Energiekosten

Gas- und Strompreiserhöhungen: Mehr als 5,1 Millionen Haushalte betroffen

Gas und Strom sind im November so teuer wie nie zuvor. Grundversorger erhöhen die Preise für Gas im Schnitt um 26 %, die Strompreise steigen um etwa 9 %.

Mehr als 5,1 Mio. Haushalte sind von Preiserhöhungen der Gas- und Stromgrundversorger betroffen: 603 Gasgrundversorger haben bereits Preise erhöht oder Preiserhöhungen angekündigt. Im Durchschnitt beträgt die Steigerung 26,2 % und betrifft rund 3,3 Mio. Haushalte, teilt das Vergleichsportal Check24 mit. Für einen Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 20.000 kWh bedeutet das zusätzliche Kosten von durchschnittlich 394 € jährlich.

Der Börsenpreis für Gas liegt ebenfalls auf einem Allzeithoch. Im November werden 94,05 € pro MWh fällig. Im November 2020 kostete die Megawattstunde nur 14,18 € – eine Steigerung von 563 %.

Gasspeicher sind leer

Gründe für die steigenden Preise: Viele Gasspeicher in Europa sind derzeit deutlich leerer als sonst zu der Jahreszeit. Gleichzeitig zog die Nachfrage nach Gas mit dem Ende vieler Coronabeschränkungen und einer daraus resultierenden erstarkenden Wirtschaftslage an. Zum Jahreswechsel erhöht sich außerdem die CO2-Abgabe auf 30 €/t. Für einen Musterhaushalt bedeutet dies allein eine Mehrbelastung von rund 24 € im Jahr.

Strom: Preiserhöhungen von 9,4 %

Der Strompreis für Verbraucher erreicht im November zum siebten Mal in Folge ein Allzeithoch. Ein Musterhaushalt (5.000 kWh) zahlt aktuell im Schnitt 1.573 € jährlich für Strom. Das entspricht einem durchschnittlichen Preis von 31,5 ct/ kWh. Im Vorjahresmonat waren es 1.468 € – ein Plus von 7 %.

Denn auch der Börsenstrompreis bewegt sich auf einem Rekordniveau. Im November kostet eine Megawattstunde laut Check24 163,20 € (vorläufiger Wert). Im Vorjahresmonat wurden nur 38,54 € fällig - ein Plus von 323 %.

Dafür gibt es unterschiedliche Gründe: die steigenden Preise für Erdgas, Steinkohle sowie CO₂-Emissionszertifikate, die steigende Nachfrage nach Elektrizität, dazu kommen geringere Erzeugungskapazitäten aufgrund des Steinkohleausstiegs.

266 Grundversorger haben bereits Strompreise erhöht oder Erhöhungen angekündigt. Im Durchschnitt betragen die Preiserhöhungen 9,4 % und betreffen rund 1,8 Mio. Haushalte. Für einen Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 5.000 kWh bedeutet das zusätzliche Kosten von durchschnittlich 152 € pro Jahr.

EEG-Umlage sinkt

Die EEG-Umlage sinkt 2022 deutlich von 6,5 auf 3,7 ct/kWh. Für einen Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 5.000 kWh bedeutet dies eine mögliche Ersparnis von knapp 167 €. „Ob und in welcher Höhe die Entlastung durch die EEG-Umlage tatsächlich bei Verbrauchern ankommt, hängt auch von der weiteren Entwicklung des Börsenstrompreises ab“, sagt Steffen Suttner, Geschäftsführer Energie bei Check24.

29 Stromgrundversorger senken die Preise zum Jahreswechsel um durchschnittlich 2,2 %. Davon profitieren rund 1,3 Mio. Haushalte.

Die Redaktion empfiehlt

Stromkunden könnten rund 800 Mio. € an Netzentgelten sparen. Denn die Garantiezinsen für die Strom- und Gasnetzbetreiber sind deutlich zu hoch, zeigt ein neues Gutachten.  

Die Analyse der Ursachen für die immer stärker steigenden Energiepreise fällt unterschiedlich aus. Fest steht: Der hohe Preis für Strom und Gas könnte in den nächsten Monaten anhalten.

Energieexpertin Prof. Claudia Kemfert fordert, die starke Abhängigkeit von russischem Gas zu reduzieren, in dem erneuerbare Energie schneller ausgebaut werden.