Klimaschutz

Landjugend: „CO₂-Steuer wäre Schlag ins Gesicht“

Die Niedersächsische Landjugend lehnt eine mögliche CO₂-Steuer auf Kraftstoffe ab.

„Die von Bundesumweltministerin Schulze vorgeschlagene CO2-Steuer auf Kraftstoffe ist in Teilen ein Schlag ins Gesicht für den ländlichen Raum“, kritisiert Jan Hägerling, Landesvorsitzender der Niedersächsischen Landjugend, „Wir müssen uns alle Gedanken zum Einsparen von CO2 machen, aber nicht massiv zu Lasten der Mitmenschen auf dem Land.“ Die Konsequenzen einer solchen Besteuerung würden nicht alle gleichermaßen treffen und vor allem für Menschen in ländlichen Regionen viele Nachteile mit sich bringen.

ÖPNV nutzt wenig im ländlichen Raum

Menschen in ländlichen Regionen sind auf den Automobilverkehr angewiesen. Sie könnten nicht einfach in einen Bus oder eine S-Bahn steigen und zur Arbeit fahren, so Hägerling. Gleiches gelte auch für die Produktion und Logistik in der Landwirtschaft. Ohne Traktor, der mit Diesel betrieben werde, könnten keine Lebensmittel auf den Äckern angebaut und geerntet werden. „Der Wirtschaftsstandort Deutschland und seine Arbeitsplätze dürfen nicht gefährdet werden. Für uns ist die Mobilität auf dem Land mit dem Auto unabdingbar“, merkt Hägerling an. „Auch mögliche Vorschläge einer Rückerstattung über den Strompreis oder den Ausbau von ÖPNV helfen uns nicht wirklich“.

Der ÖPNV sei im ländlichen Raum in Teilen nicht wirtschaftlich und werde es in der jetzigen Form auch nicht werden, da die Nutzer in Zukunft nicht entsprechend steigen werden. Zumal für den Nutzer eher die Verbindungen zwischen Start und Ziel ein Problem darstellen. „Wir wollen und müssen bereit sein, sinnvolle und nicht abstrafende Maßnahmen zur CO₂-Einsparung mitzutragen. Dazu müssen wir alle unseren Beitrag leisten. Das ist uns wichtig“, so Hägerling abschließend.

Die Redaktion empfiehlt

Neun Bioenergieverbände haben Vorschläge für eine Änderung der Energiesteuer und weitere Maßnahmen erarbeitet. Diese sollen dem neuen Klimakabinett als Diskussionsgrundlage dienen.

Der Kompromiss der EU-Umweltminister zum CO2-Ausstoß der Autos reicht nicht aus, um die Klimaziele zu erreichen, kritisiert der Bundesverband Neue Energiewirtschaft.

Bundesregierung plant weitere Verschärfungen in der Düngeverordnung

Meldung verpasst? Wir verhindern, dass Sie nicht mitreden können. Tragen Sie sich jetzt für unseren Newsletter ein und wir benachrichtigen Sie über alle wichtigen Ereignisse rund um die Landwirtschaft.

Artikel geschrieben von

Hinrich Neumann

Redakteur Energie

Schreiben Sie Hinrich Neumann eine Nachricht


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

von Christian Bothe

Energiebereitstellung

@Gerner, das sind bekannte und schon längst überholte informationen! Sie haben Frankreich vergessen,welche bei der CO2 Reduzierung die BRD mit ihrer gedachten Energiewende abgehängt haben.Warum wohl???Stromausfälle in den USA sind witterungsbedingt und nicht ständig.Die Atom-und Kohleindustrie sorgt dafür,das das nicht geschieht( Ich bin oft dort und habe das noch nicht einmal erlebt und die BRD hat im Juni vergangenen Jahres gerade noch die Kurve gekriegt ).Also bitte genauer recherchieren ehe Sie so etwas in die Welt setzen...

