Energiewendebarometer 2019

Unternehmen von Energiewende enttäuscht

Klimaschutz ist für die Unternehmen in Deutschland wichtig. Gleichzeitig sind viele von der Energiewende enttäuscht, berichtet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag.

Die Energiewende-Stimmung in der Wirtschaft ist insgesamt so negativ wie seit 2015 nicht mehr. Nur 15 Prozent der Industrieunternehmen betrachten die Energiewende noch als positiv für das eigene Geschäft, zeigt das aktuelle Energiewendebarometer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Vor allem die steigenden Strompreise und das Thema Versorgungssicherheit bereiten den Betrieben wachsende Sorge. Mit der Abschaltung der letzten Atomkraftwerke entfällt in Süddeutschland 2022 gesicherte Leistung in erheblichem Umfang; gleichzeitig verläuft der Netzausbau weiterhin viel zu schleppend. „Das Vertrauen der Unternehmen in nachhaltige Entscheidungen der Politik ist durch Fehlentwicklungen bei der Energiewende empfindlich gestört“, kommentiert DIHK-Präsident Eric Schweitzer die Umfrageergebnisse.

Versäumnisse beim Netzausbau

Die Enttäuschung der Unternehmen macht sich vor allem an Versäumnissen beim Ausbau des Stromnetzes fest. „Wenn wir nicht mehr Stromtrassen bekommen, um etwa Windstrom von der Küste in die Industrieregionen im Süden zu transportieren, schaffen wir den Umstieg weder ökologisch noch wirtschaftlich“, sagt Schweitzer. Deshalb stehe der Netzausbau auf der Wunschliste der Wirtschaft ganz oben: 79 Prozent der Betriebe halten dies für eine zentrale Aufgabe. Dahinter folgen: Beschleunigte Planungs- und Genehmigungsverfahren (70 Prozent), eine Verringerung der Steuer- und Abgabenlast auf Strom (57 Prozent), eine bessere Koordination der Energiewende (57 Prozent) und der weitere, verstärkte Ausbau erneuerbarer Energien (55 Prozent).

Zusätzliche Maßnahmen befürwortet

Gleichzeitig hat die deutsche Wirtschaft durchaus großes Interesse an mehr wirksamem Klimaschutz. Im Grundsatz befürworten neun von zehn Unternehmen zusätzliche Maßnahmen, damit Deutschland seine Klimaschutzziele erreicht. Allerdings bräuchte die Wirtschaft Zeit für die Umsetzung. Komme etwa eine CO₂-Bepreisung, benötige die Wirtschaft Übergangszeiten, weil es in vielen Fällen – etwa im Schwerlastverkehr – noch keine wirtschaftlich verfügbaren Alternativen gebe.

An der Online-Erhebung für das "IHK-Energiewende-Barometer 2019" beteiligten sich im Juni fast 2.600 Mitgliedsunternehmen der Industrie- und Handelskammern (IHKs).

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Artikel geschrieben von

Hinrich Neumann

Redakteur Energie

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