Wärmewende

Wasserstoff und Geothermie: Neue Ansätze für die Wärmeversorgung

Das politische Tauziehen um die stockende Wärmewende geht weiter. Es gibt eine neue Beschwerde vor der EU-Kommission, eine Studie zu Wasserstoff sowie neue Forschungen zur Erdwärmenutzung.

Aufgrund der fortwährenden Blockadehaltung der Bundesregierung beim Klimaschutz im Gebäudesektor hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) in der vergangenen Woche Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht. Die Bundesregierung weigere sich seit Jahren, die europäischen Effizienz-Vorgaben für Gebäude in nationales Recht umzusetzen. In Deutschland werde immer noch mit veralteten Standards gebaut, die die Klimaziele unterlaufen. Die EU-Niedrigstenergiestandards für öffentliche Gebäude hätten bereits 2019 umgesetzt werden müssen. Die DUH fordert insbesondere angesichts der verfehlten Klimaziele des Gebäudesektors, diese zusätzliche Klimaschutzmaßnahme umzusetzen und die EU-Vorgaben in nationales Recht zu überführen. „Die Große Koalition hat es in der auslaufenden Legislaturperiode nicht geschafft, die EU-Gebäuderichtlinie in Deutschland rechtskonform umzusetzen. Das ist symptomatisch für die Missachtung der Energieeffizienz“, kritisiert Barbara Metz, Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der DUH. Widerstand bei allen Versuchen, Deutschland energieeffizienter zu machen, hätten in der Vergangenheit insbesondere das Bundesbauministerium und das Bundeswirtschaftsministerium geleistet.

DUH fordert Einbaustopp für neue Öl- und Gasheizungen

Die europäische Gebäuderichtlinie schreibt seit 2019 in öffentlichen Gebäuden den sogenannten Niedrigstenergiestandard vor, gleichzeitig sollen neu errichtete Gebäude idealerweise komplett mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Seit 2021 muss der Niedrigstenergiestandard in allen neu errichteten Gebäuden gelten. Die Bundesregierung habe diese Vorgaben nicht umgesetzt, noch immer gelten im Neubau und im Sanierungsfall veraltete Vorgaben, betont die DUH. Diese Verweigerung bildet die Grundlage für das Beschwerdeverfahren, das die DUH heute bei der europäischen Kommission startet. „Die Rekordabsatzzahlen für Gasheizungen müssen für uns alle ein gewaltiger Weckruf sein – mit jeder neu eingebauten Gasheizung verabschieden wir uns ein Stück weiter von den Klimazielen der nächsten Jahre und Jahrzehnte. Wir fordern schnellstmöglich einen Einbaustopp von fossil betriebenen Öl- und Gasheizungen im Neubau“, ergänzt Constantin Zerger, Leiter Energie und Klimaschutz der DUH.

Wasserstoff für Gasheizungen

Damit Deutschland seine Klimaziele erreicht, müssen die CO2-Emissionen im Gebäudesektor in zehn Jahren um fast die Hälfte (43 %) sinken – mehr als fünf Mal so viel wie in den vergangenen zehn Jahren. Eine Mammutaufgabe, denn 87 % des Gebäudebestandes sind nur teilweise saniert. Der Anteil fossiler Energie im Wärmemarkt liegt bei 80 %. Den Löwenanteil mit über der Hälfte der Wärmeversorgung leistet allein das Gas. Wasserstoff kann nach Einschätzung der Vereinigung der Fernleitungsnetzbetreiber Gas e.V. (FNB Gas) ein wichtiger Baustein werden, um...


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