Wasserstoff

Deutschlands erste öffentliche Wasserstofftankstelle für Pkw, Lkw und Busse

Regionale Windparks liefern Strom für die Elektrolyse, mit der Wasserstoff als Brennstoff für Autos und Schwerlastfahrzeuge hergestellt wird.

Im nordfriesischen Niebüll (Schleswig-Holstein) hat eine neue Wasserstofftankstelle offiziell ihren Betrieb aufgenommen. Das Besondere: Der Wasserstoff wird regional aus Windenergie produziert und für private Pkw, Lkw und den öffentlichen Nahverkehr zur Verfügung gestellt. Das laut Anbieter GP Joule in Deutschland bisher einmalig.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer begrüßt den ganzheitliche Ansatz, dass bei eFarm von der Produktion über die Verbreitung bis zur Antriebstechnologie und Flottennutzung alles abgedeckt werde. „Ich hoffe sehr, dass der nordfriesische Pioniergeist, Ihre Begeisterung und Innovationfreude auf viele andere Regionen, Unternehmen und Projekte abfärben“, sagte der Minister in seiner Videobotschaft zur Eröffnung der Tankstelle.

Tankstellen in Niebüll und Husum

Zwei mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzellenbusse sind bereits seit Mai im Linienverkehr in Nordfriesland im Einsatz. Eine zweite Wasserstofftankstelle in Husum ist im Probebetrieb und wird am 13. September für die Öffentlichkeit freigegeben. Tankstellen und Busse sind Teil des Verbundprojekts eFarm, an dem insgesamt 20 Gesellschafter aus dem Norden beteiligt sind. Die Energie für die Wasserstofferzeugung stammt aus Windparks im Norden Schleswig-Holsteins. Direkt vor Ort erzeugen Elektrolyseure mit dem Windstrom klimaneutralen Wasserstoff. Dieser wird an den beiden öffentlichen Tankstellen in Niebüll und Husum verkauft. Die lokale Verknüpfung von Erzeugung und Verbrauch sowie die Kopplung der Sektoren Strom, Mobilität und Wärme sind die Grundgedanken von eFarm.

50 € für 600 km

„Wir können mit eFarm heute schon etwa 1.200.000 Liter Diesel pro Jahr ersetzen und dieses in den nächsten Jahren vervielfachen. Was es jetzt braucht, sind Anreizsysteme, die die Lkw- und Busbetriebe für Investitionen in die Fahrzeuge nutzen können", erklärte Ove Petersen, Mitgründer und CEO der GP Joule-Gruppe, den Stellenwert des Projektes eFarm.

Bei den Brennstoffzellenbussen hat sich eFarm zusammen mit dem Busbetreiber Autokraft für das Modell H2.City Gold des portugiesischen Herstellers Caetano entschieden. Die Busse sind klimatisiert und bieten Platz für bis zu 39 sitzende und 35 stehende Fahrgäste. Neben den Bussen sollen in Niebüll und Husum auch Firmen- und Privatfahrzeuge Wasserstoff tanken können. Die Tankstellen sind für Pkw und Nutzfahrzeuge gleichermaßen geeignet. Eine Tankfüllung für einen Brennstoffzellen-Pkw kostet etwa 50 Euro und reicht für bis zu 600 Kilometer.

100 weitere Pkw angekündigt

„Das Tanken von Wasserstoff geht genauso einfach wie bei herkömmlichen Kraftstoffen - nach vier bis fünf Minuten ist man fertig und kann weiterfahren“, erklärte André Steinau, Geschäftsführer der Projektgesellschaft eFarming GmbH & Co. KG. Die Abrechnung erfolgt bequem über eine spezielle Tankkarte mit PIN. Rund dreißig Brennstoffzellen-Pkw gehören direkt zum Projekt eFarm. Doch der grüne Wasserstoff zieht bereits weitere Interessenten an. „Privatleute und Gewerbetreibende aus dem Projektumfeld haben angekündigt, rund 100 weitere Pkw auf Wasserstoff umzustellen. Viele davon sind bereits auf den Straßen Nordfrieslands unterwegs“, fügte André Steinau hinzu.


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