Pflanzenkohle

Pflanzenkohle als „Super-Rohstoff“?

Wie Pflanzenkohle in der Landwirtschaft eingesetzt werden kann und welchen Nutzen sie für den Klimaschutz hat, zeigte die diesjährige Fachtagung des Fachverbandes Pflanzenkohle.

In Zeiten fortschreitenden Klimawandels könnten Pflanzenkohle zum zukunftsweisenden Super-Rohstoff werden: Das schreibt zumindest der bayerische Finanzminister Albert Füracker in seinem Grußwort zur diesjährigen Fachtagung des Fachverbandes Pflanzenkohle in Rieden in der Oberpfalz. Diese Erkenntnis wünscht sich Dr. Susanne Veser, Vorstand des Fachverbandes, auch auf Bundesebene: „Wenn das Thema von politischer Seite Unterstützung erfahren würde, könnten wir mit Pflanzenkohle schneller einen positiven Beitrag für Mensch, Natur und Gesellschaft leisten.“

Pflanzenkohle entsteht durch thermische Karbonisierung von Biomasse wie unbehandeltem Holz, Hecken- oder Grünschnitt sowie anderer Rest-Biomassen z.B. aus der Lebensmittelindustrie. Der in den Pflanzen enthaltene Kohlenstoff wird bei diesem Verfahren in der Pflanzenkohle gebunden und dem CO2-Kreislauf langfristig entzogen.

Rund 100 TeilnehmerInnen interessierten sich für die Vorträge über Pflanzenkohle in der praktischen Anwendung in der Landwirtschaft, über rechtliche und politische Rahmenbedingungen und über die Chancen für den Klimaschutz, die sich daraus ergeben, dass durch die Herstellung von Pflanzenkohle der Atmosphäre CO2entzogen und für lange Zeit gespeichert wird.

Pflanzenkohle aus Baum- und Strauchschnitt

In der Schweiz wurde erst kürzlich ein landwirtschaftliches Pflanzenkohle-Projekt mit dem Agro-Preis 2019 ausgezeichnet, berichtete Referent Fredy Abächerli. In seinem Vortrag erklärte er, wie Pflanzenkohle eingesetzt werden kann, um Hofdünger zu einem guten Kompost und Bodenverbesserer aufzubereiten. Ebenfalls aus der landwirtschaftlichen Praxis schilderte Hans Söhl, wie aus Strauch- und Baumschnitt eines extra dafür angepflanzten Ackerrandstreifens Pflanzenkohle dezentral hergestellt werden kann. Diese Ackerrandbepflanzung ist auch ein Aspekt des Projekts Landwirtschaft 5.0, das Prof. Dr. Daniel Kray von der Hochschule Offenburg präsentierte. Dabei geht es darum, mithilfe von Sonnenenergie und nachhaltiger Biomasse-Produktion durch Agro-Forst Biodiversität zu steigern, Elektromobilität auf dem Hof zu fördern sowie Pflanzenkohle in die bäuerliche Praxis einzubeziehen, die dadurch nicht nur klimaneutral, sondern klimapositiv werden kann.

Zertifikatehandel als Geschäftsfeld

In welchem Maße Pflanzenkohle Kohlenstoff global speichern kann, beschrieb Constanze Werner in ihrem Vortrag. Die Wissenschaftlerin des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung zeigte auch auf, wie sich dies auf die Biosphäre und die Lebensmittelproduktion auswirkt. Ganz konkret konnte Dr. Robert Wagner von der Freien Universität Berlin darlegen, dass durch Produktion und Einsatz von Pflanzenkohle im Botanischen Garten Berlin-Dahlem nicht nur 120 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr vermieden werden konnten, sondern auch zusätzlich 60 Tonnen CO2 und organische Bodensubstanz in der Erde gespeichert werden.

Dr. Nikolas Hagemann, 2. Vorsitzender des Fachverbandes und Geschäftsführer des Ithaka Instituts in Deutschland, berichtete in seinem Vortrag über die Zertifizierung von Kohlenstoffsenken. Wie aus solchen Zertifikaten Finanzierungsinstrumente werden, die gehandelt werden können, darüber sprach Dr. Hannes Junginger.

