Energiewende

NRW: Stillstand bei erneuerbaren Energien

In Nordrhein-Westfalen ist der befürchtete Ausbaueinbruch eingetreten. Aber auch bei Biomasse und Wasserkraft gibt es Stillstand, die Solarenergie entwickelt sich langsam und bleibt weit hinter den Potenzialen, zeigen aktuelle Zahlen.

In Nordrhein-Westfalen ist der Ausbau der Windenergie aufgrund politischer und rechtlicher Unsicherheiten 2018 stark eingebrochen. Gegenüber dem Jahr 2017 ist die zugebaute Leistung um 60 Prozent zurückgegangen, berichtet der Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW). Auch bei den Solaranlagen liegt das Bundesland laut LEE weit hinter dem notwendigen Ausbau zurück. Um die Bundesziele zu erreichen, müssten jährlich Solaranlagen im Umfang von 900 Megawatt in NRW zugebaut werden. Davon wurde 2018 nur knapp ein Drittel erreicht. Reiner Priggen, Vorsitzender des LEE NRW und Mitglied der Kohlekommission, übte deutliche Kritik an der NRW-Landesregierung: „Statt sich weiter in Widersprüchen zu verstricken, muss die Landesregierung konkrete Maßnahmen für den Ausbau der Erneuerbaren ergreifen.“

LEE kritisiert zu hohe Mindestabstände

Der Verband kritisiert vor allem die Verhinderungsmaßnahmen der Landesregierung bei der Windenergie. Mit geplanten Mindestabständen von 1500 Metern zu Wohngebieten sowie rechtlich untauglichen Versuchen, Windräder in Wirtschaftswäldern zu verhindern, würden Kommunen und die Branche nachhaltig verunsichert. Investitionen in neue Anlagen wanderten jetzt in andere Bundesländer oder das Ausland ab, so Priggen. „Bei den laufenden Gesetzesvorhaben gegen die Windkraft können unsere Unternehmen nicht planen. Das aktuelle Regierungshandeln weist eher darauf hin, dass die Landesregierung einfach von Kohle auf Gas umsatteln will. Das war allerdings nicht die Idee hinter dem Kohleausstieg.“ Gleichzeitig wolle NRW 15 Milliarden vom Bund für den Strukturwandel. Dafür müsse die Landesregierung auch liefern. „Und zwar eine zukunftsgerichtete Energiepolitik auf Basis der Erneuerbaren“, fordert der Vorsitzende.

Positiv wertet Priggen die angedachte Solar-Initiative der Landesregierung. Nach langem Drängen der Branche hatte das Kabinett kürzlich beschlossen, die landeseigenen Gebäude mit Solaranlagen auszurüsten. Dies sei, so Priggen, ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Die Bilanz im Detail

  • Windenergie: Nur noch 110 Windenergieanlagen mit insgesamt 342 Megawatt Leistung wurden 2018 in NRW gebaut. Das entspricht einem Rückgang von über 60 Prozent gegenüber 2017 (312 Anlagen, 868 MW). Laut LEE NRW müssten jedes Jahr mindestens 700 MW Leistung zugebaut werden. Das entspricht etwa 175 Windrädern (4 MW pro Anlage).
  • Photovoltaik/Solarenergie: 12.100 Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 285 Megawatt sind 2018 in NRW ans Netz gegangen – fast 100 Megawatt mehr als im Vorjahr (195 MW). Insgesamt liefern damit gut 264.000 Solaranlagen mit einer Leistung von 4.900 MW klimafreundliche Energie. Aufgrund der vielen Dachflächen in Nordrhein-Westfalen, sieht der LEE NRW ein jährliches Ausbauvolumen von 900 Megawatt als notwendig und möglich an.
  • Bei der Bioenergie gibt es keine nennenswerten Zuwächse. 623 Biogasanlagen mit 295 MW (Stand 2017) decken den Strombedarf von mehr als 450.000 Haushalten. Mögliche Anpassungen im Landesentwicklungsplan, um bestehende Anlagen ausbauen zu können, hat die Landesregierung bislang ignoriert.
  • Bei der bereits gut ausgebauten Wasserkraft können laut LEE noch Potenziale von 24 MW umweltverträglich erschlossen werden. Aktuell sind 435 Anlagen mit 480 MW Leistung in NRW installiert (Stand 2017).

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Die Energieminister Andreas Pinkwart (Nordrhein-Westfalen) und Hubert Aiwanger (Bayern) wollen mit einem neuen Fördersystem die Stromerzeugung zeitlich und räumlich stärker am Bedarf ausrichten.


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