von Andreas Gerner

@ Bothe Versorgungssicherheit: Fakten statt Mythos

Wie bitte definieren sie Versorgungssicherheit? Da sie das Beispiel Japan explizit mit angeführt haben, zur Erinnerung: Von jetzt auf gleich fielen 6 Kraftwerksblöcke für immer aus. ALLE anderen mussten wegen Schäden bzw. massiver Sicherheitsrisiken ebenfalls für Monate vom Netz. Die Industrie bekam den Strom rationiert. Weltkonzerne wie Toyota mussten ihre Produktion drastisch drosseln, teils aussetzen. Gewerbe, Wohnungen, Infrastruktur hatten in der Folge ständige Stromausfälle zu beklagen. Die Wirtschaft brach massiv ein. Aufgefangen wurde das größte Loch u.a. tatsächlich durch alte, vorrüberghend stilllgelegte Geothermiekraftwerke. Kein Witz! Man hatte in Japan Geothermiekraftwerke betriebsbereit rumstehen, die nur nicht rentabel liefen, weil der durch staatliche Subvention künstlich zu billige Atomstrom ins Netz drängte!!! Zu Deutsch: die erneuerbaren haben Japan letztlich den Arsch gerettet! -----Und in den von Ihnen genannten Ländern Russland und USA gibt es mehr Stromausfälle und Netzschwankungen als bei uns. Klar zumeist wegen maroder Netze aber dies erweckt nicht gerade das Vertrauen in den dortigen Kraftwerkspark, wenn schon die Netze verfallen oder? ------Außerdem wie planbar ist Atomstrom, wenn kleinste Fehler wie Haarrisse(Grafenreinfeld) oder ein undichter O-Ring (Grafenreinfeld), oder falsche Dübel (Krümmel, Biblis...) ohne Vorwarnung immer gleich rund ein Gigawatt auf einmal lahmlegen? Hunderte oder tausende Biogasanlagen sind weitaus sicherer in der Versorgung. Teile der Leistung sind sogar regelbar, lassen also die Integration von Wind- und Solarkraftwerken zu. Das ließe sich mit neuen oder erweiterten Pumpspeicherkraftwerken noch deutlich ausweiten, wenn die Genehmigung dafür ähnlich priorisiert wäre wie andere Kraftwerke. Und das alles im Mix nicht wesentlich teurer als heute. Müssten Atom- und Kohlekraftwerke die Folgekosten auf den Strompreis abwälzen, könnte deren Strom niemand bezahlen. Was nützt die "zuverlässige Versorgung" mit Strom für 1,50€ (Mix Atom plus Kohle mit eingerechneter Haftpflichtversicherung, Endlagerrücklage, CO² Steuer, Klimaschäden) pro Kilowattstunde? ------Und was nützen die Meiler, wenn im heißen Sommer aus den Flüssen kein Kühlwasser entnommen werden kann? Oder schlimmer, wenns mal länger richtig frostig wird und die Flüsse zufrieren? Dann kommt auch kaum noch Kohle bei. -----Trotz anfänglicher Schwierigkeiten mit der noch jungen Technologie erzeugen viele BGA´s an mehr als 8200 Stunden im Jahr Strom und Wärme! Das schaffen die AKW´s bis heute nicht! ---- Und Uran ist endlich. Der Absprung muss sowieso gelingen ------ Der Mythos vom IMMER verfügbaren Atomstrom allein macht noch keine sichere Versorgung.

von Josef Doll

Die Gigantiomie / Jens Geveke

Die bisherigen Biogasanlagen müssen groß sein. Der Strompreis allerdings muss auch hoch sein. Würde das mit dem Biomethan als Treibstoff auch ohne hohe Kosten für Biogasreinigung ,oder Batterie für die Speicherung von Strom gehen um so besser !! Aber das ist nur eine Möglichkeit von vielen

von Christian Bothe

@Geveke,ich will zwar kein Zwiegespräch mit Ihnen, weil es vielleicht für andere uninteressant, aber Deutschland ist nun mal keine Enklave und die Länder um uns herum machen eine andere Energiepolitik und fahren damit, was die Versorgungssicherheit betrifft sehr gut damit. Frankreich,USA,Japan,Russland etc.Das was Gates sagt ist erst einmal fachlich richtig und ich befürworte nach wie vor einen Energiemix mit allen technischen Möglichkeiten.Dazu gehören eben momentan noch AKW+. Kohlekraft

von Jens Geveke

@Bothe

Bei "Bill" war ich irgendwie bei Clinton, nicht bei Gates, aber auch den kenne ich, ich lebe ja nicht hinterm Mond. Ich gehe aber jede Wette ein, dass sich das Recycling von Rotorblättern, wo es um eine Trennung der Harzverbindungen geht, leichter lösen lässt, als ein Endlager für Atommüll zu finden, was die nächsten Jahrtausende stabil sein soll. Vorschlag: Gehen Sie auf irgendwelche Parteitage, überzeugen Sie die Mehrheit davon, dass die Atomkraft in Deutschland doch fortgeführt werden soll, gewinnen Sie damit die nächsten Wahlen und dann kann man dass ja über die großen technischen Möglichkeiten des günstigen Atomstromes reden. Momentan sieht es allerdings nicht danach aus und daher werden wir uns andere Möglichkeiten überlegen müssen.

von Christian Bothe

Atommeiler

@Geveke,habe Bill Gates zitiert, falls Sie wissen wer das ist...Und wie entsorgen wir die 1200to Windmühlenflügel/a ab 2020? Alles in allem macht nur ein Energiemix Sinn, auch mit erneuerbarer Energie.

von Jens Geveke

@Doll

Sie brauchen nicht Strom zu produzieren, um Ihren 50kw Elektro-Schlepper zu betreiben. Viel effektiver ist es, über die Biogasanlage Biomethan zu produzieren, über Membranfilter vom CO2 zu befreien und das mittels eines Kompressors in die Gastanks Ihres CNG-betriebenen Schlepper zu tanken. Das ist eine sehr effektive und nachhaltige Möglichkeit. Einmal auf youtube CNH und Methan suchen, der Schlepper ist kurz vor der Serienfertigung.

