Stimmen zu den Regierungsplänen

Erneuerbare-Energie-Branche atmet auf: Koalitionsvertrag verspricht Neustart

Anders, als in den vergangenen zehn Jahren, sehen die Energieverbände den Plänen einer künftigen Bundesregierung mit Optimismus entgegen. Entscheidend ist jetzt, wie sie konkret umgesetzt werden.

Viel Lob und Zustimmung erhält der Koalitionsvertrag der Ampelparteien für die Pläne zur künftigen Energiewende. Wir haben die wichtigsten Kommentare zusammengefasst.

BEE sieht sich bestätigt

„Die Pläne kommen einem Neustart in der Energiepolitik gleich. Damit findet die neue Regierung zu einer schmerzlich vermissten Ernsthaftigkeit zurück und will Herausforderungen anpacken. Einer ambitionierten Energiewende 2.0 und erheblichen Investitionen in saubere Technologien mit enormen Chancen für den Wirtschaftsstandort steht jetzt nichts mehr im Weg“, lobt beispielsweise Dr. Simone Peter, Präsidentin des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE), dem Dachverband aller Erneuerbaren-Branchenverbände in Deutschland.

Im Strombereich sollen 80 Prozent Erneuerbare bis 2030 erreicht werden, um eine 65 Prozent-THG-Minderung bis 2030 zu schaffen. Das entspreche den Ergebnissen des BEE-2030-Szenarios und zeige die wichtige Rolle der Erneuerbaren für Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Wertschöpfung, so Peter. Ebenso sei der angenommene Bruttostrombedarf im Jahr 2030 mit 680-750 TWh realistisch, müsse sich nach BEE-Berechnungen von 745 TWh aber im oberen Ende bewegen. In diesem Kontext sei es auch zu begrüßen, dass die Planungs- und Genehmigungsprozesse beschleunigt, Ausschreibungsmengen jährlich angepasst, Rechtssicherheit im Artenschutzrecht geschaffen, 2 % der Landesfläche für Windenergie gesichert, Windenergie Offshore auf 30 GW ausgebaut, die Hemmnisse bei der Photovoltaik abgebaut, eine nachhaltige Biomasse-Strategie erarbeitet und das Potenzial der Geothermie genutzt werden soll. Auch das klare Bekenntnis zur Förderung der heimischen Produktion von grünem Wasserstoff sei zu begrüßen.

Erdgas sollte schneller ersetzt werden

Laut BEE sollte der Kohleausstieg spätestens 2030 erfolgen und auch Erdgas in der Stromerzeugung vor 2040 durch einen schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien ersetzt werden. Mit Blick auf ein auf erneuerbare Energien angepasstes Strommarktdesign sollten flexibel steuerbare Elemente wie Biogas, Speicher oder Lastmanagement energiewendedienlich angereizt werden und Vorrang gegenüber Kapazitätsmärkten bekommen. „Mit der Abschaffung der EEG-Umlage zum 1. Januar 2023 muss die Refinanzierung der notwendigen Investitionen gesichert bleiben. Denn diese Investitionen werden benötigt“, unterstreicht Peter.

Nachbesserungsbedarf bei Wärme und Verkehr

Im Wärmemarkt und im Verkehr müssten fossile Energien noch schneller ersetzt werden. „Der Ersatz von Erdgas-Heizungen durch Wärmepumpen, Solarthermie, Bioenergie und Geothermie muss jetzt vorangebracht werden. Blauer Wasserstoff ist hingegen keine Lösung, denn er manifestiert fossile Strukturen und Technologien“, so Peter. Bei der Mobilität sei zu begrüßen, dass Deutschland zum Leitmarkt für Elektromobilität gemacht und der Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur beschleunigt werden solle. Das Ziel von mindestens 15 Millionen vollelektrischen Pkw bis 2030 sei ehrgeizig und entspreche den Vorschlägen des BEE, um die Klimaziele bis 2030 zu erreichen.

Weitere Stimmen zur Bioenergie

  • Sandra Rostek, Leiterin des Hauptstadtbüros Bioenergie: „Wenngleich eher knapp gehalten,...


Mehr zu dem Thema

Die Redaktion empfiehlt

Koalitionsvertrag

Neue Regierung plant Energiewende 2.0

vor von Hinrich Neumann

Der Koalitionsvertrag enthält ein Bündel von Maßnahmen, um die seit Jahren stockende Energiewende voranzubringen. Dabei wollen die Koalitionäre zum Teil neue Wege gehen.

Die Ampel einigt sich auf eine verbindliche Tierhaltungskennzeichnung, will den Umbau der Tierhaltung aber über den Markt finanzieren. Glyphosat soll bis Ende 2023 vom Markt.

Die scheidenden Regierungsparteien CDU und CSU äußern sich enttäuscht über die agrarpolitischen Ambitionen der neuen Ampel-Koalition. Das gilt vor allem für die Tierhaltung.