftsforum unter dem Stichwort „Stoffliche Nutzung“, einem Randaspekt der Biogasbranche, der aber hochinteressante Perspektiven zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit bietet. Im Auftrag der Universität Hohenheim, die das Forum leitet, referiert beispielsweise Dr. Benedikt Hülsemann, Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie, über die Verwertung und Weiterentwicklung von ökologischen Reststoffen. Die so gewonnenen Fasern können in der Papier- oder Verpackungsindustrie eingesetzt werden und dort einen weiteren Beitrag zur Nachhaltigkeit und CO2-Minderung leisten.

Nicht zu vergessen die thermischen Möglichkeiten, die sich aus dem Bau von biogasgespeisten Nahwärmenetzen ergeben. „Wir haben inzwischen eine ganze Reihe von bestens funktionierenden Beispielen, wo Biogasanlagen einen ganzen Ort beheizen“, berichtet Thomas Hartmann aus seiner Energieberater-Praxis. Weitere Informationen dazu und auch zu den Fördermöglichkeiten gibt es an beiden Messetagen am Stand von renergie Allgäu in Halle 1.

Agri-PV als neues Geschäftsmodell

Fachberater Konrad Gruber berät dabei auch als Sachverständiger für BLE Energieeffizienz in der Landwirtschaft zum Themenkomplex Photovoltaik, Batteriespeicher oder Agri-PV im landwirtschaftlichen Bereich, ermittelt Fördermöglichkeiten und erstellt CO₂- Einsparkonzepte. „Photovoltaik steht aktuell und wohl auch künftig sehr stark im Fokus und bietet neue Chancen in der Flächennutzung“, so der Experte. Neben Dachanlagen sind gerade auch Agri-PV-Anlagen auf „guten“ Flächen sinnvoll weiterzuentwickeln. Reine Freiflächen-PV-Anlagen sollten dagegen eher auf „minderwertigen“ Flächen entstehen.

“Mittelfristig wird die Stromerzeugung aus Sonne und Wind Teile der Stromerzeugung aus Biomasse ersetzen“, weiß der Fachmann. Dafür aber habe Biogas andere, unschlagbare Vorteile: Durch die Verwertung von Mist und Gülle könnten deutliche Treibhausgasminderungen bewirkt und die erklärten politischen Klimaziele schneller erreicht werden. Ein weiteres Argument für den Erhalt und Ausbau von landwirtschaftlichen Kleinanlagen.

Die Biogas-Infotage 2022 findet am Mittwoch & Donnerstag, 06. & 07. Juli, jeweils von 10 bis 17 Uhr in der Messe Ulm statt (Böfinger Straße 50, 89073 Ulm). 
Weitere Informationen unter www.renergie-allgaeu.de


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