Agroforst

GAP: Verbändebündnis kritisiert Einschränkungen bei Agroforst

Die geplante Förderung für Agroforst ist zu niedrig und lässt viel Potenzial ungenutzt, kritisieren Verbände. Unterdessen gibt es zwei neue Forschungsprojekte zu Agroforstsystemen.

Der Verordnungsentwurf des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zu den GAP-Direktzahlungen sieht bei der Agroforstwirtschaft erhebliche und fachlich unbegründbare Einschränkungen vor, obwohl es sich um eine Lösung für eine nachhaltige Landnutzung handelt. Das kritisiert ein Bündnis namhafter Verbände, Organisationen sowie weitere zivilgesellschaftliche Akteure aus den Bereichen Landwirtschaft, Ernährung, Ökolandbau, Klima- und Naturschutz. Sie haben eine gemeinsame Stellungnahme als Aktionsbündnis herausgegeben und fordern das BMEL zu einer deutlichen Kurskorrektur auf.

Die Kernforderungen des Bündnis, zu dessen Initiatoren u.a. die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Mitteldeutschland zählt, sind:

  1. Keine Festlegung auf eine vorrangige Wert- und Energienutzung, sondern alle Nutzungsoptionen im Rahmen einer künftigen Agroforstwirtschaft zulassen und fördern (inkl. Nahrungsmittelerzeugung!)
  2. Die vorgesehene Prämienhöhe von 60 Euro je Hektar Gehölzfläche ist viel zu niedrig. Die Förderung muss deutlich erhöht werden, um Landwirten den nötigen Motivationsanreiz zu bieten. 

  3. Es sollte ein mehrstufiger Fördergrundsatz eingeführt werden, der einen zusätzlichen Förderanreiz für Agroforstsysteme mit einer größeren Gehölzarten- und Strukturvielfalt bereitstellt, da diese kostenintensiver in der Pflege und Bewirtschaftung sind und zugleich einen großen Mehrwert für die biologische Vielfalt darstellen. 

  4. Implementierung eines bundesweiten Investitionsförderprogramms für die Neuanlage von Agroforstsystemen, damit Agroforstsysteme umfassend und deutschlandweit gefördert werden können, in Ergänzung zur GAK-Förderung. 

  5. Die Kosten für die Etablierung, Anwuchspflege, Beratung und Planung sollen zu mindestens 80 % übernommen werden. 


Auch die Succow Stiftung zählt zu den Mitunterzeichnern. Aufbauend auf seine langjährigen Lebens- und Berufserfahrungen betont der Stifter Prof. em. Dr. Michael Succow die Notwendigkeit von Agroforst: „Schon zu DDR-Zeiten begann die Ausräumung der Kulturlandschaft. Gerade in Zeiten des menschengemachten Klimawandels ist es unabdingbar, wieder Gehölze in die Felder zu bringen - Agroforst würde gleichzeitig das Landschaftsbild unserer historisch gewachsenen Kulturlandschaft wieder bereichern, wichtige klimatische Funktionen erfüllen und die Artenvielfalt fördern, weil Insekten und Vögel damit wieder Lebensraum haben!"

Agroforstverband: Zu wenig Flexibilität

Der BMEL-Entwurf der Verordnung zur Durchführung der GAP-Direktzahlungen wird den Forderungen von Bundestag und Bundesrat für mehr Agroforstwirtschaft in Deutschland nicht gerecht, kritisiert der Deutsche Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF).

Es sei zwar richtig, dass zumindest die „Beibehaltung einer agroforstlichen Bewirtschaftungsweise auf Ackerland oder Dauergrünland“ als Maßnahme der Öko-Regelungen in den Entwurf der GAP-Direktzahlungen-Verordnung (GAPDZV) gelistet wurde. Ansonsten seien die vom BMEL vorgesehenen Rahmenbedingungen enttäuschend, die nun mit dem...


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