Klimaschutz im Verkehr

BLE: Biokraftstoffe sparen über 80 % CO₂ im Vergleich zu Diesel und Benzin ein

Die Bilanz der Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft zeigt, dass Biokraftstoffe derzeit die einzige nennenswerte Klimaschutzoption im Verkehr sind.

Biokraftstoffe haben 2020 im Schnitt 83 % weniger Treibhausgase ausgestoßen als fossile Kraftstoffe. Damit konnten die Produzenten von Biodiesel, Bioethanol und Biomethan das hohe Einsparniveau des Jahres 2019 halten. Das geht aus dem am 16.12.21 veröffentlichten „Evaluations- und Erfahrungsbericht für das Jahr 2020“ der Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft (BLE) hervor. Laut BLE-Bericht ist der Absatz von Biokraftstoffen 2020 in Deutschland um 36 % gestiegen, damit haben sie insgesamt eine Rekordeinsparung von rund 13,2 Mio. t CO₂ erreicht.

Die eingesetzten Biokraftstoffe

Die Mineralölindustrie ist durch die Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) gesetzlich verpflichtet, den Treibhausgasausstoß ihrer Kraftstoffe im Vergleich zu 2010 zu senken, im Jahr 2020 um 6 %. Dazu verwendet sie bisher fast ausschließlich Biokraftstoffe. Laut BLE-Bericht nutzten die Mineralölunternehmen zur Quotenerfüllung zu 53 % Biodiesel, zu 26 % HVO (Hydrotreated Vegetable Oil) und zu 18 % Bioethanol. Dabei müssen alle Biokraftstoffe nachhaltig produziert werden. Das bedeutet, dass sie eine Treibhausgasminderung von mindestens 50 % im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen bringen müssen.

Zudem dürfen für die Rohstoffherstellung keine schützenswerten Flächen wie Regenwälder oder Torfmoore genutzt werden. Auditoren prüfen weltweit, ob diese Vorgaben eingehalten werden. „Biokraftstoffe erreichen heutzutage teilweise Treibhausgaseinsparungen von über 90 %. Durch die Nachhaltigkeitsvorgaben haben sie einen wichtigen Einfluss auf die landwirtschaftliche Praxis weltweit“, sagt Elmar Baumann, Geschäftsführer beim Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB).

Die Rohstoffbasis

Abfall- und Reststoffe (37 %) sowie Raps (32 %) waren 2020 die wichtigsten Rohstoffe, aus denen der Biodiesel hergestellt war, den die Mineralölindustrie auf die THG-Quote anmeldete. Unabhängig von der Anrechnung auf die THG-Quote spielt Palmöl für die Herstellung von Biodiesel in Deutschland eine untergeordnete Rolle: Nach Schätzungen des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) hatte Palm im Jahr 2020 lediglich einen Anteil von 1,5 %. Laut BLE-Bericht hatte Palmöl als Rohstoff jedoch mit 34 % eine hervorgehobene Bedeutung für die THG-Quote. „Wir gehen davon aus, dass kaum Biodiesel, aber der Großteil des von den Mineralölunternehmen angemeldeten HVO aus Palmöl hergestellt wird“, sagte Baumann.

Auch Palmöl wird nachhaltig produziert. Allerdings spielt es in Deutschland bald keine Rolle für Biokraftstoffe mehr, denn es wird ab 2023 als Rohstoff für die Biokraftstoffproduktion ausgeschlossen.Ähnliche Verbote haben auch andere EU-Mitgliedstaaten eingeführt. Damit gelten die strengen Nachhaltigkeitskriterien für Biokraftstoffe nicht mehr in den Herkunftsländern des Palmöls. Die Europäische Union verliert damit jeglichen Einfluss auf die landwirtschaftlichen Anbaubedingungen in Ländern, in denen besonders viel Regenwaldrodung stattfindet. Die Biodieselproduzenten werden zukünftig vermehrt auf Rapsöl und andere Pflanzenöle sowie Abfälle und Reststoffe zurückgreifen. „Wir appellieren an die deutschen und europäischen Landwirte: Baut mehr Raps an – wir brauchen ihn!“

Im HVO-Verfahren werden Pflanzenöle durch eine Reaktion mit Wasserstoff (Hydrierung) in Kohlenwasserstoffe umgewandelt, so dass sie die Eigenschaften von fossilen Kraftstoffen annehmen. Im Gegensatz dazu wird bei der Biodieselproduktion Pflanzenöl mit Methanol zu Biodiesel und Glycerin verarbeitet. „Auch zukünftig werden Biodiesel, Bioethanol und Biomethan dringend benötigt, um die Emissionen im Straßenverkehr zu senken und die Klimaziele zu erreichen“, sagt Baumann.

Bioethanol aus Futtergetreide

Das im Jahr 2020 verwendete Bioethanol wurde überwiegend aus Futtergetreide, insbesondere Mais und Weizen, sowie Zuckerrüben hergestellt, berichtet der Bundesverband der deutschen Bioethanolwirtschaft (BDBe). 93 % der dabei eingesetzten nachwachsenden Rohstoffe stammten aus europäischer Landwirtschaft. „Die durch Bioethanol erzielten CO2-Einsparungen haben sich in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt“, betont BDBe-Geschäftsführer Stefan Walter. Wurden im Jahr 2011 noch 48 % Emissionen im Vergleich zu fossilem Benzin eingespart, so sind es aktuell 92 %. „Eine Beimischung nachhaltiger Biokraftstoffe zu fossilen Kraftstoffen ist eine kosteneffiziente und vor allem sofort verfügbare Möglichkeit, die CO2-Emissionen im Verkehrssektor, insbesondere im Fahrzeugbestand, zu senken. Die neue Bundesregierung sollte die Beimischungsanteile erneuerbarer Kraftstoffe zügig erhöhen und das vorhandene Klimaschutzpotenzial nachweislich nachhaltiger Biokraftstoffe voll ausschöpfen“, fordert er.


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