Spirulina-Algen

Neue Ideen für die Algenproduktion in Biogasanlagen

Forscher wollen einen neuen Hilfsstoff für Fische sowie einen Lebensmittelfarbstoff aus Spirulina-Algen entwickeln. Die Produktion erfolgt mit Biogas-Abwärme.

Die Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden und die Technische Universität Berlin entwickeln ein neues Geschäftsfeld für Biogasanlagen. Dabei geht es um die Produktion von Algen mithilfe der Prozesswärme aus Biogasanlagen.

Therapie für Fische

Die Forscher erproben ein neues Verfahren zur Verwertung des Cyanobakteriums Arthrospira platensis, besser bekannt als Spirulina-Alge, im Technikums-Maßstab. Dabei geht es um die Produktion von Exopolysaccharide (EPS – ein antiviraler Wirkstoff zum Einsatz in Aquakulturen, vor allem bei Karpfen) und Phycocyanin etablieren. In den Versuchen zeigte sich, dass sich EPS zur Prophylaxe, aber auch zur Therapie bereits erkrankter Fische eignen. Damit tut sich für EPS als Aquakulturtherapeutikum ein potenziell großer Markt auf.

Pigment als Lebensmittelfarbstoff

Der zweite Wertstoff aus Arthrospira platensis, das Phycocyanin, ist ein natürliches Pigment, das für die blaue Komponente in der blaugrünen Farbe von Spirulina verantwortlich ist und u. a. als Lebensmittelfarbstoff, für Kosmetika und als Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt wird. Bislang erfolgt die Gewinnung meist über einen mechanischen Zellaufschluss. Im jetzt startenden Projekt wird mit der energieeffizienteren Pulsed Electric Fields (PEF)-Technologie extrahiert, die einen weitgehenden Erhalt der Zellmorphologie ermöglicht. Das vereinfacht die anschließende Produktseparation und soll zu einer Erhöhung der Extrakt-Reinheit führen.

Doppelter Nutzen für Biogasanlagen

Über die Kopplung des Prozesses an eine Biogasanlage soll zum einen die Prozesswärme für die Bioreaktoren bereitgestellt werden, in denen die Mikroalgen vermehrt werden. Zum anderen eignen sich die in der Extraktion abgetrennten Zellreste als Substrat für die Biogasanlage. Die Extraktionsprozesse verbessern dabei deren Vergärbarkeit: Durch die Abtrennung eines großen Teils der Proteinfracht, des Phycocyanins, wird Stickstoff reduziert. Dadurch gelangen anteilig mehr Kohlenstoffverbindungen in den Fermenter, wodurch sich das Methanbildungspotenzial erhöht.

Im Projekt „Antivirale Substanzen und Pigmente“ wollen die Forscher die Teilprozesse der Wertschöpfungskette zunächst im Labormaßstab weiterentwickeln, überprüfen und bilanzieren. Mit den Ergebnissen soll dann der Test im Technikums-Maßstab mit einer Algenkultivierung in Freiland-Photobioreaktoren erfolgen. Weitere Infos finden Sie bei der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe unter www.fnr.de

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