Netzausbau und zuschaltbare Lasten sollen Abschaltungen verhindern

In Schleswig-Holstein haben Netzbetreiber im Jahr 2015 wieder mehr Wind- und Biogasanlagen wegen drohender Netzengpässe abgeschaltet. Die Landesregierung steuert jetzt massiv dagegen und will den Strom sinnvoll nutzen.

Aufgrund drohender Überlastungen im Stromnetz sind in Schleswig-Holstein im Jahr 2015 wieder etliche Windenergie- und Biogasanlagen bzw. Solarparks abgeregelt worden. Ohne die Maßnahmen hätten sie knapp 3.000 Gigawattstunden (3 Mrd. Kilowattstunden, kWh) Strom aus erneuerbaren Energien mehr produzieren können. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber 2014, als „nur“ 1.100 Gigawattstunden abgeregelt wurden. Die daraus resultierenden Entschädigungsansprüche vor allem von Windparkbetreibern stiegen in Schleswig-Holstein auf rund 295 Millionen Euro. 2014 waren es noch 109 Millionen. Das geht aus einem gemeinsamen Bericht des Energiewendeministeriums und der Netzbetreiber TenneT TSO und Schleswig-Holstein Netz AG hervor, der am 3. August 2016 veröffentlicht wurde.

Weil der Netzausbau in Schleswig-Holstein zügig vorangeht, rechnen die Netzbetreiber bereits ab 2017 einer leichten Entspannung und einem regionalen Rückgang der Abregelungen in Schleswig-Holstein. „Strom aus erneuerbaren Energien abzuschalten statt ihn zu nutzen, ist absurd. Zumal wenn Kohle- und Atomstrom weiter fließen und die Netze verstopfen“, sagte Energieminister Robert Habeck. Deshalb treibe Schleswig-Holstein den Netzausbau so konsequent voran.

Die Westküstenleitung soll zusammen mit dem geplanten Netzausbau auch in den anderen Bundesländern und der Gleichstromverbindung SuedLink Abregelung von Windstrom weitgehend vermeiden. Gleichzeitig strebt Schleswig-Holstein an, deutlich mehr EEG-Strom vor Ort zu nutzen, z.B. über dessen Umwandlung in Wasserstoff oder Wärme sowie im Rahmen des Forschungsprojektes NEW 4.0.

Zuschaltbare Lasten sind ein wichtiger Schritt bei der Energiewende. Anstatt Windräder, PV-Anlagen und Biogasmotoren vor dem Netzengpass abzuschalten, gibt es verschiedene Möglichkeiten, den Strom sinnvoll zu nutzen. Dieser Ansatz wird auch im Förderprojekt NEW 4.0 verfolgt.

Mit der Umwandlung von Strom in Wärme („Power to Heat“), Wasserstoff, weitere Speichermedien, Industrieanwendungen, Kühlhäuser, Elektromobilität und vieles mehr kann der Stromverbrauch erhöht, also „Lasten“ zugeschaltet werden. Mit der Nutzung des Stroms werden nicht nur die Kosten beo Netzengpässen reduziert, sondern auch die Energiewende in den Sektoren Wärme, Verkehr und Industrie unterstützt.

Schleswig-Holstein hat sich laut Habeck im Gesetzgebungsverfahren zum EEG 2017 für diese Sektorkopplung eingesetzt. Auch wenn die Bundesregierung sich nicht zu einem wettbewerbsorientierten und technologieoffenen Verfahren durchringen konnte, sei doch immerhin für Power-to-Heat bei KWK-Anlagen ein erster Schritt zur lokalen Nutzung des Windstromes bei überregionalen Netzengpässen gelungen. Derzeit ist aber noch offen, ob die aktuelle Ausgestaltung ausreicht, um das Instrument erfolgreich zu nutzen. Das Gutachten zu zuschaltbaren Lasten der Stiftung Umweltenergierecht vom Februar 2016 finden Sie hier


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