Reportage

Biogasanlage wird zur Nährstoffdrehscheibe Premium

Daniel Hemker-Thiemann hat sich mit seiner Biogasanlage auf die Verwertung von Wirtschaftsdünger spezialisiert. Für die Tierhalter in der Umgebung ein Glücksfall.

Daniel Hemker-Thiemann nimmt eine Handvoll der braunen Masse vom Förderband: „Das Material hat jetzt 28% Trockensubstanz, ideal für den Transport“, sagt der Landwirt aus Ahaus (Landkreis Borken).

Mit dem Pressschneckenseparator trennt die HT Bioenergie GbR den Gärrest der Biogasanlage, die im Jahr 2012 mit 400 kW Leistung in Betrieb gegangen ist. Ursprünglich war die Anlage für einen täglichen Substratmix mit 25 m3 Rindergülle, 12 t Rindermist sowie 10 t Silomais und 5 t Grünroggen ausgelegt. „Heute setzen wir nur noch 1 t Mais ein, um das Substrat rührfähig zu halten. Der Rest sind Rinder- und Schweinegülle sowie Mist aus mehreren Ställen“, sagt der Landwirt, der die Anlage zusammen mit seinem Vater Herbert betreibt. Rund 50% des Inputs für die Biogasanlage liefert der Betrieb mit Schweine- und Bullenmast sowie Ackerbau selbst.

Biogasanlage als Lösung

Der Wirtschaftsdünger ist dabei nicht nur ein wichtiger Input für die Biogasanlage, die in einer viehstarken Region steht. „Mais ist hier sehr gefragt und teuer. Hinzu kommen die hohen Pachtpreise“, sagt er. Borken ist zudem ein Nährstoffüberschusslandkreis. Viele Tierhalter müssen hier schon lange Gülle und Mist zu erheblichen Kosten über Güllebörsen und andere Dienstleister exportieren – nicht erst seit der Verschärfung der Düngeverordnung.

Im Laufe der Jahre ist auch die HT Bioenergie Teil der Lösung geworden:

  • Die Biogasanlage nimmt dreimal pro Woche Gülle und Mist von sechs Rinder haltenden Betrieben (Bullenmäster, Milchvieh- und Mutterkuhhalter) an und vergärt den Wirtschaftsdünger in der Biogasanlage. Die meiste Biomasse holt Hemker-Thiemann mit eigenen Fahrzeugen selbst ab. Den Mist zerkleinert er per Hammermühle.
  • Der gesamte Gärrest (20000 t pro Jahr) wird nach der Vergärung separiert. Hierfür nutzt der Betrieb ein Modell mit...


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Artikel geschrieben von

Hinrich Neumann

Redakteur Energie

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Diskussionen zum Artikel

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von Jens Geveke

@schmidbauer: wenn jeder einzeln separiert, hat man zig verschiedene Nährstoffkonzentrationen. Das ist auch ein Grund, warum Ackerbauern vor dem Einsatz zurückschrecken. Durch die Biogasanlage entstehen große, planbare Mengen mit konstanten Nährstoffgehalten. Wir machen das schon sehr lange und die Schwankungen über die Jahre liegen unter 10%, wobei die auch noch durch Substratwechsel, die jetzt nicht mehr stattfinden, erklärbar sind. Hinzu kommt der Vorteil, dass über diesen Weg ein größerer Teil der Klimagasemissionen aufgefangen wird. Das was zwangsläufig auf jeden von uns in den nächsten Jahren zukommt, ist über diesen Weg "erledigt". Dieser Mehrwert wird noch nicht honoriert, aber das unterlassen wird in Zukunft folgen haben.

von Erwin Schmidbauer

Gegenseitige Kanibalisierung?

Hier stellt sich schon die Frage, inwie weit die Biogasanlage als Drehscheibe nicht auf Kosten der Anlieferer seinen Gewinn optimiert. Aber offensichtlich ist es für die Betriebe nicht günstiger direkt ihre Gülle zu separieren und an Ackerbaubetriebe zu verschicken.

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