Windkraft: Vogel-Kollisionen sind die Ausnahme

Windkraftanlagen sind weit weniger für den Tod von Vögeln verantwortlich, als vielfach angenommen. Erst im November kam eine Studie der Schweizer Vogelwarte Sempach im Auftrag des Bundesamts für Energie (BFE) zu der Schlussfolgerungen: Jede Windenergieanlage ist für den Tod von jährlich 20,7 Vögel verantwortlich.

Windkraftanlagen sind weit weniger für den Tod von Vögeln verantwortlich, als vielfach angenommen. Erst im November kam eine Studie der Schweizer Vogelwarte Sempach zu der Schlussfolgerungen: Jede Windenergieanlage ist für den Tod von jährlich 20,7 Vögel verantwortlich. In Auftrag gegeben hatte die Untersuchung das Bundesamts für Energie (BFE) aus den schweizerischen Ittigen.

Das Gutachterbüro KohleNusbaumer aus Lausanne in der Schweiz hat sich die Analyse genauer angeschaut und kommt auf deren Datengrundlage zu einem anderen Ergebnis: Die tatsächliche Zahl der Kollisionen ist mit einem Vogelopfer pro Anlage und Jahr weitaus geringer.

"Die Daten der BFE-Studie bestätigen letztlich, dass Vogel-Kollisionen seltene Ausnahmeereignisse sind, wie bereits in früheren Untersuchungen in anderen Windparks mit starkem Vogelzug festgestellt wurde", heißt es dazu in der Pressemeldung des Gutachterbüros. „Es wird höchste Zeit, dass die wissenschaftliche Diskussion der angeblichen Gefährdung von Vögeln durch Windkraft endlich faktenorientiert an Lebendzählungen und -beobachtungen von Vogelpopulationen orientiert wird, statt an weiterhin zweifelhaften Hochrechnungen von angeblich durch Windkraft getötete Vögel.

Windkraft unverzichtbar

Zur Bekämpfung des Klimawandels, als Hauptursache der Gefährdung vieler Vogelarten, ist der starke Ausbau der Windenergie unverzichtbar. Er darf nicht weiter durch Artenschützer mit wissenschaftlich nicht belegten Behauptungen behindert werden,“ kommentiert Hans-Josef Fell, ehemaliger Abgeordneter des Bundestags und Präsident der Energy Watch Group, das Ergebnis.

Durch Kompensationsmaßnahmen, die an den Hauptursachen für den Rückgang gefährdeter Vogelarten ansetzen, führt der Ausbau der Windenergie in der Bilanz sogar zu einer Verringerung der Mortalität von Vögeln. Bei der BFE-Studie im Windpark Le Peuchapatte handelt es sich nicht um die erste Studie der Schweizer Vogelwarte, in der zum Nachteil der Windenergie die Fakten wissenschaftlich auf den Kopf gestellt werden. Der Windpark in Le Peuchapatte auf der Schweizer Jurakette ist besonders für eine Studie der Auswirkungen der Windenergie auf Zugvögel geeignet. Noch vor der Inbetriebnahme im Jahr 2011 hat die Schweizer Vogelwarte Sempach vor den möglichen Auswirkungen auf europäische Zugvögel gewarnt.
Wegen des am Standort per Radaranlage festgestellten intensiven Vogelzugs von 1,65 Millionen Vögel/km im Jahr wurde die Zahl der Kollisionsopfer der drei Windenergieanlagen auf bis zu 5.000 jährlich geschätzt.
 
Die während der Kontrollen im Windpark gefundenen 20 toten Vögel und Vogelreste wurden von der Schweizer Vogelwarte Sempach ausnahmslos Kollisionen mit Windenergieanlagen zugeschrieben. Daraus wurde die Schlussfolgerung gezogen, dass an jeder Windenergieanlage jährlich 20,7 Vögel verunglücken. Eine genauere Betrachtung der Datengrundlage ermöglicht es jedoch auszuschließen, dass die Totfunde im Windpark Folge von Kollisionen mit Windenergieanlagen sind.

