EU Green Deal

Neue Analysen: EU will künftig keine Efuels und Biokraftstoffe mehr

Beim Fit for 55-Paket der EU nehmen Wasserstoff und Elektromobilität einen großen Raum ein. Die Gas- und Mineralölwirtschaft fordert dagegen Lösungen auch für Verbrennungsmotoren.

In der vergangenen Woche hatte die Europäische Kommission ein Maßnahmenpaket mit zwölf Richtlinien und Verordnungen vorgestellt, die die Klimaschutzziele verschärfen sollen. Mit dem „Fit for 55“-Paket sollen schon ab dem Jahr 2030 insgesamt 55 % weniger CO2 als im Referenzjahr 1990 ausgestoßen werden. Zu dem Paket haben jetzt weitere Verbände und Unternehmen Stellung genommen:

„Zukunft Gas“ begrüßt Bekenntnis zu LNG

Die Verschärfung des europäischen Emissionshandels (EU-ETS) und die Einführung des Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) werden die Gaswirtschaft vor neue Herausforderungen stellen, gleichzeitig aber die Transformation der Branche hin zu grünem Gas wie Wasserstoff vorantreiben. Das erwartet Dr. Timm Kehler, Vorstand der Brancheninitiative Zukunft Gas. Erfreulich sieht er, dass besonders im Langstreckenverkehr die Notwendigkeit von Gastechnologien hervorgehoben wird: „Der Einsatz von LNG-Antrieben (liquefied natural gas) wird als ausgereifte Technik und als einzige verfügbare Alternative zum Diesel im Schwerlastverkehr oder der Schifffahrt anerkannt. Begleitend zum Anstieg der LNG-Mobilität ist die Verdichtung der LNG-Tankstelleninfrastruktur vorgesehen.“ Spätestens bis zum 1. Januar 2025 sollen letzte Lücken im europäischen LNG-Tankstellennetz geschlossen werden.

Gerade in der Schifffahrt sei LNG zurzeit die einzige wirtschaftlich tragfähige und emissionsarme Technologie. Daher ist auch ein Anstieg der Betankungspunkte in Kernseehäfen geplant. Mit Bio-LNG betankt würden Lkw und Schiffe sogar nahezu CO₂-neutral fahren, betont er.

„Die aktualisierten CO₂-Flottengrenzwerte für Pkw schöpfen jedoch noch nicht das gesamte Klimaschutzpotenzial aus. Erneut wird der Tank-to-Wheel-Ansatz angewendet, wobei die Emissionen lediglich am Auspuff gemessen werden“, bemängelt er. Damit würden die Potenziale von klimaneutralen Kraftstoffen, wie Bio-CNG (compressed natural gas) außer Acht gelassen. Hier müsse nachgebessert werden: E-Autos, die mit Kohlestrom geladen werden, dürften auf dem Papier nicht weniger CO₂-Emissionen vorweisen als Pkw mit Bio-CNG. „Daher schlagen wir einen Well-to-Wheel-Ansatz vor, der alle Emissionen misst. Dies hat auch Auswirkungen auf die Planung von Tankstellen: Denn der Zubau von CNG-Tankstellen wurde ausgesetzt“, sagt Kehler.

Mineralölwirtschaft: E-Mobilität und Biokraftstoffe nötig

Der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) hält es für richtig, zur Emissionsminderung im Verkehr die Förderung der Elektromobilität voranzutreiben, etwa über die Festlegung von Anforderungen an die Ladeinfrastruktur. „Allerdings brauchen wir zum Erreichen der EU-Klimaziele zwingend beides – Elektromobilität und alternative Kraftstoffe, also moderne Biofuels und ökostrombasierte synthetische Kraftstoffe“, fordert MWV-Hauptgeschäftsführer Prof....


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