Wind im Wald bleibt Politikum

Windräder im Wald sind ein heißes Eisen für Landespolitiker: Während Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern strikt dagegen sind, ist Rheinland-Pfalz seit längerem Vorreiter. Jetzt ändert sich auch die Stimmung in Thüringen.

Windräder im Wald werden schon länger sehr kontrovers diskutiert. Die Anlagen sind weit weg von der Wohnbebauung, entstehen in artenarmen Fichtenwäldern und sind kaum zu sehen, sagen die Befürworter. Hierzu zählt u.a. Rheinland-Pfalz, in dem Land drehen sich über 100 Anlagen zwischen den Bäumen.

Die Gegner dagegen führen u.a. artenschutzrechtliche Bedenken an. "Der Wald ist und bleibt bei allen Planungen zur Errichtung von Windenergieanlagen tabu", betonte Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus gestern in einer Pressemitteilung. Seine Begründung: Das Land habe mit 23 % Waldanteil neben Schleswig-Holstein den geringsten Forstbestand in ganz Deutschland. Der Schutz des Waldes und seiner Funktionen genieße für Backhaus höchste Priorität. Ähnlich sieht es in Niedersachsen aus: Auch hier hat die Landesregierung im aktuellen Winderlass den Bau von Windrädern im Wald ausgeschlossen.

Ähnlich war die Situation in Thüringen bis zur letzten Landtagswahl. Das hat sich geändert: Die neue rot-rot-grüne Landesregierung strebt eine Verdreifachung der Windenergieproduktion an. Daher dürfe man vor möglichen Flächen im Wald nicht halt machen, fordert die neue Infrastrukturministerin Birgit Keller. Fast ein Drittel der Landesfläche des Freistaates ist bewaldet, das sind 550.000 ha. In einer vorliegenden Studie sind 1.615 ha Wald als Präferenzraum ausgewiesen, auf dem eine Windenergienutzung stattfinden könnte. „Niemand kann mir erzählen, dass damit das Potential für Windenergie in den Thüringer Wäldern erschöpft ist. Da müssen wir also genauer hinschauen“, sagt Keller.