Chinesen steigen in deutsche Dünnschicht-Technologie ein

Zwei führende chinesische Energieunternehmen steigen in großem Stil in die Produktion der CIGS-Technologie des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und seines Industriepartners Manz AG ein

Die Shanghai Electric und die Shenhua Group, zwei führende chinesische Energieunternehmen, steigen in die Produktion und Weiterentwicklung der deutschen Dünnschichtphotovoltaik ein. Die Unternehmen wollen gemeinsam mit der Manz AG in China eine Fabrik mit einer jährlichen Produktionskapazität von 306 Megawatt (MW) bauen.

Hergestellt werden sollen dort Module der CIGS-Technologie, die Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) mit seinem Industriepartner Manz entwickelt hat. Die Dünnschichttechnologie basiert auf einem Halbleiter aus Kupfer, Indium, Gallium und Selen (CIGS). Nach der Vereinbarung für China erwarten ZSW und Manz nun neuen Schwung und den Einstieg von Investoren in anderen Märkten. „Die Investition in die Massenfertigung und Weiterentwicklung der CIGS-Dünnschichtphotovoltaik ist ein großer Erfolg für unser Institut“, betont Prof. Dr. Michael Powalla, ZSW-Vorstand und Leiter des Geschäftsbereichs Photovoltaik.

Der staatliche chinesische Energiekonzern Shenhua Group Corporation Limited ist weltweit der größte Kohleproduzent. Mit der Investition will er den Klimaschutz vorantreiben. Shenhua will mithilfe der von Manz gelieferten, schlüsselfertigen CIGS-Produktionslinien (CIGSfabs) Photovoltaikmodule herstellen und damit Solarstromanlagen betreiben. Der erzeugte Strom soll anschließend verkauft sowie für den Eigenbedarf genutzt werden. Auch die Shanghai Electric Group Company Limited, ein großer Maschinenbauer, will im Unternehmensbereich „New Energy“ weiter wachsen.

Die Vereinbarungen mit Shanghai Electric und Shenhua gelten exklusiv für den chinesischen Markt. In anderen Ländern, in denen es bereits mehrere Interessenten für Investitionen in eine CIGSfab gibt, kann Manz direkt anbieten. Die aktuelle Vereinbarung gilt ausschließlich für CIGS auf Glas. 


Die Entwicklung der Dünnschichttechnologie hat das ZSW vor rund 20 Jahren begonnen. Seit 2010 arbeitet das Institut mit der Manz AG zusammen. Jetzt gewinne die Solartechnik echte Relevanz für den Markt, teilt das ZSW mit.
 Die Dünnschichttechnologie auf CIGS-Basis habe in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht. Die Wachstumsraten beim Wirkungsgrad würden gegenwärtig im Schnitt 0,7 Prozentpunkte pro Jahr betragen. Das ZSW hält den aktuellen Zellweltrekord mit 22,6 Prozent.

CIGS-Dünnschichtsolarmodule seien mit 14 bis 15 Prozent inzwischen ähnlich effizient und günstig wie die marktbeherrschenden Siliziummodule. 
Die Produktionskosten lägen mit 40 US-Cent pro Watt auf einem ähnlichen Niveau, berichtet das ZSW. Sie könnten bald auf 25 Cent pro Watt sinken, die Modulwirkungsgrade auf 18 Prozent und mehr steigen. Für Hersteller besonders interessant ist: Die konkurrenzfähigen Kosten seien bereits bei einem geringen Produktionsvolumen realisierbar.
 Zu den Vorteilen der CIGS-Dünnschicht zählen die Wissenschaftler den geringeren Energie- und Materialverbrauch bei der Herstellung. Auch die höhere Schattentoleranz sei ein Pluspunkt für Eigentümer von CIGS-Solarstromanlagen. Aufgrund ihrer homogenen, mattschwarzen Ästhetik sollen sich die Module außerdem optisch attraktiv in Hausdächern oder Fassaden integrieren lassen.


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