Feinstaubemissionen

Reaktion auf Holzkritik: Feinstaub aus Holzheizungen rückläufig

Die Forderung des Umweltbundesamtes, aus Gründen der Lufteinhaltung auf das Heizen mit Holz zu verzichten, ist nicht nur mit Blick auf den Klimaschutz kontraproduktiv, kritisiert die Holzbranche.

Vor dem Hintergrund der Energiewende, der geopolitischen Lage und der gleichzeitig starken Abhängigkeit von Energieimporten, sowie der aktuellen Explosion der Energiepreise, ist der Einsatz moderner Holzfeuerstätten eine wichtige Wärmequelle in privaten Haushalten. Das betont der Industrieverband Haus-, Heiz- und Küchentechnik (HKI).

Insgesamt nutzen über eine Mio. Haushalte in Deutschland einen Festbrennstoffkessel. Hinzu kommen 10,5 Mio. Einzelraumfeuerstätten, die in der kalten Jahreszeit eine Zentralheizung ergänzen. Scheitholz, Holzpellets und Hackschnitzel erzeugen rund 15 % der Heizungswärme im privaten Bereich. Moderne Holzfeuerungen würden dazu beitragen, fossile Energien einzusparen. Brennholz zähle daher - neben Sonnen- und Windkraft - zu den regenerativen Energien, sei regional verfügbar und mache unabhängig von importierten Energien wie Erdgas und Öl.

DEPV: "Undifferenzierte Kritik"

Doch nicht nur aus diesem Grund stößt die Forderung des Umweltbundesamtes (UBA), aus Gründen der Lufteinhaltung auf das Heizen mit Holz zu verzichten, auf Kritik. Sie ist nach Ansicht des Deutschen Energieholz- und Pellet-Verband (DEPV) auch aus emissionstechnischer Sicht undifferenziert. Pelletheizungen und Pelletkaminöfen beispielsweise würden heute gerade einmal 0,3 % an der bundesweiten Feinstaubbelastung (PM10; UBA 2020) ausmachen.

Das UBA selbst weist auf die rückläufigen Mengen bei Feinstaub aus Holzfeuerungen in den letzten zehn Jahren hin. Diese Entwicklung werde sich aufgrund von Stilllegungsfristen für Kaminöfen weiter fortsetzen. Die Verordnung über kleine und mittlere Feuerungsanlagen (1. BImSchV) regelt diese Außerbetriebnahmen von alten Anlagen bereits, so dass keine zusätzlichen ordnungspolitischen Vorgaben benötigt werden.

Strenge Vorschriften

Moderne, automatisch betriebene und vom Staat geförderte Holzfeuerungen müssten die gesetzlich vorgegebenen Staubgrenzwerte von 0,02 g/m3 Abluft einhalten, was Schornsteinfeger regelmäßig kontrollierten. Darüber hinaus sei in den gesetzlichen Mindestanforderungen zur Förderung von Holzfeuerungen in der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) weitergehende Beschränkungen (0,015 g/m3 Abluft) vorgeschrieben. Der BEG-Innovationsbonus fordert gar eine Emission von unter 0,0025 g/m3, wofür heute alle Hersteller von Pelletkesseln im DEPV entsprechende Modelle anbieten. „Das zeigt den großen, kontinuierlichen Entwicklungsfortschritt bei emissionsärmerer Technologie wie auch den eigenen Anspruch der Kesselhersteller bei Klimaschutz und Luftreinhaltung“, so Schmidt-Menig.

Bei der Energiewende spielt die Holzenergie eine entscheidende Rolle, so der DEPV: So seien automatisch betriebene, mit Holz und Pellets befeuerte Zentralheizungssysteme in Deutschland für rund zwei Drittel der eingesparten CO2-Emissionen bei der Wärmeerzeugung verantwortlich. „Ohne moderne Holzenergie ist die von der Bundesregierung bis zum Jahr 2030 geplante Reduzierung der Treibhausgase aus Gebäuden keinesfalls möglich“, bekräftigt Schmidt-Menig.

Experten tauschen sich aus

Ähnliches zeigte sich beim Treffen von 160 Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die vor kurzem politische Rahmenbedingungen im Bereich der Luftreinheit diskutierten und sich über neueste technische Entwicklungen im Bereich der Staubabscheider austauschten.

Was sich schnell zeigte: Die Anforderungen an die Luftreinheit sind für Kleinfeuerungsanlagen – spätestens mit der Einführung des Umweltsiegels „Blauer Engel“ – sehr ehrgeizig und setzen die Entwicklerbranche zunehmend unter Druck. Near-Zero-Emission-Ziele rücken sowohl bei Herstellern wie Nutzern immer mehr in den Fokus. Mit den derzeit auf dem Markt verfügbaren, teilweise auch nachrüstbaren Staubabscheidern ließen sich die Staubemissionen aus Biomassekleinfeuerungen zeitnah mindestens halbieren, so eine Erkenntnis des diesjährigen Expertentreffens. Würden Feuerungen und Staubabscheider gemeinsam betrachtet und angepasst, können die Staubemissionen mit den heutigen Möglichkeiten auf 10 % der derzeit in der Praxis üblichen Staubemissionen reduziert werden. Hier stehen mit „Blaue Engel-Kaminöfen“ und Biomassekessel-Abscheider-Kombinationen entsprechende Geräte auf dem Markt zur Verfügung.

Staubabscheider werden selbstverständlich



„Vor dem Hintergrund der bereits definierten und zukünftigen Luftreinhalteziele der Europäischen Union müssen und werden Staubabscheider bei Neuinstallationen selbstverständlich sein. Insbesondere Einzelraumfeuerungen muss eine Emissionsminderungstechnik zukünftig einfach dazugehören“ formuliert der Mitveranstalter Dr. Hans Hartmann vom Technologie- und Förderzentrum Straubing (TFZ) eine Erkenntnis der diesjährigen Fachveranstaltung.

Herstellerunabhängige Lösungen



Dass auch geförderte Entwicklungsprojekte im Bereich der Staubabscheidung mit hohem Innovationspotenzial auf den Markt drängen, zeigte sich anhand verschiedener Produktpräsentationen im Rahmen des Herstellerforums. Insbesondere das erste „Open Source“-Projekt der „Europäischen Feuerstätten Arbeitsgemeinschaft“ (EFA) und der DBI Freiberg zeigt, dass die Branche zusehends auch herstellerübergreifende Lösungen anstrebt.

Auch hinsichtlich der Anbindung des Abscheiders an die Feuerung setzte sich die Entwicklung der letzten Jahre fort. So haben Präsentation einzelner Hersteller gezeigt, dass die Branche statt einer Adaption zunehmend auf die verschmelzende Integration des Abscheiders in die Feuerung setzt.

 „Die vorgestellten Entwicklungen haben eindrücklich demonstriert, dass der Trend einerseits zum smarten Kombigerät und andererseits zu einer herstellerunabhängigen Technik geht. Beide Aspekte sorgen dafür, dass die Kleinfeuerungsanlagen mit integrierten Staubabscheidern zunehmend intelligenter und sauberer werden. Die Rahmenbedingungen und technischen Innovationen sind da, nun sind Entwickler, Händler und Endkunden gleichermaßen gefragt, diese Technik in den Markt zu bringen und entsprechende Nachfrage zu generieren“, resümierte Dr. Volker Lenz vom Deutschen Biomasseforschungszentrum.

Den Tagungsreader zum Abscheider-Fachgespräch steht in den kommenden Wochen unter www.dbfz.de/tagungsreader kostenfrei zur Verfügung.

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