Klimastabilisierung: Biomasse allein reicht nicht

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung zeigt in einer Studie, welche Bedeutung Biomasse zum Entzug von CO₂ aus der Atmosphäre hat.

Bislang halten Wissenschaftler Biomasse-Plantagen für eine vergleichsweise sichere, bezahlbare und effektive Möglichkeit, um Kohlendioxid (CO₂) aus der Atmosphäre zu entnehmen. Diese Reduzierung ist nach Ansicht von Klimaforschern nötig, um die steigende Erderwärmung zu stoppen. Pflanzen nutzen das CO₂ aus der Atmosphäre, um den Kohlenstoff in ihre Wurzeln, Stämme und Blätter einzubauen. Allerdings kann der Entzug von CO₂ über die Biosphäre nicht als Notlösung gegen die Klimakrise genutzt werden. Das zeigt eine neue Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Die Wissenschaftler haben dabei untersucht, wie sich verschiedene Biomasse-Szenarien auf das Klima auswirken: 

  • Szenario 1: Die Verbrennung von fossilen Rohstoffen bleibt auf dem gleichen Stand wie heute. Ergebnis: Selbst wenn man wachstumsstarke Pflanzen wie Pappeln oder Elefantengras nutzen würde und die Hälfte des in ihnen enthaltenen CO₂ speichert, hätte die schiere Größe der nötigen Pflanzungen verheerende Auswirkungen auf die Umwelt. Die Wissenschaftler berechneten, dass in diesem Fall die hypothetisch benötigten Anbauflächen fast vollständig die natürlichen Ökosysteme rund um die Welt vernichten würden.

  • Szenario 2: Mittelmäßige Reduktion der CO₂-Emissionen auf Basis des Klimagipfels von Paris. Ergebnis: Die Biomasse-Pflanzungen müssten bis Mitte des Jahrhunderts ebenfalls enorm sein. In diesem Szenario würden sie natürliche Ökosysteme auf fruchtbarem Boden in einem Umfang ersetzen, der einem Drittel aller heute existierenden Wälder entspricht. Alternativ müsste mehr als ein Viertel der heute für die Landwirtschaft genutzten Flächen in Biomasse-Plantagen umgewandelt werden – was laut PIK ein erhebliches Risiko für die Ernährungssicherheit wäre.

  • Szenario 3: Ehrgeizige CO2-Reduktionen und Fortschritte bei den Anbaumethoden. Ergebnis:  Diese Maßnahmen könnten scharfe Konflikte über die künftige Landnutzung vermeiden. Aber sogar in diesem Szenario einer offensiven Klimastabilisierungspolitik könnte nur der starke Einsatz von Bewässerung, Düngung und einer weltweiten Speichermaschinerie, die mehr als 75 Prozent des aus der Luft geholten CO2 erfasst, die durchschnittliche Erwärmung auf weniger als 2°C begrenzen. Hierzu müsste es deutliche Verbesserungen bei Anbau, Ernte, Transport und Nutzung der Biomasse geben.

Das Resümee der Potsdamer Wissenschaftler: Es gäbe keine Alternative zur drastischen Verringerung der Treibhausgas-Emissionen. In dem Fall kann angebaute Biomasse eine begrenzte, aber wichtige Rolle spielen, wie PIK-Direktor Hans Joachim Schellnhuber betont: „Die gute Nachricht ist: Wir wissen, was wir tun müssen – rasch die Nutzung fossiler Brennstoffe beenden und ergänzend eine große Bandbreite an Techniken zum CO₂-Entzug aus der Atmosphäre einsetzen. Wir wissen, wann wir es tun müssen – nämlich jetzt. Und wenn wir es tun, dann ist es möglich, die globale Erwärmung auf weniger als zwei Grad zu begrenzen und damit den größten Teil der Klimarisiken noch zu vermeiden.“

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