Biokraftstoffe

Flüssige Kraftstoffe für die Energiewende

150 Experten aus Wissenschaft und Industrie diskutierten beim 3. Technologieforum "Neue flüssige Energieträger" in Hamburg die Zukunft erneuerbarer Kraft- und Brennstoffe.

Zum Erreichen der Klimaziele werden erneuerbare flüssige Energieträger einen entscheiden Beitrag leisten müssen. Diese Einschätzung bekräftigten Adrian Willig, Geschäftsführer des Instituts für Wärme und Oeltechnik (IWO), sowie Dirk Claussen, Geschäftsführer beim Mineralölwirtschaftsverband. Umso wichtiger sei es, hier weitere Fortschritte zu erzielen.

Beide waren sich einig: „Das Bekenntnis der Bundesregierung in den Eckpunkten zum Klimaschutzprogramm, die Entwicklung klimafreundlicher Kraftstoffe aus Biomasse zu unterstützen und für die Entwicklung und Produktion klimaneutraler Kraftstoffe, das heißt E-Fuels, die geeigneten Rahmenbedingungen zu schaffen, ist ein Schritt in die richtige Richtung.“ Jetzt komme es darauf an, mit konkreten Maßnahmen ein dauerhaft verlässliches Umfeld für die Markteinführung zu schaffen –gerade auch für Investoren. Konkrete Maßnahmen zur Stützung von synthetischen Energieträgern fehlten aber in den vorliegenden Beschlüssen weitgehend – ganz im Gegensatz zu den vielfältigen und kostenträchtigen Förderungen elektrischer Anwendungen. Hier müsse der Gesetzgeber erheblich nacharbeiten.

Darüber, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit der Markteinstieg beziehungsweise der Ausbau von erneuerbaren Kraft- und Brennstoffen erfolgreich gelingen kann, wurde in Hamburg am Beispiel strombasierter Fuels von Vertretern unterschiedlicher Power-to-X-Initiativen diskutiert.

Geschlossene Kreisläufe schonen das Klima

Kernelemente bei der Produktion erneuerbarer Kraft- und Brennstoffe sind Herstellung und Einsatz von Wasserstoff und dessen Kohlenstoffverbindungen in geschlossenen Kreisläufen. Die unterschiedlichen Rohstoffoptionen und Herstellungsverfahren sowie die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten zum Fahren, Fliegen und Heizen wurden anhand konkreter Projekte vorgestellt. Dazu zählten zum Beispiel das Projekt "Redifuel", bei dem es um die nachhaltige Nutzung verschiedener biogener Rohstoffe zur Herstellung eines erneuerbaren Diesel-Biokraftstoffs geht, und das Vorhaben "KeroSyn100", in dem synthetisches Kerosin auf Methanolbasis hergestellt wird. Fortschrittliche Biokraftstoffe aus Algen wurden gleichfalls präsentiert.

Lösungen für Schiffe und Heizungskeller

Auch im Schiffsverkehr ist eine brennstoffseitige Emissionsminderung ein immer wichtiger werdendes Thema. Dabei geht es, neben der langfristigen CO2-Reduktion, aktuell auch um den lokalen Schadstoffausstoß. In dem Projekt "MultiSchIBZ" werden dafür Brennstoffzellen für die Bordstromerzeugung insbesondere im Hafenbetrieb erprobt.

Darüber hinaus war der Wärmemarkt ein wichtiger Teil des Programms. Denn selbst, wenn nach Einschätzung von Experten ein erfolgreicher Ausbau synthetischer flüssiger Energieträger im Verkehrssektor unverzichtbar ist: Die Vorteile der künftigen Produkte könnten dann auch im Gebäudebereich eingesetzt werden.

