Freiflächen-Photovoltaik

Landvolk: Solarparks sind Fluch und Segen

Wegen des hohen Pachtflächenanteils in Niedersachsen sollten die Kommunen bei der Planung von neuen Solarparks den Flächenbedarf der Landwirte berücksichtigen.

Die Energiewende und die Errichtung von Solarparks außerhalb der Ortschaften sind in aller Munde. Das Betreiben eines solchen Solarparks wird zunehmend attraktiv, weshalb den Flächeneigentümern hohe Zahlungen für die Nutzung von Photovoltaik angeboten werden. „Hier liegen Chancen für Landwirte, sofern sie Eigentümer entsprechender Flächen sind“, erklärt Jochen Oestmann, Vorsitzender im Ausschuss Regenerative Energien beim Landvolk Niedersachsen. „Haben sie diese Flächen hingegen gepachtet und sind darauf dringend angewiesen, weil sie das Futter für ihre Tiere erzeugen, liegt darin ein großes Problem“, erläutert Oestmann weiter. Im Schnitt haben die landwirtschaftlichen Betriebe in Niedersachsen knapp 60 % ihrer bewirtschafteten Flächen gepachtet.

Expertise der Landwirtschaftskammer gefragt

Vor diesem Hintergrund ist es nach Auffassung des Landvolks Niedersachsen erforderlich, bei der Planung von Solarparks den Flächenbedarf der landwirtschaftlichen Betriebe zu berücksichtigen. „Die kommunale Planungshoheit ist gut und sinnvoll, aber zuvor muss zwingend die fachliche Expertise der Landwirtschaftskammer Niedersachsen hinzugezogen werden, die den Flächenbedarf der landwirtschaftlichen Betriebe vor Ort ermittelt. Nur wenn der festgestellte Flächenbedarf eine Photovoltaik-Nutzung auf der Fläche zulässt, sollte auch ein Solarpark geplant werden“, fordert Oestmann, der auch Vorsitzender des Kreisverbands Lüneburger Heide ist.

Pachthöhe: Landwirtschaft kann nicht mithalten

Wie groß die Gefahr eines Verlustes von Pachtflächen ist, zeigen die Angebote von Solarparkbetreibern. Es würden dort Beträge von 3000 €/ha und Jahr geboten, häufig noch mehr, so das Landvolk. Mit steigenden Renditeaussichten in den kommenden Jahren dürften sich die Flächenzahlungen noch deutlich erhöhen. „Damit können Landwirte nicht mithalten“, sagt er.

Die innerlandwirtschaftlichen Pachtpreise liegen in Niedersachsen durchschnittlich bei etwas über 500 €/ha – auf ertragsschwächeren Standorten und auf Grünland noch deutlich darunter. „Dieses Dilemma kann nur mit einer verantwortlichen, die landwirtschaftlichen Interessen berücksichtigenden Planung gelöst werden“, fordert der Vorsitzende des Landvolk-Fachausschusses Regenerative Energien.

Nur unter optimalen Bedingungen

Die vom Landvolk genannten Pachthöhen kommen nach Aussagen von Projektierern nur vereinzelt in der Praxis vor und sind kein Standardfall. Denn dafür müssen optimale Bedingungen herrschen. So ist beispielsweise die Entfernung zum Einspeisepunkt ein großer Kostenfaktor: Pro Kilometer Kabeltrasse fallen rund 60.000 € an Kosten an. Auch beeinflussen Auflagen wie Ausgleichsmaßnahmen die Kostenseite und damit die Wirtschaftlichkeit. Analog wie im Windbereich sollten Landeigentümer vor Abschluss eines Pachtvertrages genau prüfen, ob es sich um einen seriösen Anbieter mit Referenzen handelt, der wirklich einen Park bauen will, oder nur um einen Vermittler, der lediglich Flächen sichert, diese dann aber an einen Projektierer übergibt. In diesem Fall kann es zu Nachverhandlungen der Pachthöhe kommen.

Lesen Sie hierzu auch: https://www.topagrar.com/management-und-politik/aus-dem-heft/freiflaechen-photovoltaik-geldsegen-mit-tuecken-12576598.html


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