Bürgerbeteiligung

So können Bürger mit „Energy Sharing“ die Energiewende beschleunigen

Eine neue Analyse zeigt: 42 % des Zubaus erneuerbarer Energien bis 2030 können Bürger übernehmen. In ganz Deutschland gibt es Potenzial für lokale und regionale Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften.

Beim Energy Sharing können Bürger regional ihren eigenen Wind- und Solarstrom erzeugen, den sie vor Ort in einem Umkreis von 25 Kilometern selbst nutzen. Bei entsprechender politischer Förderung und Anpassung des Marktrahmens können so 42 % des Zubaus erneuerbarer Energien bis 2030 durch Bürger getragen werden. Das zeigt eine Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW).

In ganz Deutschland gibt es der Untersuchung des IÖW zufolge geeignete Standorte, sodass sich mehr als 90 % der Menschen in „Erneuerbare-Energien-Gemeinschaften“ zusammenschließen könnten.

„Wir erleben derzeit, dass sich die teilweise fehlende Akzeptanz für den Ausbau von Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energie zu einem Bremsklotz entwickelt“, so Studienautorin Dr. Astrid Aretz, Energiewendeexpertin am IÖW. „Wir sind überzeugt, dass dies ins Gegenteil gewendet werden kann: Wenn Bürger an der Energiewende selbst teilhaben können, können sie zu einer tragenden Säule für den Ausbau erneuerbarer Energien und damit für den Klimaschutz werden.“ Laut IÖW könnte ein Investitionsvolumen von bis zu 6,5 Mrd. € über eine Umsetzung von Energy-Sharing-Konzepten durch Bürger ausgelöst werden.

EU-Recht gibt Rahmen vor

Die bestehenden Strukturen zur Förderung erneuerbarer Energien sehen Konzepte wie Energy Sharing bislang nicht vor. Dabei gibt es auf europäischer Ebene bereits seit 2018 einen Vorstoß, den Deutschland bislang allerdings noch nicht umgesetzt hat. „Damit Energy Sharing im öffentlichen Stromnetz wirtschaftlich möglich ist, muss der gesetzliche Rahmen nun zügig an das geltende EU-Recht angepasst werden“, fordert auch Co-Autor Jan Wiesenthal. Dann könnten sich Erzeugungs- und Verbrauchsgemeinschaften bilden, die gemeinsam in Anlagen investieren. „Die Gemeinschaften sollten eine angemessene Vergütung erhalten, wenn sie ihren Verbrauch zeitlich und räumlich an die fluktuierende Erzeugung von Wind- und Solarstrom anpassen. Von einem solchen netzdienlichen Verhalten würde das gesamte Energiesystem profitieren“, erklärt Wiesenthal.

Vorschläge für Energy Sharing

Die Wissenschaftler geben in einem aktuellen Politikbriefing Empfehlungen für eine schnelle Verbreitung von Energy Sharing in Deutschland. So sollte es vor allem finanzielle Anreize geben, um Energy-Sharing-Konzepte voranzubringen. Verringerte Stromnebenkosten oder eine Prämienzahlung können dabei unterstützen, wirtschaftlich tragfähige Modelle zu fördern. Auch sollte es für Stromverbrauchende unkompliziert möglich sein, in eine Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft zu wechseln. Die Politikempfehlung ist im Rahmen einer Potenzialanalyse im Auftrag des Bündnisses Bürgerenergie entstanden.

Die Potenzialanalyse können Sie hier herunterladen.

Anfang März hat das Bündnis Bürgerenergie einen offenen Brief an das Bundesklimaschutzministerium geschickt und die Aufnahme von Energy Sharing im „Osterpaket“ gefordert. Die Position sowie ein Konzeptpapier zum Energy Sharing finden Sie hier.


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