NDM Naturwertstoffe Velen

Insolvente Megabiogasanlage vor dem Neustart

Für die insolvente NDM Naturwertstoffe GmbH in Velen (NRW) zeichnet sich eine Lösung ab. Unter anderem will die Agravis frisches Geld in die Anlage pumpen.

Die insolvente NDM Naturwertstoffe GmbH in Velen (NRW) steht vor einem Neustart – allerdings unter veränderten Vorzeichen. Gleich vier neue Investoren haben Interesse bekundet und wollen der schwer angeschlagenen Anlage mit einer Finanzspritze zu neuem Leben verhelfen. Alle Firmen sind in der Biogasszene keine Unbekannten:

  • ODAS aus Borken: Das Unternehmen hat sich auf die Ver- und Entsorgung von Biogasanlagen mit In- und Outputprodukten spezialisiert.
  • RETERRA aus Lünen: ein Ableger des Ver- und Entsorgungsunternehmens Remondis, dem auch verschiedene Biogasanlagen gehören.
  • Agravis aus Münster: Der Landhandelsriese betreibt zusammen mit der ODAS eine Biogasanlage in Dorsten.
  • Stadtwerke Lünen: Der regionale Energieversorger hat zusammen mit der ODAS in eine Biogasanlage in Lünen investiert.

Insolvenzverwalterin Tanja Kreimer betont allerdings: "Noch sind die Pläne nicht in trockenen Tüchern. Es gibt aber positive Signale." Mit im Boot sind auch 90 Landwirte, die bereits vor Jahren der NDM 2,3 Mio. € Einlagen und 5 Mio. € Darlehen zur Verfügung gestellt haben. Der aktuelle Plan sieht vor, dass sie ihre Anteile in der neuen Konstellation behalten. Ob sie noch Geld nachschießen müssen, steht nicht fest. Sicher ist hingegen: Die Landwirte sollen auch weiter ihre Gülle zur Anlage liefern können (rund 200.000 t). Allerdings wollen sich die neuen Investoren von dem bisherigen technischen Konzept verabschieden - weg von der Verbrennung der Gärreste und der Düngerherstellung, hin zur reinen Biomethanproduktion für den Kraftstoffmarkt.

Bis zum Neustart werden noch einige Monate vergehen. Zunächst müsse die Anlage ein Insolvenzplanverfahren durchlaufen. Das sei notwendig, um eine Zerschlagung oder einen Verkauf der Anlage zu vermeiden. Mit einem Weiterbetrieb unter Volllast rechnet Kreimer erst 2024.

Laut Kreimer sind Planungsfehler der Anlage zum Verhängnis geworden. Daher prüfe man zusammen mit einem Sachverständigen, wer dafür verantwortlich sei und ob man Ansprüche geltend machen könne.

Hintergrund: Rund 140.000 t Schweine- und 60.000 t Rindergülle wollte die Gesellschaft Jahr für Jahr in der westfälischen Veredlungshochburg einsammeln, vergären, die Gärreste verbrennen und die nährstoffhaltige Asche als Dünger vermarkten. 1.200 t Stickstoff und 950 t Phosphor sollten so jedes Jahr die Region verlassen. Anfang April 2021 musste die Naturdüngermünsterland GmbH und Co KG Insolvenz anmelden. Ein Mix aus technischen Problemen und Liquiditätsengpässen hatten dem Unternehmen den finanziellen Spielraum für den Weiterbetrieb genommen. Insgesamt hat die Anlage bislang rund 18 Mio. € verschlungen, finanziert durch Fördergelder und Bankkredite.

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