Aus der Wirtschaft

Flexible Biogasanlage

Mehr Erlös dank Fahrplanoptimierung

Betreiber Christoph Kuhlmann nutzt mit mit der Software OptimusFlex das flexible Potenzial seiner BHKW noch stärker. Gleichzeitig verkauft er viel Wärme an verschiedene Abnehmer.

Mit einer zusätzlichen Fahrplanoptimierung können flexible Biogasanlagen ihr Potenzial besser ausschöpfen. Das gilt vor allem für die Anlagen, die neben der Stromvermarktung auch die Wärmeerzeugung im Blick haben. Im Schnitt um 0,7 ct gesteigerte Erlöse für die flexible Kilowattstunde (kWh) verspricht der Direktvermarkter e2m aus Leipzig. Zur Fahrplanoptimierung hat e2m die Software „OptimusFlex“ entwickelt. Sie soll den Betreibern helfen, ihre Stromleistung möglichst exakt zu prognostizieren und fahrplantreu zu sein. Bereits über 350 Biogasanlagen-Betreiber nutzen OptimusFlex inzwischen mit e2m.

Wärmeverkauf an Kindergarten, Feuerwehr und 50 Häuser

Nach den Rahmenbedingungen der Anlagen erstellt der Stromhändler für die Betreiber einen individuell optimierten Fahrplan, der die Laufzeiten mit den besten Börsenpreisen verschneidet. Auch Biogasanlagenbetreiber Christoph Kuhlmann aus Eimke (Niedersachsen) gehört zu den Betreibern, die OptimusFlex bereits seit einiger Zeit nutzen. Er hat ein ausgefeiltes Wärmekonzept: Mit seiner 1,4 MW-Anlage und zwei Satelliten-BHKW versorgt Kuhlmann den Kindergarten, die Feuerwehr und 50 angrenzende Wohneinheiten im Ort, nutzt Abwärme zur Holztrocknung und Düngemittelproduktion. „Nachhaltig wirtschaften heißt für uns auch, alle Optionen zu nutzen. Eine Biogasanlage ohne Wärmekonzept wäre für uns nicht denkbar gewesen“, sagt Kuhlmann überzeugt.2013 hatte Kuhlmann den Hauptstandort von 625 auf 1825 kW erweitert. 2018 folgte eine weitere Flexibilisierung beim ersten Satelliten von 500 auf 1700 kW und eine Erweiterung des Gasspeichers. Sein Gasspeicher von insgesamt 12.300 m³ und der zusätzliche Pufferspeicher von 500 m³ Warmwasser machen ihn in der Stromerzeugung sehr flexibel.

Hilfsmittel für Betreiber

Bei „OptimusFlex“ konfigurieren die Betreiber ihre Rahmenbedingungen, auf deren Basis e2m automatisiert einen Fahrplan erstellt. „Dadurch entfällt für den Betreiber eine aufwändige Prognose. Die Rahmenbedingungen sind leichter definiert. Gasproduktion, Gasspeicher, Wärmeverpflichtungen, Pufferspeicher sowie Wirkungsgrad und Anspringverhalten der BHKW geben einen klaren Rahmen für die Flexibilität vor“, sagt Klaus Anduschus, Leiter des Vertriebs Landwirtschaft bei der e2m, der das Tool maßgeblich mitentwickelt hat.

Auf Grundlage dieser Restriktionen ermittelt die e2m automatisiert die Zeiten, zu denen die Anlage nach ihren individuellen Bedingungen produzieren kann, und welche Stunden davon die profitabelsten sind. „Unser Fahrplan ist ein Vorschlag, den die Betreiber weiterhin kurzfristig anpassen können. Die Arbeitserleichterung bei der Prognose und Steuerung ist ein gutes Argument für viele Betreiber. Am wichtigsten für viele ist aber, dass sie selbst weiterhin die Kontrolle über die Anlage behalten“, so Klaus Anduschus. Ist der Fahrplan final, steuert die e2m die BHKW automatisch.

Verlagerung weg vom Wochenende

„Dass es sich so stark lohnt, die Leistung vom Wochenende in die Woche zu verlagern, hätte ich vor der Optimierung nicht gedacht“, resümiert Kuhlmann. Bei den flexibilisierten Anlagen erbringt das neue BHKW die Hauptarbeit und das alte startet maximal zehnmal pro Woche. „Das läuft wirklich gut – und das Beste dabei: Ich habe keine Mehrarbeit,“ betont er.

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