Kritische Situationen im Stromnetz

Ostern droht kein Stromnetzausfall Plus

Am letzten Wochenende hat es bei viel Wind- und Solarstromproduktion laut „Vernunftkraft“ eine Krise im Stromnetz gegeben. Wissenschaftler und Verbände sehen das nicht dramatisch.

Eine „Dunkelflaute“ ist eine Wetterphänomen, bei dem die Erzeugung von Wind- und Solarstrom zum Erliegen kommt. Diesen Fall hat es zuletzt am Samstag, den 4. April gegeben, zeigt eine Analyse des emeritierten Physikprofessors Sigismund Kobe (ehemals TU Dresden) in Zusammenarbeit mit dem Verein Vernunftkraft – einer der Energiewende und vor allem der Wind-, Solar- und Biomassenutzung kritisch eingestellten Vereinigung.

Kritik an negativen Strompreisen

Am späten Samstagnachmittag sind demnach ca. 30 Gigawatt (GW) Solar- und Windstromleistung unkontrolliert weggefallen und mussten durch konventionelle Kraftwerke ersetzt werden. Nur ein Zuschalten von allen verfügbaren Pumpspeicherkraftwerken sowie ein Hochfahren von Braunkohlekraftwerken habe einen drohenden Netzzusammenbruch verhindert. Zudem hätten 5 GW Strom importiert werden müssen zu einem hohen Preis.

Am Sonntag bei viel Sonne und Wind hätten die Wind- und Solarkraftwerke wieder viel Strom produziert (siehe Grafik). Wegen der geringen Stromabnahme am Wochenende hätten die konventionellen Kraftwerke wegen des Einspeisevorrangs der erneuerbaren Energien abgeregelt werden müssen. „Trotzdem war noch zu viel Strom im Netz und muss zu "negativen" (Höchst-)Preisen (50 €/MWh) verklappt werden. Nur so war ein Netzzusammenbruch zu verhindern“, erklärt Kobe und kritisiert, dass diese „Abfallgebühr“ den Stromkunden aufgebürdet würde. Damit sei u.a. eine Abschaffung des „Solardeckels“ kontraproduktiv.

Negative Strompreise werden zunehmen

In der Tat führen die guten Windverhältnisse vermehrt zu negativen Strompreisen, zeigt eine Analyse der Beliner Unternehmensberatung enervis. „Allein bis Ende März 2020 haben wir, vornehmlich bei sehr guten Windverhältnissen, an rund 130 Stunden negative Preise gesehen; im gleichen Vorjahreszeitraum hatten wir hingegen nur ca. 90 negative Stunden“, erläutert Tim Steinert, Senior Consultant bei enervis. Das sei vor allem darauf zurückzuführen, dass eine hohe Einspeisung...

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Diskussionen zum Artikel

von Josef Doll

Wie wärs

mit Heimspeicher und E-Autos . Letztere müssten da allerdings auch als Pufferspeicher dienen können. Da heißt um 18 Uhr wenn vielleicht viel Strom gebraucht wird ausgelagert und Nachts bei Windstrom laden. Das auslagern allerdings ist heute sogar noch verboten ist.

von Christian Bothe

E-Autos

Wer braucht bei den Spritpreisen ein E-Auto?

von Andreas Gerner

@ Geveke: Stimmt teilweise

Aber alle Möglichlkeiten sind nicht ausgeschöpft. Da gibt es durchaus noch Stellen, die gut geeignet wären, aber der Naturschutz ein Veto eingelegt hat. Dann gibt es vorhandene Speicher, deren Leistung erweitert und Speicherbecken vergrößert werden könnten. Und einen Talsee kann man ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

Also gibt es nur eine logische Folge:

Wir brauchen endlich mehr Pumpspeicherkraftwerke! Wie kann es sein, dass zu DDR-Zeiten, als der Strom rund um die Uhr konstant aus Kohle kam, mehr Kapazität errichtet wurde, als seit der Wende bei steigendem Bedarf und im Tagesverlauf schwankender Erzeugung?

von Jens Geveke

...weil schon alle (wenigen) passenden Standorte in Deutschland mit Pumpspeichern bebaut sind. Es gibt nicht sehr viele große Berghöhen, die sich für einen Staussee eignen mit einem entsprechenden See im Tal in der Nähe, den man auch mit schwankenen Füllhöhen fahren kann. Das ... mehr anzeigen

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