Auffälligkeiten in der Studie

Die Funde toter Vögel konzentrieren sich mit hoher Sicherheit auf die Gehölzränder im Suchgebiet, obwohl sie nur einen kleinen Teil der Fläche einnehmen. Im Gegensatz dazu wurden weder auf den gehölzfreien Flächen noch im 20-m-Radius um die Windenergieanlagen Funde registriert. Es entbehrt jeder Logik, dass Vögel nach der Kollision mit den Rotorblättern oder Masten nicht auf dem freien Feld landen, sondern gezielt die Waldränder anfliegen, dazu noch entgegen der Windrichtung. Bei zwei von drei Anlagen liegt in der Hauptwindrichtung kein einziger Fund vor.

Weitere Beobachtungen bestätigen, dass Vogel-Kollisionen im Windpark seltene Ausnahmeereignisse sind. Nach Nächten mit intensivem Vogelzug mit mehreren tausend Vögeln pro Stunde und km wurden trotz hoher Kontrollintensität im Windpark keine Totfunde festgestellt. Ausgerechnet im Monat September wurde kein Fund verzeichnet, obwohl es der Höhepunkt des Vogelzugs war. Außerdem liegt keine Kollision mit einer als „besonders kollisionsgefährdet“ eingestuften Vogelart vor, obwohl am Standort eine hohe Präsenz von Greifvögeln wie Rotmilan, Mäusebussard und Wespenbussard als Brut- oder Zugvögel vorliegt. Eine identische Feststellung kann auch für die Ringeltaube gemacht werden, die in großer Zahl und in Schwärmen mit mehr als 1.000 Exemplaren das Gebiet durchfliegt. Auf der Fundliste fehlen auch viele, den nächtlichen Vogelzug prägende Vogelarten, wie die Amsel.

„Im postfaktischen Zeitalter benötigen wir mehr denn je eine objektive Aufklärung der Fakten. Die Auswirkungen der Windenergie auf Vögel und die Artenvielfalt sind entgegen den Behauptungen nicht hoch, sondern im Vergleich zu anderen Energieträgern sogar besonders gering,“ unterstreicht Oliver Kohle, Autor des Faktenchecks.

Insbesondere der mit fast 50 % hohe Anteil an Sommergoldhähnchen-Totfunden im Windpark während früh- und spätwinterlichen Kältephasen zeigen dagegen die Gefahren von Wetterereignissen für kälteempfindliche Vogelarten bei der Überquerung des Juragebirges auf. Sommergoldhähnchen sind für hohe Zugverluste durch Kälte bekannt, da der kleinste Vogel Europas schnell auskühlt.

Die Schweizer Vogelwarte hat bereits in einer Studie an einer Windenergieanlage im Rheintal die Ergebnisse wissenschaftlich auf den Kopf gestellt. Trotz intensiver Beobachtung von Vögeln mit automatischen Kameras wurde kein einziges Kollisionsereignis festgestellt, weil alle Vögel der Anlage ausgewichen sind. Anstatt wissenschaftlich korrekt das hohe Kollisionsrisiko der zahlreichen vor Ort vorkommenden „besonders kollisionsgefährdeten“ Vogelarten in Frage zu stellen, darunter 9 Greifvogelarten wie der Rotmilan, wurde der Standort vom höchsten auf das geringste Risiko herabgestuft.
 
Tatsächlich wird die Mortalität von Vögeln im Zuge des Ausbaus der Windenergie sogar verringert. Ausgleichsmaßahmen wie die Erdverlegung bestehender Stromfreileitungen (Kollisionsrisiko), die Beseitigung von für Vögel gefährliche Mittelspannungsmasten („Stromtod“), die Schaffung von Biotopen und Extensivierungsmaßnahmen in Land- und Forstwirtschaft senken die Mortalität und Erhöhen die Überlebenschancen, so dass die Lebensrisiken in der Bilanz deutlich sinken.

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