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Artikel geschrieben von

Hinrich Neumann

Redakteur Energie

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Diskussionen zum Artikel

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von Jens Geveke

@bothe

...haben Sie mal hochgerechnet, über wieviel Fläche wir reden, wenn Sie auch nur große Teile der Mobilität über Biofuels vom Acker erstellen wollen ? Deswegen mein erster Kommentar ganz unten. Es gibt durchaus Anwendungen, wo wir die Biofuels gut gebrauchen können. Da wir uns aber daruf einstellen müssen, in (für technische Entwicklungszeiträume) absehbarer Zukunft die fossilen Träger praktisch ganz wegzulassen, werden wir die Energie für die Mobilität "zusammenkratzen" müssen: Strom für die E-Mobilität und Gasmobilität, dazu Biomethan, dann die Biofuels vom Acker und alles mögliche, was uns heute noch so einfällt. Ich glaube nicht, dass es in der Summe genügen wird. Daher werden wir bei jeder Energiegewinnung genau überlegen müssen, wie sie am Effizientesten ist und wir brauchen praktisch jede technische Anwendung. Es geht nicht darum, ob elektro oder efuel besser ist, sondern eher darum, ob beides in Summe überhaut reicht.

von Christian Bothe

CO2

@Geveke,will kein Zwiegespräch mit Ihnen, aber Sie müssen meine Aussagen zum CO2 schon richtig lesen und interpretieren! U.a.hatten wir schon E85 an Tankstellen und Flexi Fuell Fahrzeuge(Volvo,Ford).In Amerika versucht man sogar auf E20 zu und das ist der richtige Weg und die o.g.150 Experten sehen das auch so!

von Jens Geveke

@bothe

jaja... wir mischen den fossilen Kraftstoffen, von denen es genug gibt auf der Welt, ein paar alternativen bei und dann genügt dass schon, dann sind alle Probleme gelöst...das ist übrigens Stand jetzt E10. Kulturpflanzen können kein CO2 aus der fossilen Verbrennung binden, denn sie geben bei ihrer "Verbrennung"(Verdauung oder Biologischer Abbau) genau das CO2 wieder frei. Allein der Humusaufbau im Boden kann langfristig CO2 binden. Der Verbennungsmotor ist mit Sicherheit noch nicht am Ende, denn über Biomethan aus Biomasse oder Überschussstrom werden wir den Fernverkehr und die LKW beliefern müssen. Aber den Verbrauch an fossilen Kraftstoffe werden wir bis 2040-2050 extrem herunterfahren müssen, da braucht man nicht mehr darüber zu diskutieren.

von Christian Bothe

Alternative Kraftstoffe

Endlich mal eine vernünftige Richtung in dieser Diskussion. Diese unsägliche Geschichte mit der E-Mobilität und deren Zukunft wird sich früher oder später von selbst erledigen und nur ein Schattendasein führen. Fossile Brennstoffe(derer gibt's genug auf der Welt) in Verbindung mit Biokraftstoffen(Rapsöl,Biodiesel,Bioäthanoletc.) und synthetischen Kraftstoffen sind die Zukunft und tragen massiv zu einer CO2 Minderung bei. Und das wissen alle Landwirte auch. Unsere Kulturpflanzen können aus der Atmosphäre CO2 im Umfang von 20-25to CO2-Äquivalenten/ha und Jahr für uns nutzbringend binden und somit enorme Mengen O2 freisetzen. Schlußfolgernd daraus heißt das ,das der Verbrennungsmotor in diversen Antrieben noch lange nicht am Ende ist! Unsere LW kann dabei erheblich dazu beitragen CO2 Bilanzen zu verbessern und das sollte man auch kommunizieren gegenüber der "allwissenden" Bevölkerung.

von Jens Geveke

Langsam wird es spannend...

Bei den hier aufgezeigten Möglichkeiten, für Schiffe, Flugzeuge usw. einfach mal "e-fuels" zu produzieren wird sich nach und nach die Dimension zeigen, in welcher gigantischen Höhe wir momentan Energieformen aus Millionen von Jahren in Form von Öl und Kohle aus der Erde holen und aktuell für unseren Wohlstand verbrauchen. Erneuerbare Energie kommt letztendlich nur von der Sonne, sie erzeugt Licht, Wärme und Luft-Bewegung. Licht kann auch noch in Biomasse zwischengespeichert werden. Nur diese Möglichkeiten haben wir am Ende. Es wird es darauf ankommen, die Energie hocheffizient zu nutzen. Und viele zunächst einfach erscheinende Lösungen werden sich dann schnell als zu ineffizient herausstellen.

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