Kritik an Biodiesel und Bioethanol

BMU greift Biokraftstoffe aus Raps und Getreide frontal an

Das Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats Globale Umweltveränderungen zur „Landwende“ hat eine heftige Diskussion um heimische Biokraftstoffe ausgelöst.

Das Bundesumweltministerium hält Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse für klimaschädlicher als fossile Kraftstoffe. „Würde man noch mehr Biosprit aus Raps oder Palmöl ins Benzin mischen, wäre das ein dreifacher Schaden: für die Ernährung, der dann wertvolle Ackerflächen verloren gehen; für die Natur, die durch Regenwaldrodung und Monokulturen zerstört wird; und sogar für das Klima, denn herkömmlicher Biosprit stößt in der Summe oft deutlich mehr Treibhausgase aus als Benzin und Diesel“, äußerte sich gestern Bundesumweltministerin Svenja Schulze anlässlich der Veröffentlichung des Gutachtens zur „Landwende im Anthropozän“. Dieses hatte der „Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen“ (WBGU) erstellt. „Darum setze ich bei meinem Gesetzesvorschlag für erneuerbare Energien im Tank einerseits auf Abfall- und Reststoffe wie Gülle und Altspeiseöle und anderseits auf Kraftstoffe auf Basis von Wind- und Solarstrom, zu denen es keine effizienteren Alternativen gibt“, erklärte Schulze.

Heftige Kritik der Branche

Gegen diesen Angriff auf die deutschen Landwirte sowie auf Biodiesel und Bioethanol verwehrt sich der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) mit deutlichen Worten. „Das BMU hat offenbar das Gutachten nicht selbst gelesen, sonst würde es Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse nicht in den Schmutz zerren“, sagte Elmar Baumann, Geschäftsführer beim VDB.

Das WBGU-Gutachten bezeichnet den Einsatz von Biomasse zur Reduktion von CO₂-Emissionen als teils unumgänglich. Zudem sollte nach Ansicht der WBGU-Autoren die vorbildliche Nachhaltigkeitsverordnung für Biokraftstoffe sogar auf andere Bereiche ausgeweitet werden. „Hierzu verliert das BMU kein Wort. Dass der Rapsanbau in Deutschland klimaschädlich sein soll, so wie es das BMU behauptet, geht an der Realität komplett vorbei“, kritisiert Baumann.

BMU ignoriert Futtermittelproduktion

Mit Biodiesel aus Rapsöl werden knapp 70 % weniger Treibhausgase emittiert als durch fossile Kraftstoffe. Zudem entsteht eiweißreiches Tierfuttermittel, das sonst aus anderen Weltteilen importiert werden müsste. „Der WBGU zeigt auf, dass Landwirte auf 60 % der Weltagrarflächen Futtermittel anbauen, während sie 2 % für Biokraftstoffe nutzen. Die hierzulande eingesetzten Biokraftstoffe unterliegen strikten Nachhaltigkeitsanforderungen. Trotzdem attackiert das BMU Biodiesel und Bioethanol - das ist sachlich falsch und irrational“, sagte der Geschäftsführer. Gerade Raps sei eine wichtige Pflanze, die in der Fruchtfolge einen wichtigen Stellenwert hat und aus der sowohl Biokraftstoff als auch Tierfutter gewonnen wird. „Weniger Raps auf dem Acker bedeutet weniger Vielfalt, weniger Nahrung für Bienen, engere Fruchtfolgen, weniger heimisches Futtermittel und weniger gesundes Rapsöl für die Humanernährung - also das genaue Gegenteil dessen, was der Wissenschaftliche Beirat empfiehlt“, sagte Baumann. Im Übrigen sind Raps- und Palmölmethylester die Grundlage für Biodiesel und werden Diesel beigemischt und nicht, wie Schulze behauptet, Benzin.

BMU will Biosprit aus Anbaubiomasse aus dem Markt drängen

Das BMU will mit einem Gesetz für erneuerbare Energien im Straßenverkehr Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse bis 2025 aus dem Markt drängen. „Die Position des BMU krankt an Wissenschafts- und Realitätsferne“, sagte Baumann. „Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse haben im Jahr 2018 laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung rund 6 Mio. t CO₂ eingespart, die Deutschland beim Erreichen der 2030-Ziele schmerzlich fehlen würden.“

Das BMU ist in der Bundesregierung für die Umsetzung der Nachhaltigkeitsverordnung für Biokraftstoffe zuständig. Dort ist geregelt, dass für die Rohstoffe von Biodiesel und Bioethanol kein Regenwald gerodet oder Torfmoor entwässert werden darf. Zudem müssen Biokraftstoffe nachweisbar mindestens 60 % weniger Treibhausgase ausstoßen als fossile Kraftstoffe. „Wenn das BMU behauptet, dass durch Biokraftstoffe keine Emissionen reduziert werden, dann ist das zum einen sachlich grob falsch und zum anderen die Selbstbezichtigung des Ministeriums, bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsverordnung grundlegend versagt zu haben“, sagte Baumann.

Unsachliche Wiederholung der Teller-Tank-Debatte

Als besonders ärgerlich und gedankenlos bezeichnete Baumann die Behauptung des BMU, dass durch Biokraftstoffe Ackerfläche für Nahrungsmittel verloren gingen, was zu Hunger führe. „Die letzten Jahre beweisen das Gegenteil. Schließlich liefern Biokraftstoffe aus landwirtschaftlichem Anbau gleichzeitig immer auch Futtermittel für die Tierhaltung, was das BMU in seiner Darstellung unterschlägt. Hunger hat ganz andere Ursachen, über die sich das BMU ausschweigt: Kriege und Bürgerkriege, Korruption, Armut und Naturkatastrophen“, sagte Baumann.

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