Windenergie

Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Gefahr

Eine Studie analysiert die direkten Auswirkungen unterschiedlicher nationaler Zubauszenarien der Windenergie an Land bis 2030. Die Ergebnisse sind eine deutliche Warnung. 


Halten die gegenwärtigen Genehmigungsprobleme an und wächst der Windenergiebestand pro Jahr um nur ein Gigawatt (GW) bis 2030, würden 27 % der Arbeitsplätze in der Windenergie-Industrie verloren gehen. Ebenso würde in Deutschland allein durch das rückläufige Inlandsgeschäft die jährliche Bruttowertschöpfung um 700 Mio. Euro und der jährliche Inlandsumsatz um 8 Mrd. Euro sinken. Das zeigt eine Studie der Prognos AG, die der Verband VDMA Power Systems beauftragt hatte. Sie analysiert die direkten Auswirkungen unterschiedlicher nationaler Zubauszenarien der Windenergie an Land bis zum Jahr 2030 auf Beschäftigung, Inlandsumsatz, Bruttowertschöpfung und Steueraufkommen in Deutschland. Die Studie legt 64.200 Beschäftigte im Jahr 2018 zugrunde. Im Gegensatz etwa zur Studie für das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) beachtet sie nur die Beschäftigung in den Kernbereichen der Onshore-Windenergie - Projektplanung, Forschung, Herstellung, Montage, Betrieb und Wartung.

Das Referenz-Szenario "Politischer Zielpfad" basiert auf den im EEG 2017 festgelegten Volumina sowie den Sonderausschreibungen aus dem Koalitionsvertrag. Dies sind Ausbauzahlen, die aktuell durch Genehmigungsstau und unzureichende Flächenausweitung für die angepeilten 73 GW bei weitem nicht erreicht werden. Hier wird auch das Ziel von 65 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien im Jahr 2030 deutlich verfehlt. In diesem Szenario sinkt die Zahl der Beschäftigten bis zum Jahr 2030 im Vergleich zu heute um rund 4 Prozent.

Positiver sieht das zum Erreichen der Energie- und Klimaziele nötige Szenario „Kohleausstieg und 65 Prozent Erneuerbare Energien“ aus. Der angenommene Bruttoausbau steigt im Durchschnitt auf 4,7 GW jährlich und resultiert in einem Anstieg der direkt Beschäftigten um 10 Prozent bis 2030 gegenüber 2018. Auch hier rechnet der VDMA mit zusätzlichen Chancen durch höhere Wettbewerbsfähigkeit im Export.

Heimatmarkt braucht zuverlässigen politischen Rahmen

„Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Stagnation im jetzigen Ausbautal mit seinen dramatischen volkswirtschaftlichen Auswirkungen auf Beschäftigung und Wertschöpfung dringend überwunden werden muss. Der langfristige Erhalt der Technologie- und Innovationsführerschaft der Windindustrie am Standort Deutschland erfordert Marktvolumen im Heimatmarkt. Hierfür braucht die Industrie zuverlässige politische Rahmenbedingungen. Die Projektpipelines sind ja nicht leer, aber ihre Umsetzung verlangt die zügige Bewältigung der Genehmigungshemmnisse“, kommentierte Dr. Wolfgang Dierker, Vorsitzender der Geschäftsführung der GE Deutschland Holding, die die Durchführung der Studie unterstützt hat.

Nach einer aktuellen Umfrage des Fachverbands hat sich die Planung bei 57 Prozent der Unternehmen deutlich in Richtung der aktuell boomenden Auslandsmärkte verändert. 30 Prozent halten Investitionen zurück oder planen keine neuen Projekte, und 43 Prozent planen einen Rückgang der Beschäftigtenzahlen in Deutschland ein.

Forderungen der Windindustrie liegen auf dem Tisch

Die Forderung der Industrie ist klar: „Schnellere rechtssichere Genehmigungen, zusätzliche Flächenausweisung für Windenergieprojekte und die Anpassung des Ausbaupfads zur Erreichung des 65 Prozent-Ziels! Das BMWi hat eine Aufgabenliste vorgelegt - mit Ausnahme der wenig intelligenten pauschalen Abstandsregelung ist sie sehr sachgerecht und muss jetzt zusammen mit der gesamten Regierung und den Bundesländern schnell und verbindlich umgesetzt werden. Außerdem muss das unzureichende Ausbauziel im Klimaschutzpaket der Bundesregierung korrigiert werden, sonst ist die nächste Zielverfehlung schon vorprogrammiert“, betonte Matthias Zelinger, Geschäftsführer VDMA Power Systems. „Die Annahme, dass man eine Industrie je nach Stimmung und Wahlterminen einfach ab- und vor allem wieder anschalten kann, muss raus aus den Köpfen!“

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Artikel geschrieben von

Hinrich Neumann

Redakteur Energie

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Diskussionen zum Artikel

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von Christian Bothe

Windmühlen...

Eine sehr gute Entwicklung der Windenergieinvestitionen! Angst um Arbeitsplätze? Was sollen die Braunkohlekumpel dazu sagen,wenn die Tagebaue schliessen? Ihr Mitleid wird sich in Grenzen halten und das Ganze zeigt mir deutlich die verfehlte und einseitige Energiepolitik von Merkel. Ich wiederhole mich : ein venünftiger Energiemix aus konventioneller und erneuerbarer Energien ist die Lösung und nicht dieses Alleinstellungsmerkmal der landschaftsverschandelden Windmühlen...

von Heinrich-Bernhard Muenzebrock

Meinung

ich finde es gut, dass die aktuelle Regierung dem Ausbau von Windkraftanlagen den Wind aus den Rotoren genommen hat. Ich hoffe, dass es bei einem kontrollierten und sinnvollen Ausbau bleibt. Die Bürgerinitiativen gegen diese Anlagen sprechen die gleiche Sprache. Diese Anlagen bedeuten, nach meiner Meinung, die Lizenz zum Geld drucken - mehr nicht!!. Daher tauchen diese Lobbyisten immer wieder in der Öffentlichkeit mit der Forderung nach weiterer Unterstützung vom Staat auf, weil ja "Arbeitsplätze in Gefahr sind". Diese Technologie hat in Deutschland nur eine Zukunft wenn beim Stillstand der Rotoren kein Pseudo-Strom bezahlt wird oder Speicher installiert werden. Das dabei die Lizenz zum Geld drucken erlischt könnte eine Folge sein.

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