100 % Erneuerbare Energien

Modellrechnung: Deutschlands Stromsektor kann bis 2040 Netto-Null erreichen

Deutschlands Energiebranche kann bis zum Jahr 2040 Klimaneutralität erreichen – bereits fünf Jahre vor seinem geplanten Ziel. Zudem lässt die Energiewende die Kosten sinken, zeigt eine neue Studie.

Die globalen Klimaanstrengungen müssen „dringend verdoppelt“ werden, forderte die UN im Rahmen der 26. UN-Klimakonferenz in Glasgow. Die nationalen Klimaziele in Deutschland könnten deutlich schneller als geplant erreicht werden und dabei ließen sich sogar Stromkosten sparen. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie „Schneller zu Netto-Null“ des Technologieunternehmens Wärtsilä. Um den jeweils kostengünstigsten Weg zu Energieversorgungssystemen mit Null Netto-Emissionen aufzuzeigen, hat Wärtsilä Modellrechnungen für drei Schlüsselregionen erstellt: Deutschland, Indien und Kalifornien.

Pro Jahr 13,5 GW erneuerbare Energien

Für Deutschland hat Wärtsilä zwei Szenarien modelliert: Das Netto-Null-Szenario “Baseline 2045” geht davon aus, dass Deutschland den Kohleausstieg bis 2038 realisiert. In diesem Szenario werden in Deutschland pro Jahr bis zu 13,5 GW erneuerbare Energien verfügbar gemacht. Im Jahr 2045 wäre die Energieversorgung CO2-neutral. Das beschleunigte Szenario „Supercharged 2040“ basiert auf der Annahme, dass Deutschland den Kohleausstieg schon 2030 schafft – mit erneuerbaren Energiekapazitäten bis zu 19,5 GW pro Jahr.

Stromkosten sinken um 8 %

Die Schlüsselerkenntnisse aus den Modellberechnungen: Im beschleunigten Szenario kann Deutschlands Energiesektor bis 2040 CO₂-Neutralität erreichen und seine Stromkosten um 8 % senken. „Ein höheres Tempo beim Ausbau erneuerbarer Energien treibt die Stromkosten nicht in die Höhe, sondern reduziert sie vielmehr“, erklärt Jan Andersson, European Market Development Manager bei dem Energieanlagenhersteller Wärtsilä Energy und Mitautor der Studie. Bei einem Kohleausstieg bis 2030 – also acht Jahre eher als geplant – ließen sich rund 422 Mio. t CO₂-Ausstoß bis 2040 einsparen. Deutschland könnte energiepolitisch unabhängig bleiben und den Import von 550 TWh Energie vermeiden. Die Energieerzeuger würden mehr als 900 Mio. € pro Jahr an Kohlenstoffsteuern einsparen. Der höhere Investitionsaufwand für den schnellen Übergang zu vollständig erneuerbarer Energie würde durch Einsparungen bei den operativen Ausgaben kompensiert, die beim langsameren Übergang zu Netto-Null bis 2045 anfallen würden. „Je schneller der Umstieg, desto niedriger die Stromgesamtkosten“, erklärt Sushil Purohit, Präsident von Wärtsilä Energy.

Große Bedeutung der Wärme

Große Bedeutung misst Wärtsilä der Dekarbonisierung von Wärme zu. Immerhin wird in der EU etwa die Hälfte der Energie in Form von Wärme – etwa als Raumwärme, Prozesswärme oder Warmwasser – verbraucht. Das zeigt die Studie „Heat Roadmap Europe“ der dänischen Universität Aalborg. Lediglich ein Viertel der Energie wird in Form von Strom genutzt. Um die Klimaziele zu erreichen, ist laut Wärtsilä eine Elektrifizierung der Fernwärme auf Basis regenerativer Energien nötig.

Wärtsilä hebt neben flexiblen Kraft-Wärmekopplungs-Anlagen auch die Bedeutung nachhaltiger Kraftstoffe als kohlenstoffneutrale Lösung für die Langzeitspeicherung von Energie hervor.

Damit erneuerbare Energien die tragende Rolle bei der Deckung des Energiebedarfs für die Grundlast übernehmen können, sind intelligente Energiespeicherlösungen und eine flexible Stromversorgung erforderlich, die Schwankungen in der Energiebereitstellung ausgleichen.


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