Power-to-X

Steinbach: „Wir brauchen 20 Prozent erneuerbare Energien im Kraftstoff“

Brandenburgs Energieminister Jörg Steinbach fordert im Bundesrat ambitioniertere Umsetzung der europäischen Erneuerbare-Energien-Richtlinie RED II. Er setzt dabei auf Wasserstoff.

Ein von Brandenburg in den Bundesrat eingebrachter Antrag fordert die Bundesregierung auf, bei der Umsetzung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie der Europäischen Union in nationales Recht deutlich über das darin festgelegte Ziel hinauszugehen. Die „Renewable Energy Directive“ (RED II) fordert, dass bis 2030 nur 14 Prozent erneuerbare Energien im Kraftstoff enthalten sein müssen. „Notwendig ist eine Quote von mindestens 20 Prozent. Nur so kann daraus eine Initialzündung für Power-to-X-Technologien werden. Und nur so werden Elektrolysekapazitäten für die Umwandlung erneuerbaren Stroms in Wasserstoff entstehen“, erklärte Brandenburgs Wirtschafts- und Energieminister Jörg Steinbach heute im Bundesrat.

Der Brandenburger Bundesratsantrag verfolgt das Ziel, die anstehende Umsetzung der RED II gezielt für den Aufbau einer erneuerbaren Wasserstoffwirtschaft zu nutzen. Der Antrag wird zunächst in den Ausschüssen des Bundesrates beraten. Steinbach erläuterte im Plenum die Eckpfeiler der Initiative und warb bei den Vertretern der anderen Bundesländer um Unterstützung für den Antrag.

Ohne ambitioniertes Ziel bleibt Wasserstoff auf der Strecke

Herzstück der brandenburgischen Bundesratsinitiative ist die Forderung nach einer Quote von mindestens 20 Prozent erneuerbarer Energien im Kraftstoff im Jahr 2030. „Fachleute sind sich einig, dass sich die in der RED II als Mindestziel verlangte Quote von 14 Prozent weitgehend ohne strombasierte Kraftstoffe erreichen lässt. Das bedeutet: Wenn wir in Deutschland die RED II eins zu eins umsetzen, wird in Sachen Power-to-X nichts passieren. Deswegen brauchen wir ein nationales Ziel, das deutlich über diese Vorgaben hinausgeht“, forderte Steinbach. Ansonsten werde man nicht nur das Klimaschutzziel im Verkehrssektor verfehlen, sondern auch die große Chance vergeben, das industriepolitische Potenzial von Power-to-X-Technologien, die aus erneuerbaren Energien Wasserstoff erzeugen, für Deutschland zu erschließen.

Steinbach machte deutlich, dass Power-to-X kein Ersatz für den Ausbau der Übertragungsnetze sei. „Sehr wohl kann aber durch Power-to-X an einzelnen Stellen die Ausbaunotwendigkeit von Verteilnetzen reduziert werden. Das ist auch im Interesse der Stromverbraucher, die den Ausbau über die Netzentgelte bezahlen müssen“, sagte der Minister. „Worum es bei Power-to-X in erster Linie geht, sind innovative, exportfähige Technologien, die für Wertschöpfung und gut bezahlte Industriearbeitsplätze in Deutschland sorgen. Darüber hinaus trägt regionale Wertschöpfung dazu bei, die Akzeptanz für die erneuerbare Energieerzeugung zu erhöhen“, so der Minister.

Arbeitsplätze und Wertschöpfung

Von einer erneuerbaren Wasserstoffwirtschaft verspricht sich der Minister „wichtige wirtschaftliche Impulse für das Energieland Brandenburg und Unterstützung für den Strukturwandel in der Lausitz“. Ziel sei es, dass die Lausitz Energie- und Industrieregion bleibe. „Dazu müssen wir innovative Energietechnologien aus dem Forschungsstadium in die Anwendung bringen. Die Voraussetzung dafür ist, dass aus der bisher lediglich als Stromwende betriebenen Energiewende endlich eine echte, energieträgerübergreifende Energiewende wird. Das bedeutet: Erneuerbare Energien dürfen nicht mehr nur in der Form von Elektrizität, sondern sie müssen auch in gasförmiger und flüssiger Form die Sektoren Wärme, Verkehr und Industrie durchdringen“, erklärte Steinbach. Power-to-X-Technologien und Wasserstoff komme dabei eine besondere Rolle zu.

Die Redaktion empfiehlt

Mit der Fördermaßnahme "HyLand -Wasserstoffregionen in Deutschland" unterstützt das Bundesverkehrsministerium Regionen dabei, ein passendes Wasserstoffkonzept zu entwickeln.

Der Energieversorger Avacon will in Schopsdorf (Sachsen-Anhalt) zeigen, dass sich der Wasserstoffanteil im Gasnetz erhöhen lässt.

Das BMU hat einen Vierpunkteplan zur schnelleren Entwicklung von strombasierten Kraftstoffen vorgestellt. Dazu gehört eine Demo-Anlage in Brandenburg.

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Artikel geschrieben von

Hinrich Neumann

Redakteur Energie

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Diskussionen zum Artikel

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von Erwin Schmidbauer

Politische Entscheidungen

Ein Fehler ist, dass die Politik sich um definierte Entscheidungen drückt. Es mag einerseits gut sein, wenn man meint, der Markt müsse es richten, aber der Markt dreht sich und wandelt sich, es ist sehr schwer, neue Infrastrukturen aufzubauen, wenn man nicht weiss, ob diese in 10 Jahren noch brauchbar sind. Unternehmenslenker wissen: manchmal ist eine falsche Entscheidung viel besser als eine lange Jahre aufgeschobene, die zu einer Hängepartie führt. Auf Dauer brauchen wir 100 % erneuerbare Energien und eine klaren Masterplan, am Besten für ganz Europa (EU).

von Alois Riedl

Wo sagte ich es soll bei Diesel/Benzin bleiben?

Meiner Meinung nach müssen wir weg von dieser Plörre und deren (meißtens) völlig Ineffizienten Verbrennung. Selbst beste Dieselmotoren bringen im optimum ihreres Wirkungsgradbereichs nur 40% Wirkungsgrad. Der Rest ist (zumeißt) Nutzlose Abwärme. Vermutlich wird es einfach notwendig sein die Rohstoffe für Batterien endlich vernünftig zu fördern. Aber das funktioniert ja nichtmal beim Öl. Wie sollte es also bei "neuen" Sachen besser sein :-( Die mMn zukünftige Lösung werden direktelektrische Antriebe sein. Sind zumindest die mit dem bisher schon besten Wirkungsgrad Quelle bis Rad...

von Jens Geveke

Hat mal einer der schlauen Kommentatoren hier im gesamten Forum, die immer wieder darauf hinaus wollen, dass es bei Diesel und Benzin bleiben soll, überlegt, dass das einfach in den nächsten 10-15 Jahren nicht mehr geht ? Die Physik lässt sich nicht wegdiskutieren. Aber deswegen soll ja die Forschung vorangebracht werden, denn PtL wird sehr teuer werden, wesentlich teuerer wie PtG und Biomethan. Daher muss man jetzt sehr genau abwägen, welche Technik vorangebracht wird. Kann man bei NewHolland sehen: Vom Biodiesel über Brennstoffzelle zum CNG-Schlepper mit Biomethan. DIe haben das sehr wohl überlegt und getestet.

von Alois Riedl

Hat irgendeiner dieser Sesselfurzer ...

... schon mal nachgerechnet was flüssiger Treibstoff aus PtL kosten wird? Da muß Strom schon sehr sehr billig werden...

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