Biogas

„Rosenheimer Landwerk“ vemarktet Strom von kleinen Biogasanlagen

Mehrere kleine Biogasanlagen aus Bayern vermarkten jetzt gemeinsam Strom über die Stadtwerke Rosenheim.

Mit einem neuen Vermarktungsansatz bieten die Stadtwerke Rosenheim kleinen Biogasanlagen den Zugang zu den Strommärkten. Unter dem Namen „Rosenheimer Landwerk“ vermarktet der Energieversorger den Strom von Windkraft-, Photovoltaik-, Wasserkraft- und Biogasanlagen.

Aktuell bietet das Rosenheimer Landwerk vermutlich die einzige vollautomatisierte flexible Anlagensteuerung für Erzeugungsanlagen im kleinen Leistungsbereich an. Ziel ist ein weitreichender Beitrag zur Stabilisierung des Energiesystems durch gebündelte Steuerung dezentraler Erzeugungsanlagen.

"Wir brauchen flexible Biogasanlagen"

Mitaufgebaut hat das Rosenheimer Landwerk Gilbert Vogler, Projektleiter bei den Stadtwerken Rosenheim im Bereich Energiemarkt. Zunächst beschränkte sich sein Team auf das Stadtgebiet Rosenheim. Hier umfasste es mehrere Gas-Blockheizkraftwerke und ein Müllheizkraftwerk zur Fernwärme-Erzeugung mit insgesamt rund 35 MW flexibler elektrischer Leistung. „Jetzt sind wir auch im Umland mit der Direktvermarktung aktiv", sagt Vogler. In der Gegend um Rosenheim gebe es zahlreiche Photovoltaik- und einige Windkraftanlagen sowie Wasserkraftwerke. „Wir brauchen schnelle, flexible Leistung, wie sie von Biogasanlagen bereitgestellt werden kann."

„Vier Mitglieder der Rosenheimer Biogasgruppe sind auf uns zugekommen", erzählt Vogler von den Anfängen. In den ersten Gesprächen lernten die Biogasbauern die Stromvermarktung kennen und die Stadtwerke erfuhren mehr die Eigenheiten von Biogasanlagen. Es folgten Besichtigungen und Workshops, in denen das gegenseitige Vertrauen reifte, das zum Beschluss der Zusammenarbeit und der Ausarbeitung von Anschlusskonzepten zur Anbindung der Biogasanlagen an das Rosenheimer Landwerk führte. Die vielen kleinen Biogasanlagen im ländlichen Raum – oft haben sie kaum mehr als 200 kW installierter Leistung – tragen nach Ansicht der Stadtwerke Rosenheim wesentlich zur Flexibilisierung der regenerativen Erzeugung bei.

Cluster spart Zeit

Voraussetzung für die Integration einer Vielzahl kleiner Anlagen in ein virtuelles Kraftwerk wie das Rosenheimer Landwerk ist die Clusterung zur Optimierung der Fahrweise. „Damit bedarf es keiner Einzelbetrachtung mehr", erklärt Günter Stock, Leiter Energy Solutions beim Aachener IT-Dienstleister Kisters. „Das vereinfacht den Optimierungsprozess ungemein und spart erheblich Rechenzeit", so Stock. Alle Anlagen eines Clusters haben dabei die gleichen spezifischen Eigenschaften, so dass im Grunde nur noch ein einziger Anlagentyp betrachtet werden muss. Außerdem sei bei einer Veränderung der Anlagenzahl innerhalb eines Clusters keine Modellanpassung notwendig. Auch das spare Zeit und Kosten bei der Optimierung. Grundsätzlich könnten in das virtuelle Kraftwerk aber natürlich alle Anlagentypen integriert werden, betont er. Das geschieht im Rosenheimer Landwerk. So nehmen die Stadtwerke vermehrt auch Blockheizkraftwerke in den Pool auf, die im Gesamtsystem gesteuert und erlösoptimiert gefahren werden.

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