Schadholz ließe sich als Rohstoff nutzen

„Momentan liegen 17 Millionen Tonnen Holz in den Wäldern“, erklärt Dr. Susanne Veser: „Sie verwittern ungenutzt und geben dadurch Kohlenstoff ab. Diese unglaubliche Menge an Material könnte zu sehr guter Pflanzenkohle verarbeitet werden. Dazu brauchen wir neben den nötigen technischen Anlagen auch die Rückendeckung und das Verständnis aus der Politik, was Pflanzenkohle wirklich leisten kann.“

Zum Abschluss der Tagung konnten die Teilnehmer die erst im September in Betrieb genommene Karbonisierungsanlage für Pflanzenkohle der Firma Carbon Cycle in Amberg besichtigen.

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Diskussionen zum Artikel

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von Rudolf Overhoff

Die Karbonisierung

von Reststoffen wird in den nächsten Jahren eines der wichtigsten Möglichkeiten sein Co2 aus der Atmosphäre zu recyceln. Gleichzeitig wird sie als hervorragender Wasserspeicher und Nährstoffspeicher die Fruchtbarkeit der Böden deutlich verbessern, und stellt eine gute Möglichkeit dar die Landwirtschaft im Handumdrehen Co2 positiv zu machen. Und das nicht nur in Deutschland sondern weltweit. Co2 Einspareffekte wie sie die Politik propagiert werden, werden ja lange nicht reichen, weil noch etliche Jahre fossile Energieträger eine Rolle spielen werden. Da müssen schon echte Schwergewichte wie Pflanzenkohle her ,um etwas zu bewegen .Die Menschheit muss wirklich den globalen Kohlenstoffkreislauf neu definieren und zusehen das möglichst viel Biomasse möglichst viel Co2 aufnimmt. Das geht am besten über Pflanzenwachstum und Karbonisierung .Es bleibt bei dem Prozess sogar noch genügend Energie übrig um Strom oder Abwärme herzustellen. Die jetzige anstehende neue Düngeverordnung trägt wirklich nicht dazu bei, noch Humus aufzubauen(C/N-Verhältnis), und die Dürre wird alles verstärken. Pflanzenkohle ist der Einstieg zum Humusaufbau. Deshalb ist es eine Riesenchance für die Landwirtschaft sich selbst zu helfen . Ich gebe zu, Pflanzenkohle ist noch nicht sehr im Gespräch der Politik , ausgeforscht ist sie auch, aber das Potenzial hat sie allemal, das haben die Indios schon vor 500 Jahren mit ihrer Terra Preta (schwarze Erde )bewiesen. Man muss es nur wollen .

von Karlheinz Gruber

Kein Zertifikathandel

Das ist der absolut falsche Weg. Ablasshandel wie früher bei der Kirche. Entweder ist die Produktion Klimaschonend, oder eben nicht. Aber wir Landwirte dürfen uns nicht schon wieder freiwillig der Industrie und Wirtschaft als Leibeigene Knechte anbieten / in Pflicht nehmen lassen. Im Gegenteil. Wir müssen Selbstbewußt auftreten und darauf hinweisen, daß wir es schon geschafft haben/ auf dem besten Weg dahin sind. Wir können selbstbewußt dann darauf hinweisen, was für Leistungen wir schon gebracht haben und wo die anderen stehen. Warum sonst sind die Bauern auf den Weg nach Berlin? Weil wir nicht immer die Sündenböcke für alle anderen sein wollen!!! Daher muß auch mal eine sogenannte Geschäftsidee (verdienen tut eh nur der Makler, Auflagen für den LDW nach ein paar Jahren) schnell wieder verworfen werden. Freiwillige Leistungen können in der Politik für die Industrie und Wirtschaft schnell Pflicht werden, ohne jedwelchen Ausgleich. Oder wie ist das mit dem Artenschutzprogrammen und Agrarpakten? So schnell vergeßlich kann doch kein Bauer nicht sein. Und wenn doch, dann gute Nacht. Gier frißt dann nämlich das Hirn und die eigene freie Zukunft gleich noch mit

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