Biogasbranche in Baden-Württemberg

EEG 2021: Plattform EE BW vermisst wirtschaftliche Perspektive für Biogasanlagen

Die wirtschaftlich schlechten Aussichten gefährden nicht nur die vielen Biogasanlagen, sondern auch 150 Bioenergiedörfer im Südwesten, warnt der Branchenverband.

Aktuell können viele Biogasanlagen in Baden-Württemberg kaum wirtschaftlich betrieben werden. Auch die kürzlich in Kraft getretene Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) verbessert die bisherigen Rahmenbedingungen nicht – im Gegenteil: Sie verschärft die Lage noch. Darauf weist die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg (Plattform EE BW) hin.

Rückbau statt Ausbau droht

Otto Körner, Regionalreferent des Fachverbands Biogas und Mitglied im Vorstand der Plattform EE BW, sagt: „Das EEG 2021 setzt einzelne positive Signale, bietet aber keine ausreichende Perspektive für den Weiterbetrieb bestehender Anlagen oder gar den Zubau von neuen Biogasanlagen. Vor allem der gestrichene Flexibilitätszuschlag und neue Regeln bei Ausschreibungsverfahren hemmen den wichtigen Ausbau von Biogas.“ Nach EEG-Förderende bleibe oft nur der Rückbau der Anlage. Wichtig für die Energiewende sei jedoch, die Biogasnutzung im Strom- und Wärmebereich zu steigern, so Körner. Potenziale dafür sieht der Branchenverband beim Einsatz im Verkehr und dem Anschluss an Wärmenetze.

Neue Hemmnisse für die Biogasbranche

Die Flexibilisierung – also der stärker an die Stromnachfrage angepasste Einsatz von Biogas – sei auch für die Versorgungssicherheit und als Ausgleich im Stromnetz von hoher Bedeutung. Im neuen EEG 2021 sind erste wichtige Neuerungen enthalten, doch gab es kurz vor der Verabschiedung noch einen massiven Tiefschlag: Der Flexibilitätszuschlag wurde im EEG 2017 für alle Biogasanlagen zugesagt, die erfolgreich an einer Ausschreibung teilnehmen. Er hätte Anlagenbetreibern zehn weitere Jahre eine Vergütung für ihren Strom garantiert und Investitionssicherheit geschafft. Zahlreiche geplante und umgesetzte Flexibilisierungsprojekte wurden so kalkuliert. „Und jetzt wurde dieser Zuschlag kurzerhand gestrichen“, moniert Körner. Das bedeute einen immensen Vertrauensverlust für die Branche mit etwa 41.000 Arbeitsplätzen bundesweit.

Südquote allein reicht nicht

Eine weitere Neuerung ist die Regionalisierung im EEG-Ausschreibungsverfahren ab 2022: Die dann neu eingeführte Südquote soll sicherstellen, dass mindestens 50 Prozent der Leistung an Gebote aus der Südregion gehen, wozu auch Baden-Württemberg zählt. „Grundsätzlich bietet die Südquote für Betreiber aus dem Südwesten eine verbesserte Planungssicherheit, doch insgesamt blockieren die weiteren Aktualisierungen des Ausschreibungsverfahrens den notwendigen Biogasausbau. Dazu zählt beispielsweise der Gebotshöchstwert. Er wurde zwar angehoben, ist jedoch für die vielen kleinen und daher etwas teurer produzierenden Biogasanlagen im Land nach wie vor zu niedrig“, erläutert Körner.

Viele Bioenergiedörfer bedroht

Große Potenziale für bestehende Biogasanlagen sieht die Plattform EE BW durch den Anschluss an neu zu errichtende Wärmenetze und einzelne Mobilitätsanwendungen. „Für eine wirksame Klimapolitik in Baden-Württemberg ist eine Steigerung der Biogasnutzung im Strom- und insbesondere im Wärmebereich nötig“, erklärt Franz Pöter, Geschäftsführer der Plattform EE BW.

Wie Biogas erfolgreich für die Wärmeversorgung vor Ort eingesetzt werden kann, beweisen zahlreiche Projekte im Südwesten wie beispielsweise die Energiegenossenschaften in Ebenweiler oder in Pfalzgrafenweiler, die Stadtwerke Schwäbisch Hall oder die Energiestadt Isny. Alle zielen auf eine maximale Wärmeversorgung aus erneuerbaren Energien und damit auf eine Treibhausgasminderung ab. Baden-Württemberg hat mit rund 150 Bioenergiedörfern eine bundesweite Spitzenposition inne. Diese Energiedörfer beziehen ihre Wärme zu 90 % aus Biogasanlagen. „Um die klimafreundliche Wärme- und Energieversorgung durch Biogas nicht zu gefährden, bedarf es einer politischen Unterstützung vor allem für die Bestandssicherung sowie einen zielgerichtet begrenzten Zubau von Biogasanlagen“, fordert Pöter.


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