Kohlenstoffsenken

Pflanzenkohle bringt „negative Emissionen“

In dem 41seitigen Info-Papier „Mit Pflanzenkohle basierten Kohlenstoffsenken dem Klimawandel entgegenwirken“ erklärt ein Industriekonsortium die Vorteile der Pyrolyse von Biomasse.

Pflanzenkohle kann ein Weg sein, dem Klimawandel zu begegnen. Denn mit der Herstellung von Kohle aus Biomasse, die CO₂ aus der Atmosphäre aufgenommen hat, lässt sich der Kohlenstoff speichern. Wissenschaftler nennen das „negative Emissionen“, weil sich damit CO₂ aus der Atmosphäre dauerhaft entziehen lässt. Diese Kohlenstoffsenken gelten als wichtige Maßnahme gegen den Klimawandel, um die ehrgeizigen Klimaziele des Pariser Abkommens einhalten zu können.

Hilfreich für Klima und Landwirtschaft

Hier könne die Pflanzenkohle als naturnahe Lösung einen entscheidenden Beitrag leisten, teilt das Europäische Pflanzenkohle-Industriekonsortium (The European Biochar Industry Consortium, EBI) mit: Neben der Forstwirtschaft und dem Humusaufbau stelle sie eine aktuell verfügbare und skalierbare Schlüsseltechnologie im Kampf für den Klimaschutz dar. Neben der Funktion als Kohlenstoffspeicher könne die Pflanzenkohle helfen, Emissionen aus der Landwirtschaft zu reduzieren, den Bodenaufbau unterstützen, das Tierwohl fördern und Stickstoffverluste vermindern.

Wasser- und Nitratspeicher

Die Nutzung von Pflanzenkohle in der Landwirtschaft sei eine Klimadienstleistung, die als solche auch bereits vergütet werde. Damit Kohlenstoffsenken auch im notwendigen Umfang geschaffen würden, sei eine Kohlenstoffsenken-Ökonomie nötig. Wie diese umgesetzt werden kann, und wie groß das Potenzial für Pflanzenkohle-basierte Kohlenstoffsenken ist, hat das EBI jetzt in einem Whitepaper publiziert. Darin führen die Autoren auf, dass Pflanzenkohle neben dem direkten Klimanutzen als Kohlenstoffsenke in der Landwirtschaft vielfältig gewinnbringend und nutzenstiftend Einsatz finden könnte. Damit sei es möglich

  • Ertragssteigerungen zu realisieren,
  • Humusaufbau zu fördern,
  • die Wasserspeicherfähigkeit von Böden und damit die Trockenresistenz zu erhöhen und
  • Treibhausgasemissionen wie Methan und Lachgas sowie Nitratauswaschungen zu reduzieren.

„Pflanzenkohle ist kein allheilbringendes Wundermittel, das bei jeder landwirtschaftlichen Kultur, in jeder Art von Boden, in jeglicher Anwendungsform Ertragssteigerungen bringt. Gleichzeitig wissen wir heute aber auch, dass es in allen Klimazonen landwirtschaftliche Anwendungen gibt, in denen Pflanzenkohle großen ökologischen und ökonomischen Mehrwert bieten kann“, heißt es in dem Papier. Die Frage sei nicht mehr, ob Pflanzenkohle als Bodenverbesserer funktioniere, sondern wo und wie sie die größte Wirkung entfalte und wo ihr Einsatz wirtschaftlich am sinnvollsten sei. Zudem zeichneten sich immer mehr Anwendungen von Pflanzenkohle auch außerhalb der Landwirtschaft ab.

Whitepaper informiert über Kohlenstoffsenken und Negativemissionen

In dem 41seitigen Info-Papier „Mit Pflanzenkohle basierten Kohlenstoffsenken dem Klimawandel entgegenwirken“ erklären die Autoren, was Negativemissionen sind, wie beständig Pflanzenkohle in verschiedenen Anwendungen ist, welches Potenzial Pflanzenkohle als Kohlenstoffsenke hat, welche Anwendungsfälle es gibt und wie sich Kohlenstoffsenken vergüten lassen können. Am Ende geben die Autoren Handlungsempfehlungen wie das Auflegen von Forschungs- und Markteinführungsprogrammen oder Standards und Zertifizierungen anzuerkennen und anzuwenden. Außerdem sollten die Kohlenstoffbilanzierung für Emissionen und Kohlenstoffsenken getrennt werden. Denn Senken sollten nicht dazu genutzt werden, Defizite in der Treibhausgasminderung auszugleichen.

Das deutschsprachige Papier können sie abrufen unter: http://www.biochar-industry.com/why/

Kleine Anfrage im Bundestag

Mit dem Einsatz von Pflanzenkohle in der Landwirtschaft beschäftigt sich auch eine aktuelle Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion vom 17. September 2020. Die Abgeordneten beziehen sich offiziell auf eine top agrar-Meldung aus dem Jahr 2017. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) erteilte am 31. August 2017 den Startschuss für das Projekt „Karbondünger aus phosphorreichen Wirtschaftsdüngern durch Karbonisierung mit Stickstoffrückgewinnung“. Gefördert wurde dieses Projekt vom BMEL mit einer Summe von 578 000 Euro. Ziel des genannten dreijährigen Projektes sollte es sein, einen kohlenstoffhaltigen Stickstoff-Phosphor-Dünger herzustellen. Die Fraktion will von der Bundesregierung wissen, ob sie das Projekt weiter unterstützt, ähnliche welche Ergebnisse vorliegen und inwiefern ähnliche Projekte geplant sind. "Innovative Verfahren wie Pflanzenkohle müssen dauerhaft gefördert werden. Die Zulassung als Düngemittel kann positive Effekte bringen, diese müssen genutzt werden", fordert die stellvertretende Vorsitzende des Agrarausschusses im Deutschen Bundestag, Carina Konrad (FDP).

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Diskussionen zum Artikel

von Erwin Schmidbauer

Verbrennen ist keine Pyrolyse!

Stroh und Kartoffelkraut verbrennen ist ganz etwas anderes als Pflanzenkohle mit Pyrolyse herzustellen. // Für mich stellt sich die Frage: wie wird denn der "Klimagewinn" gerecht zwischen den Hersteller der Biomasse und den Hersteller der Pflanzenkohle aufgeteilt? Ich befürchte der ... mehr anzeigen

von Guido Müller

Pflanzenkohle....

haben schon die Alten angewendet. Zu meiner Lehrzeit war das noch möglich. Gleichmäßig auf dem Acker verteilt - das hieß damals Stoppeln oder sogar Stroh nach der Ernte abbrennen. Die Streifen mit dem verbrannten Stroh konnte man später an den kräftigen, dunkelgrünen Pflanzen ... mehr anzeigen

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