Erneuerbare Energien ersetzen Atomkraftwerk Grafenrheinfeld

Morgen wird das von Eon betriebene Atomkraftwerk Grafenrheinfeld in Bayern abgeschaltet. Der heutige Strommix verhindert eine Versorgungslücke. Dazu tragen auch Wind-, Wasser-, Solar- und Bioenergie bei.

Morgen geht das bayerische Atomkraftwerk Grafenrheinfeld vom Netz. Die energiewirtschaftlichen Konsequenzen werden gering sein, zeigen Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Den Großteil der insgesamt zehn Milliarden Kilowattstunden Strom, die das Atomkraftwerk bisher pro Jahr erzeugt hat, würden deutsche Stein- und Braunkohlekraftwerke sowie Erdgaskraftwerke kompensieren.

Erneuerbare könnten Atomausstieg kompensieren

Der dann fehlende Strom könnte aber auch mit Leichtigkeit von Ökostrom-Anlagen produziert werden, teilt der Bundesverband Erneuerbare Energien mit. So könnte die installierte Leistung theoretisch von entweder 10.000 Megawatt (MW) Photovoltaik, 6.250 MW Windenergie (an Land), 1.667 MW Bioenergie oder 2.000 MW Wasserkraft das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld ersetzen.
Die Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien 2014 hat im Vergleich zu 2010 um rund 50 Prozent auf mehr als 160 Milliarden Kilowattstunden zugelegt, erklärt die Agentur für Erneuerbare Energien. Dies hätte den Rückgang bei der Kernkraft um über 30 Prozent auf knapp 97 Milliarden Kilowattstunden mehr als ausgeglichen. Weitere Abschaltungen wie die von Grafenrheinfeld würden also von den Erneuerbaren Energien abgefedert.

Atom-Bundesländer müssen Strom importieren

Bundesländer mit Atomkraftkapazitäten können den Ausstieg allerdings nicht allein ausgleichen, sondern sind auf Ökostrom-Importe aus anderen Bundesländern angewiesen. In Baden-Württemberg zum Beispiel wurde die Atomstrommenge am stärksten reduziert. Betrug sie 2010 noch fast 32.000 Gigawattstunden, waren es 2013 nur noch rund 20.000. Erneuerbare Energien trugen 2013 in diesem südlichen Bundesland rund 14.600 Gigawattstunden zur Stromproduktion bei, so dass der hier erzeugte Ökostrom nur einen Teil der Stromproduktion der abgeschalteten Atommeiler ersetzt. Der restliche Teil wird durch Strom aus anderen Bundesländern kompensiert.
Bayern hingegen habe beim Ökostrom in den vergangenen Jahren einen großen Sprung nach vorne gemacht und kann die bislang reduzierten Atomstrommengen dadurch kompensieren. In Bayern haben die Erneuerbaren einen Anteil von 35 Prozent an der bayerischen Stromproduktion. Der Anteil der Wasserkraft daran liegt bei 41 Prozent, Photovoltaik bei 29 Prozent und der Anteil der Biomasse beläuft sich auf 25 Prozent. 

Im Freistaat ist der Atomstromanteil allerdings bisher auch am wenigsten zurückgefahren worden, das Kraftwerk Grafenrheinfeld ist erst das zweite, das hier abgeschaltet wird. Atomstrom aus den Reaktoren Isar2 und Gundremmingen macht immer noch fast die Hälfte der gesamten bayerischen Erzeugung aus. Wenn gemäß Atomausstiegsbeschluss alle bayerischen Atomkraftwerke bis 2022 vom Netz sind, werde das die erneuerbaren Energien in Bayern kaum bis dahin kompensieren können. Dafür ist der Import erheblicher Mengen Ökostroms aus anderen Bundesländern notwendig. Die Thüringer Strombrücke und ein weiterer Netzausbau könnte die Versorgungssicherheit in Bayern steigern.

Kotting-Uhl: "Atomforschung beenden"

Um einen ehrlichen Atomausstieg zu vollziehen, müssten die noch immer laufenden Atomfabriken Urenco und Lingen geschlossen werden, fordert Sylvia Kotting-Uhl, Sprecherin für Atompolitik in der Grünen-Bundestagsfraktion. Zudem werde noch zu viel Steuergeld für die Erforschung neuer atomarer Technologien eingesetzt und fehle für weitere Bausteine der Energiewende. Auch müsse die Bundesregierung endlich aus dem Atomkraft fördernden Euratom-Vertrag aussteigen und mit Nachbarstaaten wie Frankreich, Belgien und Tschechien über die Abschaltung hochgefährlicher grenznaher AKW sprechen.

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Artikel geschrieben von

Hinrich Neumann

Redakteur Energie

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