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Goldene Zeiten für flexible Biogasanlagen

Die Stromvermarktung war für flexible Biogasanlagen noch nie so lukrativ wie in den letzten Monaten. Das zeigen die Erfahrungen von Praktikern.

Die jüngsten Kapriolen am Strommarkt spülen Biogasanlagenbetreibern aktuell viel Geld in die Kasse: Bis zu 6 ct/kWh konnten flexible Anlagen im Spitzenmonat Oktober 2021 zusätzlich verdienen. Hintergrund sind die hohen Börsenstrompreise, die auf eine Reihe von Ursachen zurückgehen wie z. B. den hohen Erdgaspreis.

„Eine Anlage mit 500 kW, die nur doppelt überbaut ist, kann aktuell bis zu 10.000 € im Monat mehr verdienen. Damit tritt endlich ein, was wir jahrelang prognostiziert haben: Die Flexibilisierung von Biogasanlagen lohnt sich“, sagt Dr. Stefan Rauh, Geschäftsführer im Fachverband Biogas.

In der Tat lagen die möglichen Mehrerlöse in der Vergangenheit bei nur 1 bis 2 ct/kWh, teilweise sogar noch ­da-runter. Dazu kamen 1 bis 4 ct/kWh Flexprämie bzw. in der zweiten Vergütungsperiode der Flexzuschlag in ähn­licher Höhe. Bei Investitionen von 1 Mio. € und mehr in Gas- und Wärmespeicher sowie zusätzliche BHKW schreckte das viele Betreiber ab.

Im Sommer 2021 wendete sich das Blatt. Der Monatsmittelwert an der Strombörse ist von 3 auf 18 ct/kWh gestiegen. Besonders lukrativ ist der Fahrplanbetrieb, bei dem die Anlagen zu den Tageszeiten produzieren, an denen der Strompreis besonders hoch ist.

Erfahrungen aus der Praxis

In den folgenden zwei Reportagen schildern wir die Erfahrung von zwei Praktikern, die schon länger bedarfsgerecht Strom erzeugen und jetzt von den hohen Strompreisen profitiert haben:

  • Rainer Weng, Mitgeschäftsführer der Biogas Alerheim OHG (Landkreis Donau-Ries, Bayern) und Sprecher des Vermarktungspools „Bayerisch-Schwaben Nord“ (BSN),
  • Martin Buchholz, Geschäftsführer der BBE Blumendorf Biogas aus Bad Oldesloe (Schleswig-Holstein) und Vorsitzender der Genossenschaft GDGE.

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S T R O M V E R M A R K T U N G

Vorsicht beim Überschreiten der Leistung

Die hohen Preise könnten Betreiber dazu verleiten, Strommengen auch über die Höchstbemessungsleistung hinaus zu produzieren. Denn dafür erhalten sie statt der EEG-Vergütung nur den Börsenerlös. Da dieser sehr hoch ist, erscheint das lukrativ. Der Fachverband Biogas gibt aber zu bedenken:

  • Beim Überschreiten der Höchstbemessungsleistung (HBL) muss man zu den höheren Strommarkterlösen gegebenenfalls die Kürzungen der EEG-Vergütung gegenrechnen. Die Clearingstelle-EEG hat dazu einen Hinweis gegeben. Vereinfacht dargestellt: Je mehr die HBL überschritten wird, desto stärker fällt die Kürzung aus.
  • Betreiber sollten die Genehmigungsvorgaben im Blick behalten, damit z. B. die maximal zulässige Rohstoffmenge oder die genehmigte Strom- bzw. Gasmenge nicht überschritten wird

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R E P O R T A G E 1

„Der Wärmespeicher ist Gold wert“

Die Biogas Alerheim produziert seit dem Jahr 2014 flexibel Strom und Wärme. Ein großer Wärmespeicher, helle Folienhauben und ein individueller Fahrplan waren die Erfolgsfaktoren.

Die erste Zeit nach der Umstellung auf die flexible Fahrweise war für Rainer Weng höchst ungewohnt. „Du kommst morgens auf die Anlage und kein BHKW-Brummen ist zu hören“, erinnert er sich. Zusammen mit seinem Kollegen Wolfgang Gerstmeyr hat er die Anlage der Biogas Alerheim aus dem Jahr 2005 im Jahr 2014 mit zwei zusätzlichen BHKW flexibilisiert. Die Anlage mit 1 MW Bemessungsleistung hat knapp 1,9 MW installiert – ist also etwa doppelt überbaut.

Viele Einschränkungen

„Wir konnten aus verschiedenen Grünen nicht stärker flexibilisieren“, erklärt Weng, der auch Regionalgruppensprecher des Fachverbandes Biogas und einer von fünf Sprechern des Biogaspools Bayerisch Schwaben Nord (BSN) ist, in dem ca. 400 Biogasanlagenbetreiber vertreten sind. Sie vermarkten den Strom über fünf Stromhändler.

Einer der Gründe war der Netzanschluss: Die Anlage liegt am Ende eines kleinen Stromnetzes. „Zudem haben die Behörden bis zu diesem Jahr bei den Gasspeichern nur Viertelkugeln erlaubt“, sagt er....

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