Nachwachsende Rohstoffe

Medizintextilien aus Hopfenpflanzen

Ein Forschungsprojekt des Unternehmens Hohenstein untersucht, ob und in welcher Qualität sich faserartige Rohstoffe aus der Hopfenpflanze gewinnen lassen.

Im Hopfen schlummert noch viel Potenzial. Das gilt nicht nur für die Blüten, mit dem die Brauer dem Gerstensaft das Aroma geben. Auch der Rest der sechs bis acht Meter hoch wachsenden Pflanze – und das sind immerhin rund 70 Prozent der Biomasse – könnten sich sinnvoll nutzen lassen. Das untersucht aktuell ein Forschungs-Verbundprojekt unter Beteiligung des Familienunternehmens Hohenstein, das seit mehr als 70 Jahren auf die Prüfung, Zertifizierung und Erforschung textiler Produkte aller Art spezialisiert und ein Mitglied der Zuse-Gemeinschaft ist. Im Projekt des Instituts aus Baden-Württemberg werden sowohl frische, ganze Stängel, geschredderte Pflanzenteile wie auch Gärreste genutzt.

Anwendung bei Medizintextilien

Die Forscher untersuchen, in welchen Produktlinien verfügbare Rohstoffqualitäten zum Einsatz kommen können. Der Fokus bei Hohenstein liegt in der Untersuchung und Bewertung funktioneller Eigenschaften der erzielbaren Rohstoffe für den Einsatz im medizinisch-textilen Bereich. „Wertvoll wäre eine Nutzung der Pflanzenteile im Sinne des Rohstoffkreislaufs“, sagt Dr. Eva Glink, Projektleiterin bei Hohenstein. Zur Textilherstellung muss eine recht aufwändige Trennung der Holz- und Bastanteile erfolgen. Das Projekt beleuchtet dabei die technische Machbarkeit.

Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist, dass eine entsprechende (Zwischen-) Produktqualität bereitgestellt werden kann, die für das Anwendungsfeld „Medizintextilien“ passend ist. In diesem Fall spielt vor allem die Biokompatibilität des Materials eine wichtige Rolle. Dabei sollen spezifische biologische, chemische und textilphysikalische Funktionalitäten für den Einsatz im Gesundheitswesen charakterisiert werden. Zusätzlich wird eine technisch-ökonomische Betrachtung im Vergleich zu anderen, etablierten Rohstoffen im Med-Tex-Bereich durchgeführt.

75.000 t pro Jahr verfügbar

Das Potenzial ist groß: In Deutschland gibt es fünf Hopfenanbaugebiete, die insgesamt mit ca. 18.600 ha etwa 35 Prozent der Weltanbaufläche stellen (Stand 2016). Sortenbezogene Untersuchungen zum Ertrag von Hopfen haben laut Hohenstein gezeigt, dass die Hopfendolden nur etwa 30 Prozent der geernteten Pflanzenmasse ausmachen. Daher kann eine jährliche Biomasse aus den Hopfenreben von ca. 75.000 t Trockensubstanz geschätzt werden. Dies stellt also eine vergleichsweise große, bisher nicht genutzte Rohstoffquelle dar, die für den Einsatz in technischen Produkten zur Verfügung stehen würde. Bisher wird die nicht zum Brauen verwendete Hopfen-Biomasse zum Teil als Dünger ausgebracht oder in Biogasanlagen vergoren.

Zu den Forschungspartnern des vom Bundeslandwirtschaftsministerium über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) geförderten Projekts gehört neben Hohenstein mit dem Sächsischen Textilforschungsinstitut (STFI) ein weiteres Mitglied der Zuse-Gemeinschaft. Darüber hinaus sind das Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e.V. (ATB) als Projektkoordinator, die TU Dresden, die TU Chemnitz und Hopfenpower GmbH beteiligt.

“Dieses Bioökonomie-Projekt aus der Zuse-Gemeinschaft ist ein Beispiel für Innovationen mit Zukunft aus den gemeinnützigen Forschungsinstituten, die Deutschland auch nach Überwinden der Corona-Krise dringend benötigt”, erklärt der Sprecher der Zuse-Gemeinschaft, Alexander Knebel.

Zum aktuellen Forschungsprojekt: www.hohenstein.de/de/wissen/forschung/forschungsprojekte/detail/hopfenfaser

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