von Jens Geveke

@Bothe

Hat Herr Clinton auch gesagt, wie er ein Endlager gestalten möchte und wo ? Hat er bedacht, dass Uran auch endlich ist ? Hat er bedacht dass die meisten Menschen zurecht Angst vor Strahlung haben ? "Atomkraft ist sicher" wurde immer gesagt. Genauso sicher wie die "Hindenburg", die "Titanic", der "ICE" usw. Und trotzdem kann es mal zu einem Unfall kommen, egal wie selten. Nur dass der Unfall dann extremste und langsfristige Auswirkungen hat. Wenn das alles nicht so schlimm sein sollte, dann kann sich die Atomwirtschaft gerne mit der Allianz-Versicherung zusammensetzen und eine entsprechende Haftpflicht abschliessen. Warum wird das wohl nicht gemacht ? Weil keine Versicherung solche Mega-Schadensereignisse übernehmen kann. Jeder Betrieb in Deutschland muss eine Haftpflichtversicherung für Schäden gegenüber dritten haben, nur die Atomwirtschaft nicht.

von Christian Bothe

@Nagl

Lesen Sie mal, was Bill Gates in einem Interview Ende 2018 sagte : "„Nächstes Jahr werde ich mehr darüber reden, warum die USA ihre führende Rolle in der Atomkraftforschung wiedergewinnen müssen„, schrieb er. „Kernkraft ist ideal für den Umgang mit dem Klimawandel, denn es ist die einzige kohlenstofffreie, skalierbare Energiequelle, die 24 Stunden am Tag verfügbar ist.“ Das ist eine realistische Aussage und unterstützt auch meine Meinung zu einem gesunden Energiemix als zukünftige Herausforderung den CO2- Ausstoß der Industrie zu verringern. Man sollte also nicht vorschnell die Landjugend verurteilen,H. Nagl.

von Josef Doll

Es wird Zeit

Wieso lohnt sich eine Biogasanlage erst bei (reine Gülle ) ab 250 GV ?? Hätte nicht jeder Betrieb soviel " Biomasse " dass eine Biogasanlage mit 25 KW laufen könnte . Könnte , weil dieser Abfall der auf fast jedem Betrieb anfällt so fast zum Nulltarif verwertet werden könnte. Und Wärme so glaube ich würde auch gebraucht . Nun ob es sich in der Zukunft lohnt eine 250 KW Schlepper mit Batterie zu betreiben. Aber mit 50 KW könnte ich mir in der Zukunft einen vorstellen. Somit glaube ich das solch eine Anlage in der nahen Zukunft nicht einmal ans Netz angeschlossen werden müsste ! Es gibt Möglichkeiten ........

von Ralf Heise

Back to the roots

Noch einen Schritt weiter gehen und über geschlossene Stoffkreisläufe, Wertschöpfung auf dem eigenen Hof und kurze Wege nachdenken. Warum nicht den eigenen Raps selber nutzen und zu Pflanzenöl und Rapskuchen verarbeiten. Damit Kraftstoff (ich meine damit reines PÖL und kein Biodiesel) und Eiweißfutter für den Eigenverbrauch produzieren. Viele Maschinenhersteller haben die PÖL Motoren im Angebot, halten sie aber wegen aktuell mangelnder Nachfrage zurück. Wichtig dabei, auf die Ölqualität zu achten und die Kraftstoffnorm einhalten. Alles kein Hexenwerk und auch auf dem eigenen Hof gut zu bewerkstelligen. Das wird noch interessanter, wenn dann diese CO2 Steuer kommt, die zwischen 11 und 48 Cent pro Liter Diesel liegen könnte.

von Hans Nagl

Landjugend mit alten Denken!

Jens Geveke hat es schön auf den Punkt gebracht .

von Jens Geveke

mich würde mal interessieren, was die "Daumen nach unten Leser" bei meinem Kommentar meinen, wie es in Zukunft laufen soll: Diesel und Fossile Energien weiterhin nutzen ohne CO2-Abgabe und nichts verändern ? Das Veränderungen oft anstrengend sein können und daher vielleicht nicht gewollt sind, kann ich ja verstehen, die Frage ist aber ob es eine Alternative gibt.

von Jens Geveke

Gerade der ländliche Raum...

...kann doch viel machen. Einerseits wird der Vorteil von Rapsöl im Biodiesel hervorgehoben und jetzt sagt die Landjugend, dass der Schlepper ohne Fossilen Diesel nicht läuft. Vielleicht erst einmal nachdenken, bevor man solche Meldungen herausgibt. Niemand wird gezwungen, CO2-Steuer zu zahlen. Wärmepumpen mit großen Wärmespeichern als Heizung, betrieben mit Wind- und Photovoltaikstrom, Photovoltaik auf den großen Dächern zur stromversorgung auf dem Betrieb und Pendel-PKW. Biomethan oder Biodiesel im PKW oder Schlepper, Hackschnitzelheizungen usw. Gerade die Landjugend sollte doch so weitsichtig sein, dass die CO2-Einsparung jetzt angepackt werden muss.

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich einloggen um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen