Wildtierstiftung kritisiert angebliche „Horstzerstörung“

Nach Angaben der Deutschen Wildtier-Stiftung sollen beim Bau von Windparks bewusst Bäume mit brütenden Greifvögeln gefällt worden sein. Der BWE vermisst allerdings konkrete Zahlen.

Immer häufiger werden geschützte Horstbäume illegal gefällt und Vögel getötet, um Platz für Windenergieanlagen zu schaffen. Diesen Vorwurf erhebt die Deutsche Wildtier Stiftung, die zusammen mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) und dem Komitee gegen den Vogelmord seit 2013 mindestens 40 Fälle illegaler Verfolgung von Großvögeln im Umfeld von neuen oder geplanten Windparks registriert haben wollen. Meistens seien die Nester (Horste) zerstört oder die Bäume samt Horst gefällt. In mindestens einem Fall seien Jungvögel im Nest erschlagen worden. Mit Abstand häufigstes Opfer sei der Rotmilan. Aber auch beim seltenen Schreiadler seien mehrfach Horste zerstört worden. Weitere betroffene Arten seien Seeadler, Schwarzstorch, Baumfalke und Fledermäuse.

„Die Tötungen und Horstzerstörungen sind eine völlig neue Dimension der Gefährdung von Tierarten durch Windkraftanlagen“, betont Prof. Dr. Fritz Vahrenholt, Alleinvorstand der Deutschen Wildtier Stiftung.

Die Wildtierstiftung präsentiert auch den Grund für die illegalen Handlungen: Der Wert eines Grundstücks, auf dem ein Windpark errichtet werden soll, ließe sich mit der Kettensäge über Nacht enorm steigern: Pro Anlage könne ein Eigentümer mit Pachteinnahmen von rund  1,6 Millionen – also 80 000 Euro pro Jahr für 20 Jahre - rechnen. Die Deutsche Wildtier Stiftung rechnet in den kommenden Monaten mit weiteren Straftaten, denn Bäume würden meistens im Winterhalbjahr gefällt.

Der Bundesverband Windenergie (BWE) hält die Vorwürfe für nicht gerechtfertigt. Es sei nicht der erste Versuch von Herrn Vahrenholt, um gegen die Energiewende und insbesondere die Windenergie anzukämpfen. Die Zerstörung von Horsten sei eine Straftat. Nach § 44 Abs. 1 Nr. 3 BNatSchG seien die Fortpflanzungs- und Ruhestätten wie die Horstbäume geschützt. Allerdings würde eine Zerstörung von Horstbäumen den Landbesitzern oder Investoren eines Windparks nichts bringen. Denn die Genehmigungsbehörden würden auch zerstörte Horste berücksichtigen.

„Dass die Datenlage der Wildtierstiftung zu den behaupteten Zerstörungen nicht vorhanden oder mindestens dünn ist, zeigt, dass auf die Veröffentlichung von belegbaren Zahlen verzichtet wird und gleichzeitig der Aufruf startet, derartige Fälle nun zu melden“, sagt ein Sprecher auf top agrar-Anfrage. Dazu käme, dass Pachtzahlungen von 1,6 Millionen Euro pro Anlage absurd und nicht real seien.

„Wir haben es hier wieder mit einem Propaganda-Coup des schillernden Kohle- und Öl-Lobbyisten Fritz Vahrenholt zu tun, der die Wildtier-Stiftung ganz vor seinen klimagefährdenden Karren gespannt hat“, kommentiert der Solarenergie-Förderverein Deutschland die Vorwürfe der Wildtierstiftung. Dass auch der NABU sich dieser für den Naturschutz äußerst bedenklichen Initiative anschließe, sei sehr bedauerlich. Denn wenn sich Vahrenholt und seine Mitstreiter mit ihren Forderungen nach einem Moratorium für den Ausbau Erneuerbarer Energien durchsetzen würden, hätte dies fatale Konsequenzen für den Klimawandel. Darunter würde auch der Artenschutz massiv leiden. Der enge Blick mancher Naturschützer auf den Schutz einzelner Tierexemplare werde den Herausforderungen der Gegenwart nicht gerecht.


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